München, 4. April 2026. In seiner Osterbotschaft ruft Kardinal Reinhard Marx dazu auf, trotz einer vielfach von Gewalt und nationalistischen Interessen geprägten politischen Lage an der Hoffnung auf eine bessere Welt festzuhalten und sich im Engagement für Frieden, Solidarität und eine gerechte Gemeinschaft aller Menschen nicht entmutigen zu lassen: „Ostern unterstreicht sehr deutlich, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt keine naive Träumerei ist, denn es geht um eine realistische Hoffnung“, sagt der Erzbischof von München und Freising laut Manuskript in seiner Predigt in der Osternacht am Samstagabend, 4. April, im Münchner Liebfrauendom. Gerade heute brauche es „österliche Menschen, Menschen mit Hoffnung und mit Begeisterungsfähigkeit“, so der Kardinal: „Wenn die Welt und unsere Gesellschaften sich weiter verrennen in Eigeninteressen, in den Egoismus bestimmter Gruppen, in die Blasen von Hass und Verschwörungstheorien, dann wird die Welt bedrohlicher und gefährlicher.“
Laut Marx war bereits Jesus für die Pharisäer und Schriftgelehrten „ein versponnener Weltverbesserer, der die Realitäten der Welt nicht verstanden hat“. Dass Jesus von einer Welt sprach, „in der Friede, Versöhnung, Vergebung der Sünden, Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit Wirklichkeit werden“, sei für „die Mächtigen in Religion und Politik weltfremd und gefährlich“ gewesen, weshalb sie ihn letztlich zum Tode verurteilten. Und auch in den heutigen Debatten, so der Kardinal, heiße es oft, man müsse „endlich in der Realität ankommen. Die Welt sei nun einmal bestimmt von Gewalt und klaren Interessengegensätzen, die von großen und kleinen Mächten rücksichtslos durchgesetzt würden, eine Welt voller Nationalismen, geprägt vom Wettbewerb um die stärksten Waffen und die höchsten Profite.“ Verbunden sei dies mit der Ansicht, der „sogenannte Multilateralismus, also das Denken in einer Perspektive auf die ganze Menschheitsfamilie hin, sei vorüber und vergeblich“.
Für den Erzbischof steht dem die österliche Botschaft entgegen, die nicht zulasse, „dass wir allein den Stimmen Raum geben, die letztlich Resignation und Verzweiflung verstärken, die Gewalt und Macht vor Recht und Frieden sehen“. Wer die Geschichte der Menschheit nur erzähle als eine Geschichte von Siegern und Besiegten, von der Durchsetzung von Macht, wirtschaftlichen und nationalen Interessen, der übersehe die große Kraft von Menschen, Frieden zu stiften, Solidarität zu üben, ein Gemeinwesen aufzubauen, das den Prinzipien der Gerechtigkeit und der Freiheit verpflichtet ist, erklärt Kardinal Marx: „Für mich hängt diese Seite der Geschichte ganz eng mit dem Osterereignis zusammen, mit dem Befreiungshandeln Gottes seit dem Auszug aus Ägypten, aus dem Haus der Sklaverei.“ Das Reich Gottes sei „nicht nur eine spirituelle Wirklichkeit, eine Erfahrung in der Innerlichkeit des Menschen“, betont Marx, „sondern es will sich auswirken auf die konkrete Gestaltung der Welt. Das Reich Gottes wird da sichtbar, wo Menschen diese neue Wirklichkeit aufscheinen lassen durch ihr Handeln, durch ihr Beispiel, durch ihr Engagement.“ Hierfür brauche es „auch die Leidenschaft, das Feuer, die Überzeugung, dass eine bessere Welt möglich ist. Und da sollten Christinnen und Christen mit ihrem Osterglauben mit dabei sein in der ersten Reihe.“
Bei dem feierlichen Gottesdienst im Liebfrauendom in der Osternacht empfangen elf Erwachsene von Kardinal Marx die Sakramente der Taufe, Firmung und Eucharistie, weitere zehn erhalten die Sakramente in der Osternacht in St. Michael und drei am Ostersonntag in St. Bonifaz. Insgesamt haben sich in den vergangenen Monaten 42 Erwachsene, von denen drei weitere am Vorabend von Pfingsten in St. Michael und die übrigen 15 in ihren Heimatpfarreien die Sakramente empfangen, in der Glaubensorientierung in St. Michael vorbereitet. Sie wurden in die kirchliche Gemeinschaft eingeführt, lernten die Grundlagen der Heiligen Schrift, des katholischen Glaubens und der Liturgie kennen. In Gruppen- wie auch Einzelgesprächen setzten sich die Taufkandidaten mit dem christlichen Glauben und Leben auseinander und reflektierten ihren individuellen Glaubensweg. (ck)
Hinweis:
Eine Videobotschaft von Kardinal Marx zum Osterfest kann von Samstag, 4. April, an unter www.erzbistum-muenchen.de sowie auf den Social-Media-Kanälen der Erzdiözese abgerufen werden.