Im Forstrevier der Erzdiözese in Schwindegg hegen und pflegen Revierleiter Torsten Ehnle und Forstoberrat Franz Röhrer klimatolerante Bäume, die den Folgen des Klimawandels besser trotzen sollen. Rückschläge durch Sturm und Borkenkäfer bleiben nicht aus, doch der Umfang des Waldumbaus, den sie in der Region vorantreiben, ist einzigartig.
Man muss kein Meteorologe sein, um zu sehen, dass sich das Klima schon während unserer Lebenszeit in den vergangenen 30 Jahren verändert hat. Die Temperaturen steigen, extreme Dürre wechselt sich ab mit Niederschlägen in sintflutartigen Ausmaßen, die immer wieder zu verheerenden Überschwemmungen führen.
Zu spüren bekommt das nicht nur der Mensch, betroffen sind auch die hiesigen Wälder. Bei einem Besuch in einem Forst der Erzdiözese bei Schwindegg bestätigen das Revierleiter Thorsten Ehnle und Forstoberrat Franz Röhrer. „Wir verzeichnen immer wieder starke Stürme oder kurzzeitig massiven Schneefall, die die jungen, bis zu 20 Jahre alten Bäume umknicken lassen“, erklärt Ehnle. „Bei uns wurden so ganze Gebiete mit Neuanpflanzungen zerstört und mussten rausgeschnitten werden. Es musste dann erneut angepflanzt und gewartet werden, bis die Bäume einigermaßen stabil hochgewachsen sind. Es ist schon manchmal niederschmetternd, wenn die Arbeit von Jahrzehnten mit einem Extremereignis zunichte gemacht wird.“
Dass im Forstgebiet übers Jahr verteilt, insgesamt zu wenig Regen fällt, hat speziell für die Nadelbäume bittere Folgen: Sie verlieren ihre Nadeln, vertrocknen und gehen ein. „Eigentlich dürfte man bei einer gesunden Fichte den Baumstamm nicht sehen, da das Nadelkleid sehr dicht sein müsste“, erklärt Franz Röhrer. „Das ist leider vielfach nicht mehr der Fall. Oft ragen nur noch Fichtenstämme in die Luft und haben oben lediglich noch einen kleinen Kranz an Ästen und Nadeln.“
Geschwächte Bäume werden schnell eine Beute von Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Er nistet sich unter der Rinde der Bäume ein und kappt die Wasserleitungen der ohnehin angeschlagenen Bäume. Der befallene Baum stirbt ab.
Lade Bild...Franz Röhrer, Forstoberrat„Es gibt kein Mittel gegen den Borkenkäfer. Man kann die befallenen Stellen nur entfernen.“
Die Förster der Erzdiözese haben sich mit ihrer Arbeit auf diese Entwicklung eingestellt und wollen ihr entgegenwirken. Für die Aufforstung bevorzugen sie nach Möglichkeit klimaangepasste, einheimische Bäume für die Aufforstung. Dazu greifen sie in Absprache mit den zuständigen Forstämtern und den forstlichen Forschungseinrichtungen auch auf Baumarten aus dem Mittelmeerraum oder Nordamerika zurück. Generell sind Laubbäume den Anforderungen an das trockene Klima besser gewachsen als Nadelbäume.
Aber welche dieser Baumarten dem Klimawandel am besten standhält und gedeiht, muss sich noch herausstellen. „Wir können erst in Jahren oder gar Jahrzehnten einschätzen, welche Maßnahmen erfolgreich gewesen sind“, berichtet Thorsten Ehnle. „Bis ein Baum stabil ist, braucht es etwa 30 Jahre Wachstum.“ Die Arbeit an der Erhaltung und Wahrung der Schöpfung ist somit wahrhaft generationenübergreifend.
In seinem Revier pflanzt der Revierleiter rund 40.000 neue Bäume im Jahr. „Gerade in Schwindegg wurde aufgrund der Schädigungen der Fichten schon vor 30 Jahren begonnen, mit Laubbaumarten aufzuforsten“, erzählt Thorsten Ehnle. „Der Nadelwald hat sich so zu einem Mischwald verändert. Damals pflanzte man auch schon Baumarten aus Südeuropa. Heute sehen wir, dass sich diese Bäume hier sehr wohl fühlen - weil sich das Klima entsprechend geändert hat.“
„Unser Wald ist nicht nur ein Naherholungsgebiet“, betont Franz Röhrer, „sondern ein Wirtschaftsraum mit nachhaltiger Holzgewinnung, ein Trinkwasserrückhaltebecken, ein Artenschutzraum, ein Bodenschutz- und Erosionsschutzraum und eben auch ein Raum zum Schutz und zur Stabilisierung des Klimas.“ Gerade deshalb legen die Förster in den Waldgebieten der Erzdiözese bewusst viel Wert auf den Natur- und Umweltschutz.
Leitung: Bernhard Vollmar
Maxburgstraße 2
80333 München