Eine ehemals für Augenleiden als heilkräftig verehrte Quelle findet sich in einem Waldstreifen etwas abseits eines Weges entlang der Amper, einige Gehminuten nördlich von Haimhausen. Der dortige Hofmarksherr Karl Ferdinand Maria Reichsgraf von und zu Haimhausen erbaute „zur Bequemlichkeit der Wallfahrer“ eine kleine rechteckige Kapelle mit flachem Gewölbe.
Holzkapelle an heilkräftiger Quelle im Wald / 1734 Kirchenbau / ab 1740 bis 1974 spätbarockes Retabel mit Mariengemälde (1888) und Skulpturen / 1887 Renovierung / Lourdesgrotte / Um 1900 Nachbildung des Ettaler Gnadenbildes / 1934 Verlegung der Grotte / 1974 Diebstahl der gesamten Ausstattung / 1997–2002 Gesamtrenovierung
Das Barockkirchlein ist außen im weiß verputzten Mauerwerk durch gelbe Verstärkungen und gelb gefassten Tür- und Fensterlaibungen gegliedert. Im schlichten Innenraum befindet sich heute ein kleiner Barockaltar mit Neuinterpretationen der verloren gegangenen Gemälde. Die einsame Lage inmitten eines alten Baumbestandes hatte 1974 den Diebstahl des Gnadenbildes und der vollständigen Kapellenausstattung begünstigt, die später durch private Stiftungen ersetzt wurde. Durch die Gesamtrenovierung wurde das barocke Erscheinungsbild wiedergewonnen und das Kirchlein erhielt seine Würde zurück. Viele Spaziergänger finden hier einen ruhigen Andachtsort.
Das ursprünglich hier verehrte Gnadenbild stellte die Kopie einer Marienfigur aus ehemals farbig gefasstem weißem Carraramarmor von Giovanni Pisano dar, die Ludwig der Bayer 1330 aus Pisa mitbrachte und damit in Ettal das Kloster und die Wallfahrt begründete. Auch die nach dem Diebstahl wieder ersetzte kleine Skulptur am hochbarocken Altar spricht die Menschen durch die innige Beziehung der Gottesmutter zu ihrem Kind an.
Als Leitmotiv für neue Ausstattungselemente wie Ambo, Vorstehersitz, Weihwasserkessel, Apostelleuchter und Salbungsstellen wurde der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets, das Taw (ת), gewählt. Es hatte in der älteren Schrift die Form eines Kreuzes (T) und steht seit alters her für die besondere Beziehung zu Gott. Mit der zeitgenössischen Umsetzung dieses alten Motives, das der Prophet Ezechiel auch auf die Stirn der Auserwählten Gottes zeichnete, wird die Bedeutung der Wallfahrtskapelle um eine weitere Ebene vertieft.
Um die Würde dieses Ortes zu betonen, erhielt mit der letzten Kirchenrenovierung auch der heute überwachte Vorplatz eine neue Gestaltung, bei der die Sakristei ans Ende der Anlage gesetzt wurde. Das Quellwasser fließt nun durch die Lourdes Grotte. In der Barockzeit war die Kapelle in einer Sichtachse mit dem Schloss Haimhausen und der heute renovierten Pfarrkirche verbunden. So führt neben Waldwegen auch eine Treppe, eine sogenannte Himmelsleiter, in diese Richtung.
Anfahrt im Auto und zu Fuß, nächster Bahnhof Haimhausen; kein barrierefreier Zugang.