Ein Brunnen mitten in einer Kirche erregt Aufmerksamkeit. Der Überlieferung nach entsprang eine wundertätige Quelle, als die Reliquien des hl. Quirin auf der Strecke von Rom nach Tegernsee dort zur Rast abgesetzt wurden, so dass auf halbem Weg zwischen Gmund und Tegernsee diese Kultstätte im Tegernseer Tal entstand. Die Quelle wurde gefasst, die Wallfahrt auf dem Weg zum Kloster Tegernsee erblühte.
Um 800 Überführung der sterblichen Überreste des hl. Quirinus von Rom nach Tegernsee / um 1170 Holzkapelle / um 1430 Steinbau durch Abt Kaspar Ayndorffer / 1474 spätgotischer Altaraufbau von Gabriel Mäleßkircher / 1638 Hochaltar mit Skulptur des hl. Quirinus / 1676 Umgestaltung unter Abt Bernhard Wenzl / 1803 Säkularisation / 2017-2025 Gesamtrestaurierung
Der gotische schlichte Bau erhielt eine sehr qualitätvolle Ausgestaltung des Frühbarock, von dem auch der Choraltar Zeugnis gibt. Die seitlichen Konsolen tragen Figuren der Apostel Petrus und Paulus, der ursprünglichen Patrone der Klosterkirche. Die Rückseite des Altaraufbaus ist bemalt mit einer ornamental gerahmten Inschrift, die den Heiligen als großen Schutzherrn der Tegernseer und größte Zuflucht der Elenden anruft. Wallfahrer haben hier vielfach ihre Namenszüge hinterlassen. Eine klingende Kostbarkeit ist die großenteils original erhaltene Orgel mit fünf Registern aus dem 17. Jahrhundert. Die Wallfahrtskirche lädt ein zur Rast auf dem Weg nach Tegernsee.
Üppiger, weiß gefasster Stuck ziert den kleinen Kirchenraum. Schlierseer Stuckatoren der Familie Zwerger überzogen Wände und Gewölbe mit einer reichen Dekoration an Blüten und Fruchtgirlanden, Muscheln, Akanthus- und Lorbeerblättern, Engelfiguren und den Monogrammen der Namen Jesu und Maria. Die Ornamente sind dabei nur aus Gips, Wasser, Sand und Zuschlagstoffen in Modeln vorgefertigt und an Ort und Stelle versetzt worden. Sie geben ein beeindruckendes, frühes Zeugnis barocker Stuckateurkunst.
Im Hochaltar steht eine kostbare, barocke Quirinus-Statue. Sie zeigt den Heiligen als einen römischen Kaisersohn in Rüstung, der Krone, Szepter und Reichsapfel trägt, gemäß einer im Mittelalter entstandenen Legende über seine höfische Herkunft. Die schnitztechnische Qualität wird durch die aufwändige Bemalung des 17.Jahrhunderts unterstrichen: Nicht nur ist sein Mantel in Gold und das Mantelfutter mit rotem Lüster auf Silber gefasst, sondern auch sein versilberter Rock mit orangefarbigen Streifen verziert zur Darstellung eines wertvollen Gewandes.
Im Zentrum des hellen Kirchenraums steht der 1679 datierte Rotmarmor-Brunnen, der die alte, weiterhin fließende Quirinus-Quelle einfasst. Eine Statuette des Heiligen bekrönt den schmiedeeisernen Aufbau. Selbst die Seilwinde und der originale, getriebene Kupfereimer sind erhalten und dienen dem Schöpfen des als heilkräftig angesehenen Wassers.
Fuß- und Radweg am Seeufer entlang; Anfahrt mit Bus von den Bahnhöfen Gmund oder Tegernsee; keine Parkmöglichkeit für Autos, kein barrierefreier Zugang.