Ein Brunnen mitten in einer Kirche erregt Aufmerksamkeit. Der Überlieferung nach entsprang eine wundertätige Quelle, als die Reliquien des Hl. Quirin auf der Strecke von Rom nach Tegernsee dort zur Rast abgesetzt wurden. Eine umfangreiche Sanierung bei schwierigen Bedingungen bewahrt nun die Kultstätte im Tegernseer Tal für künftige Generationen.
Sie ist klein, aber nicht unscheinbar. Wer am Ostufer des Tegernsees unterwegs ist, kann die direkt an der Hauptstraße im Gmunder Ortsteil St. Quirin liegende, gleichnamige Filialkirche nicht übersehen. Acht Jahre lang stand das Kircherl verschlossen, bis am 30. August 2025 Kardinal Reinhard Marx mit einer Messe die Wiedereröffnung feiern konnte. Die Straßenlage und die Nähe zum See hatten der Kirche, die 1450 erbaut wurde, im Laufe der Zeit so zugesetzt, dass eine grundlegende Sanierung vonnöten war. Dabei hat das Kircherl den problematischen Faktor Grundwasser, der so manchem Bauprojekt am Tegernsee schon Probleme bereitete, quasi von Haus aus im Keller stehen. Denn eine Besonderheit der Filialkirche von Tegernsee ist die Quirinus-Quelle im Boden, die von einem achteckigen Rotmarmorbrunnen eingefasst ist. Gekrönt wird der Aufbau von einer Statue des Heiligen Quirinus.
Um ihn rankt sich eine Legende, die auch die Entstehung der Quelle und der Kirche erzählt: Bei der Überführung der Reliquien des Märtyrers Quirinus von Rom in die Klosterkirche in Tegernsee im Jahr 804 wurde die Trage mit dem Heiligen zu einer letzten Rast auf den Boden gestellt. An just dieser Stelle soll dann die Quelle entsprungen sein, und nach Krankenwundern erbaute man über ihr eine hölzerne Kapelle, die erstmalig 1170 erwähnt wurde. „Das Kirchlein zählt zu den kirchengeschichtlich bedeutendsten Gebäuden des Erzbistums und gehört zu den herausragenden Denkmälern im Tegernseer Tal“, erläutert Diözesanbaumeister Marinus Kohlhauf. Und dieses galt es zu erhalten, wozu von 2017 an umfangreiche Renovierungsarbeiten umgesetzt wurden, immer in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Kreisbaumeister und der katholischen Pfarrkirchenstiftung St. Quirinus Tegernsee. Die Kosten beliefen sich auf rund 2,86 Millionen Euro, den Großteil finanzierte die Erzdiözese mit rund 2,7 Millionen Euro.
Unter anderem wurden Dachstuhl und Glockenturm saniert, das Dach neu eingedeckt, die Putzfassade saniert, die Außenanlagen wiederhergestellt. Im Langhaus und Chorraum baute man einen neuen Natursteinbodenbelag ein, erneuerte die Elektroinstallation und Beleuchtung und restaurierte die Kirchenfenster. Zelebrationsaltar, Ambo und die Priestersitze wurden ganz neu gestaltet. Fachleute restaurierten nahezu sämtliche Gegenstände, Skulpturen, den Hochaltar und die Orgel. Nun steht St. Quirin wieder offen, zum Beispiel für Taufen mit Wasser aus der eigenen Quelle.
Der gotische schlichte Bau erhielt eine sehr qualitätvolle Ausgestaltung des Frühbarock, von dem auch der Choraltar Zeugnis gibt. Die seitlichen Konsolen tragen Figuren der Apostel Petrus und Paulus, der ursprünglichen Patrone der Klosterkirche. Die Rückseite des Altaraufbaus ist bemalt mit einer ornamental gerahmten Inschrift, die den Heiligen als großen Schutzherrn der Tegernseer und größte Zuflucht der Elenden anruft. Wallfahrer haben hier vielfach ihre Namenszüge hinterlassen. Eine klingende Kostbarkeit ist die großenteils original erhaltene Orgel mit fünf Registern aus dem 17. Jahrhundert. Die Wallfahrtskirche lädt ein zur Rast auf dem Weg nach Tegernsee.
Üppiger, weiß gefasster Stuck ziert den kleinen Kirchenraum. Schlierseer Stuckatoren der Familie Zwerger überzogen Wände und Gewölbe mit einer reichen Dekoration an Blüten und Fruchtgirlanden, Muscheln, Akanthus- und Lorbeerblättern, Engelfiguren und den Monogrammen der Namen Jesu und Maria. Die Ornamente sind dabei nur aus Gips, Wasser, Sand und Zuschlagstoffen in Modeln vorgefertigt und an Ort und Stelle versetzt worden. Sie geben ein beeindruckendes, frühes Zeugnis barocker Stuckateurkunst.
Im Hochaltar steht eine kostbare, barocke Quirinus-Statue. Sie zeigt den Heiligen als einen römischen Kaisersohn in Rüstung, der Krone, Szepter und Reichsapfel trägt, gemäß einer im Mittelalter entstandenen Legende über seine höfische Herkunft. Die schnitztechnische Qualität wird durch die aufwändige Bemalung des 17.Jahrhunderts unterstrichen: Nicht nur ist sein Mantel in Gold und das Mantelfutter mit rotem Lüster auf Silber gefasst, sondern auch sein versilberter Rock mit orangefarbigen Streifen verziert zur Darstellung eines wertvollen Gewandes.
Im Zentrum des hellen Kirchenraums steht der 1679 datierte Rotmarmor-Brunnen, der die alte, weiterhin fließende Quirinus-Quelle einfasst. Eine Statuette des Heiligen bekrönt den schmiedeeisernen Aufbau. Selbst die Seilwinde und der originale, getriebene Kupfereimer sind erhalten und dienen dem Schöpfen des als heilkräftig angesehenen Wassers.
Bitte beachten Sie, dass es vor Ort keine Parkmöglichkeiten für Autos gibt. Sie können die Kirche mit dem Bus von den Bahnhöfen Gmund oder Tegernsee anfahren. Zudem führt ein Fuß- und Radweg am Seeufer entlang. Der Zugang zu dem Gotteshaus ist nicht barrierefrei möglich.