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Berufung: Das ist nicht wie der „Blitz vom Himmel“
Wie fühlt sich Berufung an, gibt es so etwas heute überhaupt noch? Und kann man auch von Berufung sprechen, wenn man nicht Priester, sondern...
Fasten ist nicht gleich fasten, auch nicht für die geistlichen Gemeinschaften im Erzbistum. Jeder Orden pflegt seine eigene Fastenkultur, befolgt Regeln oder überlässt die Ausgestaltung und Intensität den Schwestern und Brüdern selbst. Eines ist aber allen Gemeinschaften gleich: Die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und der heiligen Osternacht (die Sonntage werden nicht mitgezählt) sind eine besondere Zeit, die mit unterschiedlichen Erwartungen, Entbehrungen – und großen Gefühlen verbunden sind.
„In der Fastenzeit verzichte ich auf Alkohol und Süßigkeiten. Das ist eigentlich selbstverständlich.“ Bruder Franz-Maria, 72 Jahre alt, gehört seit 49 Jahren der Ordensgemeinschaft der Franziskaner-Minoriten an. Seit 2012 lebt, betet und arbeitet er im Kloster Maria-Eck bei Siegsdorf. Die Ausgestaltung der Fastenzeit innerhalb des üblichen Tagesablaufs und welche Akzente gesetzt werden sollen, bleibt weitgehend jedem selbst überlassen, erzählt er.
Mittwochs und freitags steht gemeinsames Eintopfessen auf dem Programm. Am Freitag beten er und seine Mitbrüder zusätzlich den Kreuzweg. Weitere Impulse liefert ein Fastenbegleiter – ein kleines Heft, das jedes Jahr für die Advents- und Fastenzeit neu erstellt und ausgeteilt wird, mit Gebeten, Gedanken und Anregungen.
Zusätzliche gemeinsame Fastentermine sind nicht vorgesehen. Das Klosterleben sei im Vergleich zum Leben außerhalb ohnehin stark strukturiert, sagt er. Zur normalen täglichen Seelsorgearbeit kommen das gemeinsame Beten des Stundengebets mit Laudes, Sext und Vesper, die Meditation und das Essen in der Gemeinschaft.
Für Bruder Franz-Maria – wie im Übrigen auch für die Mitglieder anderer geistlicher Gemeinschaften – steht in der Fastenzeit ohnehin nicht der Verzicht auf üppige Speisen im Vordergrund, auch wenn das auch dazugehöre, betont er, allein schon als Akt der Solidarität mit den Armen. Ihm geht es vielmehr um die innere Einkehr und die Fokussierung auf den Glauben und die Beziehung zum Herrn.
„In der Fastenzeit überprüfe ich mich, wo es in meinem Tagesablauf noch so genannte ‚Zeit- und Energiefresser‘ gibt, die mich von dem ablenken, was ich eigentlich will. Ich nehme mir vermehrt Zeit, auf mein Innenleben zu achten, zu schauen, wo sich bei mir noch der ‚alte Mensch‘ regt. Das heißt: Wo sich bei mir in meinem Inneren noch Hausbewohner breitmachen, die mich daran hindern, mit Gott und aus Gottes Kraft zu leben, wie etwa die berühmt-berüchtigten ‚Ja, aber‘-Geister oder der störrische Esel, der sich verweigert und sich über alles ärgert. Oder der Ochs vorm Berg, der sich nicht belehren lässt. Oder der Angsthase und der Sorgenhans, der nur seine eigenen Sorgen kennt, und, und, und. Haltungen also, die mich davon abhalten, Gott zu vertrauen, ein Hoffender und Liebender zu sein.“
Es gelte immer neu, die 'erste Liebe' wieder zu gewinnen, die ihn dazu bewog, ins Kloster einzutreten. „Diese kann im Alltagsgeschehen und durch unerwartete Schwierigkeiten bei den mir gestellten Aufgaben verloren gehen, was sich dann in Resignation und depressiven Gefühlen zeigt. Da gilt es, in die Stille zu gehen, um sich neu die Freude an Gott schenken zu lassen.“
Seit 40 Jahren gehört Schwester Francesca den Missions-Dominikanerinnen in Schlehdorf an. Die Sozialpädagogin und Provinz-Oberin für rund 40 Mitschwestern, die in München in einer kleinen Wohngemeinschaft lebt, arbeitet 20 Stunden in der Woche für den Münchener Verein In Via mit jungen Flüchtlingen zusammen.
Die Fastenzeit ist für sie die Vorbereitungszeit auf Ostern. Sie nimmt sie bewusst wahr, betet mehr als sonst, verzichtet auf Fleisch, Alkohol, Zucker und versucht, weniger Müll zu produzieren. Sie ist davon überzeugt: Die Menschen brauchen solche Zeiten, um sich neu orientieren und verorten zu können. Während das Fasten in Frauenzeitschriften aber häufig als Weg zur Selbstoptimierung interpretiert werde, so die Schwester, um besser auszusehen oder lästige Pfunde loszuwerden, geht es ihr um etwas Anderes.
Sie möchte das Fasten nicht als Teil eines Leistungskatalogs verstanden wissen, um vor Gott besser dazustehen, sondern als einmalige Chance, die Antworten auf wichtige Fragen zu erhalten: „Wie kann ich meine Beziehung zu Gott noch lebendiger gestalten? Wie trete ich mit ihm noch enger in Kontakt? Was muss ich tun, um mein Verhältnis zu meinen Mitschwestern weiter zu verbessern?“ Das Schöne an der Fastenzeit für sie sei, dass die Antworten darauf jedes Jahr anders ausfallen.
Wie wenig streng ihre Gemeinschaft mit dem Thema Fasten umgeht, wird ihr bei der täglichen Arbeit immer wieder vor Augen geführt. Unter den Flüchtlingen sind viele Muslime, mit denen sie viele Gespräche darüber geführt hat. Aus diesem Grund setzt sie sich immer wieder intensiv mit dem Thema auseinander. Sie sagt: „Für die meisten Muslime ist der Ramadan eine intensive Zeit des Fastens. Für sie gilt: Wenn fasten, dann richtig! Ohne Ausnahme! Für die meisten ist es nur schwer verständlich, dass ich es mir aussuchen kann, auf was ich verzichte und wie ich die Fastenzeit gestalte.“
Bei den Benediktinern wiederum gibt es klare Regeln und Vorgaben für die Fastenzeit. In Kapitel 49 der Benediktsregel, die seit über 1.500 Jahren als Grundlage des Ordens dient, steht: „Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit, dazu haben aber nur wenige die Kraft. So möge jeder über das ihm zugewiesene Maß hinaus aus eigenem Wille in der Freude des Heiligen Geistes Gott etwas darbringen: Er entziehe seinem Leib etwas Speise, Trank und Schlaf und verzichte auf Geschwätz und Albernheiten. Mit geistlicher Sehnsucht und Freude erwarte er das heilige Osterfest!“
Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit mit einem festen Ritus: Die Mönche überreichen ihrem Abt die so genannte Fastenschedula, in der sie ihre Fastenvorsätze schriftlich festgelegt haben, mit der Bitte, diese zu genehmigen und zu segnen. Abt Markus aus der Benediktinerabtei Scheyern erzählt, dass er eingreifen könne, wenn sich seine Brüder unter- oder überfordern, was jedoch nicht oft vorkomme.
Der 57-Jährige selbst folgt seinen eigenen Vorsätzen: In den ersten beiden Wochen nach Aschermittwoch macht er immer eine Fastenkur, die auch der „Entschlackung des Körpers“ diene, wie er sagt. Er fastet nach der Franz-Xaver-Mayr-Methode und verzichtet auf alles, was sonst auf dem Speiseplan steht – Nudeln, Kartoffeln, Obst, Käse. Stattdessen kaut er alte Semmeln („Bis man einen Muskelkater im Gesicht hat“), isst Gemüsesuppe und trinkt Tee. Diese Kur bedeutet eine langsame Art der Nahrungsaufnahme und erfordert ein gründliches Zerkauen der Speisen.
Am Ende der Woche, am Freitagabend, steht dann der regelmäßige Austausch mit den Mitbrüdern über eine gemeinsame Fastenlektüre von der Katholischen Landvolk Bewegung an. Auch diese ist eine Eigenart der Benediktiner.
Abt Markus legt Wert darauf, dass für ihn und seine Gemeinschaft die geistige Wirkung des Fastens mindestens genauso wichtig sei wie die körperliche.
Markus Eller OSB„Fasten wird meist aufs Essen reduziert, besteht aber aus weit mehr. Die Fastenzeit hat nichts mit Kasteien zu tun, sondern bewirkt eine positive Sicht auf das Leben und unsere Liebe zu Gott.“
Sie sei ein Ausdruck der Freiheit, um Gewohnheiten zu überprüfen und bewusster zu leben. Zum Abschluss zitiert er noch einen Satz aus der Benediktsregel, der ihm besonders wichtig erscheint, weil er alles beinhalte: Wenigstens in den Tagen der Fastenzeit solle der Mönch „in aller Lauterkeit auf sein Leben“ achten.
Leitung: Sr. Dr. Franziska Mitterer
Schrammerstraße 3
80333 München
Maria-Eck-Straße 2
83313 Siegsdorf
Fritz-Winter-Straße 3
80807 München