Die Aufgabe für den Baumeister war groß, die Realisierung genial: Der Neubau einer Klosterkirche für Mönche und Nonnen des Birgittenordens und zugleich die Einbeziehung romanischer Bausubstanz auf einem extrem ansteigenden Gelände.
760 Legende der Klostergründung durch hl. Alto / 1244 dreischiffige Basilika / 1485 Auflösung des Benediktinerinnenklosters und Gründung des Birgittinnenklosters / 1497 Doppelkloster / 1763–1773 Neubau durch Johann Michael Fischer / 1803 Säkularisation / 1841 bis 2015 Kloster der Birgittinnen
Der barocke Baumeister Johann Michael Fischer konnte durch geschickte Staffelung sich verjüngende Bauelemente miteinander verbinden, darunter einen Zentralraum mit Umgängen, einen höher gelegten Nonnenchor sowie den Mönchschor hinter dem Hochaltar. Dieser Kirchenbau zählt zu den letzten großen Sakralbauten des ausgehenden Rokoko, bei dem die herausragenden Künstler dieser Zeit wie Johann Baptist Straub in den Altären und Skulpturen, Jakob Rauch im Stuckdekor und Josef Mages in der Gestaltung der Deckengemälde mit Techniken von der Stuckglätte der Raumfassung bis hin zu illusionistischer Oberflächengestaltung der Ausstattung ein Gesamtkunstwerk von großer Brillanz geschaffen haben.
In den Fresken entwickelte der geniale Augsburger Maler Joseph Mages (1728–1769) nach Vorgaben des Priors P. Simon Böck im Jahr 1767 mit sicherem Farbgespür ein umfangreiches Bildprogramm, das die Gründungslegende, das Leben der hll. Alto und Birgitta in Erwartung auf das bevorstehende Himmelreich erzählt. Bei der Hauptkuppel wird der Blick des Betrachters von den umlaufenden irdischen Szenen in kräftigen barocken Farbtönen in die impressionistisch anmutenden, himmlischen Sphären zu Maria und zur Heiligen Dreifaltigkeit gezogen.
Die schräg gestellten, als Pendants konzipierten Retabel des Hl. Alto und Hl. Augustinus aus den Jahren um 1768 und 1769 zeigen ein Höchstmaß an bildhauerischem Schaffen und vollendeten fassmalerischen Techniken. Die Altäre werden zu Bühnen. Mit dem kupferfarbenen gelüsterten Hintergrund und dem einfallenden Licht wirken die versilberten Skulpturen wie Goldschmiedearbeiten. Die Heiligen in Polierweißfassung scheinen aus Alabaster oder Porzellan, unterschiedliche Vergoldertechniken reflektieren das Licht in einem Spiel von Glanz und Matt und führen das Göttliche vor Augen.
Aufgerichtet auf einem Felsen verweist der hl. Alto auf die soeben erweckte Quelle, die die Mitbrüder, das Volk wie auch die Engel demütig bestaunen. Selbst der Himmel formt in zartfarbigem Wolkenband den Lauf des Wassers nach. Gekonnt hat Joseph Mages auch diese Szene al fresco, also in den frischen Kalkputz mit Pigmenten gemalt. Dabei entstand eine beständige, in den Farben leuchtstarke Wandmalerei. Diese Quelle des Hl. Alto entspringt unter dem Choraltar und tritt heute in der Lourdeskapelle zutage.
Anfahrt: Anfahrt im Auto, nächster S-Bahnhof Altomünster; kein barrierefreier Zugang.