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Marx: „Illegitimer Krieg, den wir nicht akzeptieren können“

Erzbischof fordert bei Diözesanrat Einstehen für „gerechte Ordnung des Handelns“ und starkes Europa

Mühldorf, 14. März 2026. Mit Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage hat Kardinal Reinhard Marx davor gewarnt, bisher gültige Ordnungen aufs Spiel zu setzen. „Die großen Themen wie der Universalismus, der eine Planet, die Verantwortung aller, das steht nicht mehr im Fokus“, zeigte sich der Erzbischof von München und Freising am Samstag, 14. März, bei der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese in Mühldorf am Inn besorgt. Dies geschehe aktuell durch eine „Neuordnung der Großmächte, wo diese Themen auf ,unter ferner liefen‘ gedrückt werden – vieles ist weg, wofür wir lange gekämpft haben und weiter kämpfen werden“. Marx forderte: „Wir brauchen eine gerechte Ordnung des Handelns, auf die wir uns verlassen können.“ Dabei nahm er im Kontext des Versammlungsthemas „Mehrwert durch Werte. Perspektiven zur Sozialen Marktwirtschaft“ Bezug auf die Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus sowie die katholische Soziallehre.

Dies gelte auch für das Thema Krieg und Frieden wie aktuell im Nahen Osten: „Es gibt keine Kriterien, die ich erkennen kann, die den Krieg Amerikas und Israels jetzt rechtfertigen.“ Laut Kardinal Marx ist „Krieg das schlimmste Übel, er zerstört die Seelen und die Moral, der Preis ist hoch, gerade für die Zivilbevölkerung“, und es sei fraglich, ob das Instrument des Krieges wirklich eine Verbesserung der Verhältnisse bringe. „Nach den Kriterien der katholischen Soziallehre ist dies ein illegitimer Krieg, den wir nicht akzeptieren können“, so Marx weiter. Gleichzeitig erinnerte er an die Relevanz Europas auch als „ethisches Projekt, als christliches Projekt“: „Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, jetzt erst recht, da müssen wir dabei sein, auch als Kirche und als einzelne Bürger.“

Die Bedeutung demokratischer Werte hob Kardinal Marx auch bei einem Podium hervor, auf dem er mit Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales (CSU), Unternehmer Randolf Rodenstock, Landtagsabgeordneter Stephanie Schuhknecht (Bündnis 90/Die Grünen) und Bernhard Stiedl, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds Bayern, über das Versammlungsthema diskutierte. „Soziale Marktwirtschaft und Demokratie sind koextensiv, sie sind ein Aushandlungsprozess, dazu gehört Vertrauen“, führte Marx aus. Polarisierung und „Schwarz-Weiß-Malerei“ führten hier nicht weiter, es brauche eine konstruktive Diskussion. „Daher mein Appell an die Parteien der sogenannten Mitte, einen vernünftigen Diskurs zu pflegen“, so der Kardinal. Allgemein forderte er auf: „Wir müssen das Vertrauen aufbringen, dass die Politiker um einen Kompromiss ringen, damit alle würdig leben können. Das traue ich allen großen Partien zu, den radikalen nicht.“

In seinem Bericht bewertete der Erzbischof den „Schub der Synodalität“ auf Ebene der Weltkirche, deutschlandweit und im Erzbistum München und Freising positiv. „Der wichtigste Ort der Synodalität ist aber das Bistum“, unterstrich er, hier werde sie konkret umgesetzt. „Wir haben eine synodale Grundstruktur, in der gewählte Laienvertreter bis hin zum Diözesanrat Verantwortung wahrnehmen“, verwies er auf die Anfang März neu gewählten Pfarrgemeinderäte. Synodalität dürfe dabei aber nicht zum Selbstzweck oder zum „Zauberwort“ werden. „Ziel muss eine qualitätsvolle, anziehende, kraftvolle Präsenz von Kirche in der Gesellschaft sein“, unterstrich der Kardinal und sagte an die Delegierten und alle gewählten Laienvertreter gerichtet: „Danke, dass Sie das so engagiert tun!“

Der Diözesanrat ist das oberste Laiengremium der Erzdiözese. In die Vollversammlung werden Delegierte der Dekanatsräte sowie der katholischen Verbände und Organisationen entsandt. Bei der Frühjahrsvollversammlung berichtete auch der Vorsitzende des Diözesanrats, Armin Schalk. Kardinal Marx feierte mit den rund 140 Delegierten einen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Nikolaus. (kbr)

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