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Kardinal Marx: „Immer vom Menschen her denken!“

Drei angehende Priester zu Diakonen geweiht

München, 23. Mai 2026. „Unser Dienst ist geprägt von der Haltung: ‚Wenn du mich brauchst, bin ich für dich da.‘“ Mit diesen Worten hat Kardinal Reinhard Marx in seiner Predigt am Samstagvormittag im Münchner Liebfrauendom die Grundausrichtung des kirchlichen Dienstes erklärt. Nicht ein Streben nach Macht, sondern eine selbstlose Verfügbarkeit stehe im Zentrum, sagte der Erzbischof von München und Freising beim Gottesdienst zur Weihe dreier Priesteramtskandidaten aus dem Priesterseminar St. Johannes der Täufer in München zu Diakonen.

Bezugnehmend auf das maßgeblich durch „Redemptor hominis“, die erste Enzyklika von Papst Johannes Paul II., geprägte theologische Diktum „Der Weg der Kirche ist der Mensch“, forderte Marx die Weihekandidaten auf: „Immer vom Menschen her denken!“ Als Leitfragen gab er ihnen mit: „Was brauchen die Menschen und wie können wir ihnen helfen, getröstet zu sein, den Weg zu Christus zu finden, dem wahren Bruder aller Menschen, sich zu öffnen für das Wirken des Geistes, der Hoffnungsspender ist, der die Liebe selber ist?“

Der spirituelle Weg der Kirche bedeutet immer wieder Suche und Aufbruch. „Nicht stehenbleiben, sondern ins weite Land gehen, neugierig und offen für das, was kommt“, so Marx. Für das sakramentale Amt besonders entscheidend sei die Grundhaltung des Dienens: „Ich bin nicht gekommen, mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen“, zitierte der Kardinal aus den Evangelien. Die innere Haltung „Wenn ihr mich braucht, bin ich für euch da“ sei eine Gesinnung, die befreie und den Horizont weite.

Marx mahnte, dass es „keine Kirche der Zukunft ohne den Blick auf die Armen an Leib und Seele“ gebe und gab den Weihekandidaten als Auftrag mit: „Schaut auf die, die nicht immer da sind, die am Rande sind oder sich am Rande fühlen! Schaut auf die, die vernachlässigt sind, besonders auf die jungen Menschen!“ Zudem hob der Kardinal hervor, dass Diakone, Priester und Bischöfe „Männer des Gebetes“ sein sollen. „Das Gebet ist ein unglaublich starker Ort, der uns Kraft gibt, der uns in die Begegnung mit Gott hineinführt und den Horizont weitet“, so Marx. „Im Gebet geben wir das Leben, weil unser Leben dann nicht um sich selber kreist, sondern weil es genommen ist in die große Wirklichkeit Gottes, die alle Menschen umfasst.“ Zudem bat der Erzbischof von München und Freising die Weihekandidaten zu versuchen, dass deren Versprechen der Ehelosigkeit „ein Zeichen wird, dass ihr euer Leben gebt“. Das Versprechen bedeute nicht einfach Verzicht, so Marx, „sondern ihr gebt etwas“. Um dieses Zeichen willen halte die Kirche daran fest, wenngleich es in Zukunft auch neue Formen geben könne.

Zu Diakonen wurden geweiht: der 28-jährige Florian Heptner aus Taufkirchen (Landkreis München), der momentan im Pfarrverband Amerang (Landkreis Rosenheim) eingesetzt ist, der 26-jährige Florian Kruppa aus Putzbrunn (Landkreis München), der während des Pastoralkurses in den Pfarrverbänden Buchbach und Obertaufkirchen (Landkreis Mühldorf am Inn) wirkt, sowie der 33-jährige Patrick Meddeb aus Irschenberg (Landkreis Miesbach), dessen aktueller Einsatzort Wolfratshausen (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ist. (glx)