Zurück

Erklärung der Freisinger Bischofskonferenz

Frühjahrsvollversammlung der bayerischen Bischöfe in Bamberg vom 18. bis 19. März 2026

1. Pfarrgemeinderatswahlen in den bayerischen (Erz-)Bistümern

Bei den Pfarrgemeinderatswahlen in den sieben bayerischen (Erz-)Bistümern am 1. März 2026 gaben nach letztem Auszählungsstand rund 14,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Damit konnte die Wahlbeteiligung im bayernweiten Mittel um etwa 2,2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2022 gesteigert werden. In allen bayerischen (Erz-)Bistümern lag die Wahlbeteiligung bei einem zweistelligen Prozentanteil; am höchsten in Eichstätt mit 23,5 Prozent, gefolgt von Würzburg mit 17,8 Prozent sowie München und Freising mit 17,6 Prozent. Im Bistum Eichstätt und im Erzbistum München und Freising war erstmals auch eine Online-Abstimmung möglich. In einer gemeinsamen Kampagne der bayerischen (Erz-)Bistümer wurde die Wahl zudem mit einem einheitlichen Erscheinungsbild und Slogan beworben.

Die Freisinger Bischofskonferenz dankt allen Ehrenamtlichen, die sich in den neu gewählten Pfarrgemeinderäten einbringen und damit einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung des kirchlichen Sendungsauftrags vor Ort leisten. Ferner würdigen die Bischöfe das besondere Engagement des Landeskomitees der Katholiken in Bayern sowie der Diözesanräte in der Unterstützung und Bewerbung der Wahlen.

2. Kommunalwahl in Bayern

Die bayerischen Bischöfe tauschten sich über die Ergebnisse der Kommunalwahlen, die am 8. März 2026 in Bayern stattfanden, aus. Mit Blick auf die Zunahme von polarisierenden und extremistischen Positionen mahnen die Bischöfe eine prinzipielle Bereitschaft zu vernünftigem Diskurs und Konsens an und warnen vor einer Normalisierung rechtsextremer Einstellungen.

Dass Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker zunehmend Hass, Hetze und Gewalt erfahren, erfüllt die Freisinger Bischofskonferenz mit Sorge. Die Bischöfe danken allen, die sich im Bereich der Kommunalpolitik um einen Ausgleich unterschiedlicher Bedürfnisse und Anliegen bemühen und ein gutes Miteinander der Menschen vor Ort mit ihrem Engagement mitgestalten.

 3. Kompetenzzentrum Demokratie und Menschenwürde

Die Freisinger Bischofskonferenz würdigt die Arbeit des Kompetenzzentrums Demokratie und Menschenwürde der Katholischen Kirche Bayern (KDM), das sich im zurückliegenden Jahr in seinen drei Arbeitsbereichen Bildung, Beratung und Vernetzung weiter mit Nachdruck gegen die Gefahren von Extremismus und Demokratiefeindlichkeit engagiert hat.

Das Kompetenzzentrum intensivierte seine vielfältige Vernetzung mit kirchlichen, zivilgesellschaftlichen und wissenschaftlichen Akteuren. Dazu zählt eine neue Zusammenarbeit mit dem Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München zur Erinnerungskultur sowie mit der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, auf ökumenischer Ebene mit der neuen Fachstelle für Demokratie der evangelischen Landeskirche.

Die Beratungsnachfrage blieb dem Bericht zufolge auf hohem Niveau. Die bayerischen Bischöfe danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kompetenzzentrums für ihr engagiertes Wirken und betonen die Bedeutung dieser Arbeit gerade in einer Zeit, in der die Verteidigung der Menschenwürde und Demokratie eine besondere Aufgabe der Kirche darstellt.

 4. Katholische Hochschullandschaft

4.1 Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Der Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Ministerpräsident a. D. Horst Seehofer, hat die Mitglieder der Freisinger Bischofskonferenz über die Arbeit des Stiftungsrats informiert und über aktuelle Entwicklungen in Stiftung und Universität berichtet.

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) ist erneut als „Beliebteste Universität in Deutschland" ausgezeichnet worden. Nach 2021, 2022 und 2024 landet die Universität bereits zum vierten Mal auf dem Spitzenplatz im aktuellen Ranking des Online-Portals Studycheck. Grundlage für die Auszeichnung sind Bewertungen, die Studierende und Alumni auf dem Portal veröffentlichen. Laut Studycheck sind mehr als 87.000 Erfahrungsberichte aus dem Jahr 2025 die Grundlage für das neueste Ranking. 98 Prozent der Teilnehmenden des Rankings 2026 würden die KU für ein Studium weiterempfehlen, die Studiengänge erhielten durchschnittlich 4,2 von 5 möglichen Sternen.

Auch im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter nimmt die KU eine Vorreiterrolle ein. Mit einem Professorinnenanteil von 40 Prozent liegt sie weit über dem bayerischen Hochschuldurchschnitt von 26 Prozent, den das Landesamt für Statistik zuletzt für das Jahr 2024 erhoben hatte – und deutlich über den 25 Prozent, die sie selbst noch vor fünf Jahren verzeichnete. Die Universität führt diesen Anstieg auf ein umfassendes Förderprogramm mit Mentoring und Coaching zurück.

Die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der KU hat die Akkreditierung durch die Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB) erhalten, die weltweit als Gütesiegel für Exzellenz in Lehre, Forschung und Praxisorientierung gilt. In Bayern gehören neben der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der KU nur drei weitere Business Schools und Wirtschaftsfakultäten zum Kreis der AACSB-akkreditierten Einrichtungen: Die Business School der Technischen Hochschule Ingolstadt, die School of Management an der Technischen Universität München und die Munich Business School. Nur rund sechs Prozent der Business Schools weltweit erfüllen die Anforderungen. Die Akkreditierung öffnet der KU Möglichkeiten für Forschungs- und Lehrkooperationen, für Absolventinnen und Absolventen kann das AACSB-Siegel einen Wettbewerbsvorteil beim Berufseinstieg bedeuten. Um die Vernetzung mit der Unternehmens- und Berufswelt weiter zu stärken, wird ein neu eingerichtetes Advisory Board mit Unternehmensvertreterinnen und -vertretern die Weiterentwicklung der Fakultät künftig begleiten.

Die wissenschaftliche Expertise der KU findet auch in außeruniversitären Gremien Anerkennung. Journalistik-Professorin Annika Sehl wurde vom ZDF-Fernsehrat in den von der Ministerpräsidentenkonferenz neu eingerichteten Medienrat gewählt. Das Expertengremium soll evaluieren, inwiefern der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seiner Gesamtheit seinen Auftrag erfüllt, und Impulse für dessen Weiterentwicklung geben. Sehl ist seit 2022 Inhaberin des Lehrstuhls für Journalistik mit dem Schwerpunkt Medienstrukturen und Gesellschaft an der KU. Öffentlich-rechtliche Medien bilden einen ihrer Forschungsschwerpunkte. In den Jahren 2023 und 2024 war sie bereits Mitglied des Rats für die zukünftige Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Die Bischöfe zeigen sich erfreut über die anhaltend positive Entwicklung der KU und danken Ministerpräsident a. D. Seehofer und allen Mitgliedern des Stiftungsrats für ihr Engagement für die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt. 

4.2 Katholische Stiftungshochschule

Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hat der Katholischen Stiftungshochschule München (KSH) das eigenständige Promotionsrecht zugesprochen, sodass Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler künftig direkt an der KSH München promovieren können. Gemeinsam mit der Evangelischen Hochschule Nürnberg richtet die KSH zum Sommersemester 2026 das Promotionszentrum „Menschenorientierte Forschung für innovative Versorgung und Teilhabe“ am Campus München ein. Das Promotionszentrum schließt eine Lücke in der akademischen Qualifizierung menschenorientierter Professionen und Disziplinen – vom Bachelor über den Master zur Promotion. Die ersten Promovierenden werden im Mai 2026 aufgenommen.

Das Angebot der Hochschule wird zum Wintersemester 2026/2027 zudem um zwei neue Studiengänge erweitert. Am Campus Benediktbeuern startet der in Deutschland einzigartige Bachelorstudiengang „Soziale Arbeit mit naturgestützter Intervention – Green Care“, der systematisch Kompetenzen zur Nutzung natürlicher Ressourcen für die Praxis der Sozialen Arbeit vermittelt. Am Campus München wird der interdisziplinäre Masterstudiengang „Human Rights & Social Transformation“ angeboten, der berufliches Handeln in ein christlich fundiertes Wertesystem einbettet.

Die bayerischen Bischöfe würdigten die kontinuierliche Weiterentwicklung der KSH in Forschung und Lehre und die damit verbundene Schärfung ihres Profils. 

5. Katholische Akademie in Bayern

Akademiedirektor Achim Budde berichtete über aktuelle Entwicklungen der Katholischen Akademie in Bayern als einem zentralen Bildungsort der Katholischen Kirche in Bayern. Im Mittelpunkt der Akademiearbeit stehen Veranstaltungsangebote aus Theologie und Kirche, Philosophie, Ökumene und interreligiösem Dialog, Politik und Zeitgeschehen, Gesellschaft und Wirtschaft, Naturwissenschaften und Medizin. In christlicher Welt- und Schöpfungsverantwortung beteiligt sich die Katholische Akademie an entscheidenden öffentlichen Debatten im Dialog mit führenden Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis. Insbesondere über digitale Kanäle wie Livestreams oder abrufbare Video- und Audioaufzeichnungen konnte die Akademie die Reichweite ihrer Angebote in den vergangenen Jahren vervielfachen. 

Die bayerischen Bischöfe, die sich über die weitere Entwicklung einer nachhaltigen Zukunftsperspektive für die Akademie austauschten, betonen die Bedeutung der Katholischen Akademie in Bayern als wichtiges Forum der offenen Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen der Zeit auf Basis des christlichen Glaubens und als ein Ort, an dem die Kirche in spezifischer Weise inmitten der Gesellschaft präsent ist.

6. Jugendarbeit

Die bayerischen Bischöfe danken der Landesstelle für Katholische Jugendarbeit und dem BDKJ Bayern für ihre wesentlichen Beiträge zur Jugendpastoral im vergangenen Jahr. Zentrale Aufgaben waren die Vernetzung der katholischen Jugendarbeit, die Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitenden, die Umsetzung der Freiwilligendienste FSJ und FÖJ sowie der Einsatz für die Belange von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in allen politischen Fragestellungen im Sinne des christlichen Menschenbildes.

Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt lag im Berichtsjahr auf der Debatte um eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. Der BDKJ Bayern hat hierzu bereits im Oktober 2024 einen Beschluss gefasst, der die Sicherheitsinteressen einer wehrhaften Demokratie mit den Interessen junger Menschen ausgewogen zu vereinen sucht. Auf Ebene der Landesstelle wird derzeit überlegt, welche Rolle die katholische Jugendarbeit bei der Beratung junger Menschen in Fragen des Wehrdienstes gegebenenfalls übernehmen könnte. Die bayerischen Bischöfe sehen die Herausforderungen und Belastungen, vor denen die junge Generation angesichts einer veränderten weltpolitischen Lage steht, und ermuntern die Jugendseelsorgerinnen und Jugendseelsorger, jungen Menschen mit ihren Ängsten und Zukunftssorgen in dieser Situation beizustehen und sie bei der Klärung ihrer Gewissensfragen zu unterstützen.

Die Freisinger Bischofskonferenz tauschte sich zudem über den vom 3. bis 8. August 2027 in Seoul (Südkorea) stattfindenden Weltjugendtag aus. Die Bischöfe berieten die Planungen in den einzelnen Diözesen bezüglich einer Teilnahme sowie – aufgrund der großen Reisedistanz – Möglichkeiten bistumsübergreifender Delegationen. 

7. 300 Jahre Heiligsprechung Johannes Nepomuk im Jahr 2029

2029 jährt sich die Heiligsprechung von Johannes Nepomuk zum 300. Mal. Bei der Heiligsprechung 1729 handelte es sich um ein Ereignis von europäischer Tragweite mit besonderem Schwerpunkt in Tschechien und im süddeutschen Raum. Die bayerischen Bischöfe berieten über Möglichkeiten für grenzüberschreitende Feierlichkeiten, die die versöhnende, völkerverbindende Kraft des Glaubens zum Ausdruck bringen. 

8. Seelsorge für muttersprachliche Gemeinden

Mit dem Ziel, die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund weiter zu unterstützen, tauschten sich die bayerischen Bischöfe über pastorale Konzepte für muttersprachliche Gemeinden aus. Insbesondere ging es um die Frage der gemeindlichen Integration von Menschen mit katholischem Hintergrund, die in anderen Riten praktizieren. Um ihnen die Feier der Gottesdienste in ihrer heimatlichen Liturgie zu ermöglichen und zugleich die Einbindung in das gemeindliche Leben vor Ort zu gewährleisten, beauftragt die Freisinger Bischofskonferenz die Kommission der Seelsorgeamtsleitungen mit der Weiterentwicklung entsprechender Konzepte auf Grundlage der 2024 herausgegebenen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge in anderen Sprachen und Riten. 

9. Personalien

Die Freisinger Bischofskonferenz entsendet in Nachfolge des emeritierten Weihbischofs Otto Georgens Weihbischof Josef Graf (Regensburg) in den Zentralrat des päpstlichen Hilfswerks missio München.

Kontakt für Medien- und Presseanfragen

Kapellenstraße 4

80333 München

089 2137-1263
089 2137-271478