Augsburg, 25. April 2026. Mit Grußworten, einem Festvortrag und einem Zeitzeugengespräch im Rahmen der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung begeht das Landeskomitee der Katholiken in Bayern am Freitag und Samstag, 24. und 25. April, in Augsburg sein 75-jähriges Bestehen. „Wir im Landeskomitee haben – noch bevor dieser Begriff so prägend war wie heute – in den vergangenen 75 Jahren Synodalität gelebt als einen gemeinsamen Weg des Ringens um die richtigen Lösungen und Antworten. Diesen Weg in die Zukunft möchten wir als Landeskomitee auch in den kommenden Jahrzenten weiter gehen“, sagte Christian Gärtner, Vorsitzender des Landeskomitees, anlässlich der Feierlichkeiten. Kardinal Marx, Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz, würdigte das Landeskomitee als „eine wichtige synodale Stimme in Bayern.“
Peter Frey, ehemaliger Chefredakteur des ZDF und langjähriges Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken betonte in seinem Festvortrag am Freitag, 24. April 2026, dass es zu den Aufgaben der Kirche gehöre, sich politisch zu äußern. Es sei die Rolle des Landeskomitees der Katholiken, als Vertretung der katholischen Laien in Bayern „dem Staat mit Entschlossenheit Grenzen aufzuzeigen und die katholische Perspektive in den öffentlichen Diskurs mit einzubringen.“ Er ermutigte die Anwesenden, sich „nicht einschüchtern zu lassen und keine Angst“ vor den Reaktionen zu haben, wie er es gerade beispielsweise bei den Plänen der AfD in Sachsen-Anhalt oder in den Drohungen Donald Trumps gegenüber Papst Leo XIV. sehe. „Wenn Prinzipielles im Raum steht wie bei Flucht und Migration, bei der Demokratie und bei der Zusammenarbeit mit einer extremistischen Partei, kann und muss die Kirche gehört werden.“ Dies stehe, so Frey, nicht im Widerspruch zur Seelsorge und Theologie, denn „Politik oder Innerlichkeit, Engagement oder Seelsorge“ seien für ihn „kein Entweder-oder. Die Kirche muss beides leisten.“
Im Rahmen des Zeitzeugengesprächs mit wichtigen Persönlichkeiten aus der Geschichte des Landeskomitees sprachen ehemalige Mitglieder und Vorsitzende über politische Erfolge und Herausforderungen der Vergangenheit und äußerten ihre guten Wünsche für die kommenden Jahre. Der Augsburger Bischof Bertram Meier resümierte über seine Zeit als Geistlicher Beauftragter der Freisinger Bischofskonferenz für das Landeskomitee von 2005 bis 2014, dass es trotz unterschiedlicher Meinungen der Laienvertretung „immer wieder auch gelungen ist, eine gute Atmosphäre zu schaffen“. Er hoffe auf eine Fortführung dieses Gesprächsstils, denn „katholisch sein heißt nicht ‚im Gleichschritt Marsch‘, sondern wir leben von Vielfalt“. „Mir ist, was die Zukunft des Landeskomitees angeht, nicht bange“, erklärte Alois Baumgartner, der von 1982 bis 1992 Geschäftsführer des Landeskomitees und von 1998 bis 2010 Vorsitzender des Diözesanrats München und Freising war. Gisela Häfele, stellvertretende Landeskomitee-Vorsitzende von 2005 bis 2017 fügte an, sie hoffe, „dass die gegenseitige Wertschätzung die Grundlage bleibt, dass das Landeskomitee die Wünsche der Menschen wahrnimmt und sie vertritt und weitergibt“ und Walter Bayerlein, Mitglied der Vollversammlung von 1985 bis 2013 riet den Delegierten: „Unsere Kirche ist kein Lehrgebäude und keine Zwangsanstalt. Sie hat mit Begegnung, mit Zuwendung zu tun und mit einem zugewandten Blick ins fremde Gesicht. Dabei sollten Sie bleiben, egal, was passiert.“
Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern wurde am 28. April 1951 in Regensburg als „Landesausschuß der Katholischen Aktion in Bayern“ mit Eugen Rucker als Vorsitzendem gegründet. Es ist neben dem Landeskatholikenausschuss in Niedersachsen die einzige deutsche Laienvertretung auf Länderebene. Die Umbenennung in „Landeskomitee der Katholiken“ erfolgte aufgrund der Neuordnung des Laienapostolats im Nachgang des II. Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965). Seit 2025 ist Christian Gärtner Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken. (fho)