München, 22. April 2026. Für Kardinal Reinhard Marx ist Arbeit entscheidend für die Selbstverwirklichung des Menschen und seine Teilhabe an der Gesellschaft. „Es gehört zur Würde jedes einzelnen dazu, die Chance zu erhalten, durch seine Arbeit, Fähigkeiten und Potenziale an der Gesellschaft teilzuhaben, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen und damit auch frei zu sein“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Dienstagnachmittag, 21. April, bei einer Veranstaltung der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft und der Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber in Bayern zum Thema „Potenziale nutzen, Barrieren abbauen. Inklusion in der Arbeitswelt“ in München. Zugleich warnte der Kardinal: „Jede Gesellschaft, die Barrieren aufbaut – nicht nur die sichtbaren, sondern auch die in den Köpfen –, ist nicht die Form von Demokratie, die wir wollen.“
Arbeit und Teilhabe seien zentrale Bausteine für den Zusammenhalt in der Gesellschaft, so Marx. „Das normale Arbeitsverhältnis gehört zu den Fundamenten der Demokratie. Wo das aufgelöst wird, wird es gefährlich.“ Er verwies darauf, dass die Demokratie auf dem christlichen Menschenbild beruhe, nach dem die Menschen vernünftig und respektvoll miteinander umgehen sollen, unabhängig von der Herkunft, dem Geschlecht, dem Grad der Behinderung oder dem Bildungsstand. „Die Würde des Menschen ist die Grundlage von allem!“ Der Erzbischof räumte in seiner Ansprache ein, dass sich Arbeit auch für die Wirtschaft rechnen müsse, warnte aber vor zu kurzfristigem Denken: „Wir können es uns als Gesellschaft nicht erlauben, Menschen zu übersehen, die Potenzial haben, das sie einbringen können. Das wäre töricht und dumm. Auf lange Sicht sind ethische und moralische Werte im Grunde immer vernünftig und zahlen sich am Ende auch aus.“ Der Staat müsse als weiterer Akteur der Sozialen Marktwirtschaft, neben der Gesellschaft und den Unternehmen, die Rahmenbedingungen setzen und mit Fördermitteln dazu beitragen, dass Inklusion und Integration gelingen können. „Per Gesetz jemanden zu etwas zwingen, von dem er selbst nicht überzeugt ist, ist oft nur die zweitbeste Lösung. Unternehmen sollten selbst davon profitieren, Gutes zu tun.“
Inklusion und Integration seien ein Testfall für die Soziale Marktwirtschaft, so Marx weiter. Er stellte klar: „Soziale Marktwirtschaft bedeutet nicht, in der Wirtschaft Geld zu verdienen, und was übrigbleibt, sozial zu verteilen. Sondern: Das Soziale und das Wirtschaftliche sind gleich wichtig. Den Wettbewerb des Kapitalismus kann eine Gesellschaft nur aushalten, wenn sie gleichzeitig die Garantie an alle gibt, dass niemand ins Nichts fällt. Alle werden im Blick behalten, alle gehören ins Boot.“
Im Rahmen der Veranstaltung verwies Kardinal Marx darauf, dass sich die Erzdiözese München und Freising als Arbeitgeber bereits seit vielen Jahren für die Förderung und Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben einsetze. „Für uns als Kirche ist es wichtig, dass wir den gesellschaftlichen Bemühungen nicht hinterherhinken, sondern mit gutem Beispiel vorangehen.“ Die Beschäftigungsquote von Schwerbehinderten in der Erzdiözese München und Freising betrug im Jahr 2025 6,2 Prozent. Die Erzdiözese hat verschiedene Inklusionsvereinbarungen zur Teilhabe schwerbehinderter und diesen gleichgestellten behinderten Menschen abgeschlossen, etwa im Bereich der Erzbischöflichen Schulen und im Erzbischöflichen Ordinariat, hat die Barrierefreiheit in ihre diözesanen Bauregeln fest integriert und bietet beispielsweise auch Führungskräfte-Schulungen zum Abbau von Berührungsängsten im Umgang mit schwerbehinderten Beschäftigten an. (hor)