Weithin sichtbar in der Mangfallebene liegt die prächtige Wallfahrtskirche Weihenlinden mit ihrer Doppelturmfassade. Bereits der Name verweist auf einen geheiligten Ort, dessen Entstehung auf keltischen Hügelgräbern gründet.
1643-45 Errichtung einer runden Kapelle / 1650 Inkorporation an das Augustiner Chorherrenstift Weyarn / 1653-57 Neubau der Wallfahrtskirche / 1736 Neustuckierung / 1757 Ausmalung der Umgänge mit Mirakelbildern / 1803 Säkularisation / 2012-14 Gesamtrestaurierung
Die fünfschiffige Emporenbasilika, eine der ersten Großkirchenbauten nach dem 30-jährigen Krieg, entstand 1653 unter Propst Valentin Steyrer. Sie umschließt wie viele alte christliche Pilgerstätten den Weg der Wallfahrer um einen Zentralbau mit dem verehrten Mariengnadenbild. Dicht an dicht erzählen in den Umgängen die Mirakelbilder anschaulich von vielen Gebetserhörungen. Von herausragender, Raum beherrschender Qualität ist im Innenraum der frühbarocke Hochaltar mit der ungewöhnlichen Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit in Gestalt von drei monumentalen Gottesfiguren. Er ist, wie auch die Kanzel, von Münchner Hofkünstlern geschaffen worden, darunter Constantin Pader. Die Deckengemälde werden von späten Rokokoformen eingefasst und verknüpfen die Motive von himmlischer und irdischer Trinität mit der Gottesmutter im Mittelpunkt.
Keim- und Kernzelle der Wallfahrt ist die frühbarocke Gnadenkapelle, ein lichtdurchfluteter sphärischer Rundbau mit zartfarbigem Rokokostuck des Amberger Stuckateurs Johann Martin Pichler. Das Andachtsbild, eine spätgotische Muttergottesdarstellung mit Jesuskind, ist mit Wechselkleidern und Strahlenkranz ausgestattet und aufs Prächtigste von einem kostbaren hochbarocken Rahmen umfangen. Auch heute noch verspricht die Wallfahrt dorthin Trost und Hilfe.
Eine Mitte für die würdige Feier der nachkonziliaren Liturgie schuf der Künstler Rudolf Bott 2014 mit einer neu geschaffenen Altarinsel. Diese einstufige, als rund wahrgenommene Podestfläche aus Adneter Marmor übernimmt die Form der Gnadenkapelle. Die Bogenformen an Altar und Ambo greifen vorhandene Architekturelemente auf und bieten Durchblicke zur Gnadenkapelle. Wie dort Maria als Mittlerin für die Anliegen der Gläubigen, so wird auch der neue Altar als Symbol Christi zur Brücke zwischen Mensch und Gott.
Die wundersame Entdeckung eines Ringes führte der Legende nach zu einer heilkräftigen Quelle. In dem darüber errichteten Rundbau stellt der großformatige „Marianische Wunderbaum“ Maria als Gnadenbrunnen dar mit den Worten: "Wer dies Wasser trinken wird das ich ihm gebe wird ewiglich nit dürsten." (Joh 4). Darüber schwebt – wie auch im Hochaltar – die Hl. Dreifaltigkeit, umgeben von Wallfahrtsmedaillons. Ein Putto verweist auf die 1645 gefasste Quelle. Die Brunnenkapelle ist heute den Täuflingen vorbehalten, die Pilger schöpfen am Nordeingang das als heilsam geltende Wasser.
Anfahrt im Auto, nächster Bahnhof Bruckmühl; barrierefreier Zugang.