Teilnehmer an einer Mai-Kundgebung halten Schilder in die Höhe, auf denen Solidarität mit Care-Arbeitenden gefordert und Personalmangel angeprangert wird.
Lade Bild...
Arbeitszeit und Sonntagsschutz sind in diesem Jahr die zentralen Themen der Betriebsseelsorge bei ihrem Stand am Münchner Marienplatz am 1. Mai von ca. 10:30 Uhr bis 13:30 Uhr.
Zurück

Warum die Kirche am 1. Mai auf die Straße geht

Wenn am „Tag der Arbeit“ Menschen demonstrieren, sind die Betriebsseelsorger unseres Erzbistums und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung mittendrin. Sie alle eint schließlich ein Thema. Ein Kommentar.

Der 1. Mai ist der „Tag der Arbeit“ und es ist der Beginn des Marienmonats Mai. Im Fokus des öffentlichen Interesses stehen jedoch der „Tag der Arbeit“ und die Demonstrationen der Gewerkschaften. Diese basieren auf den „Haymarket Riot“ 1886, als vor genau 140 Jahren in Chicago 90.000 Menschen auf die Straße gingen, um den Acht-Stunden-Arbeitstag zu erstreiken, den es heute wieder zu verteidigen gilt. Dieser Tag hat auch für die Kirchen eine große Bedeutung, werden doch von den Gewerkschaften immer wieder Themen aufgegriffen, die auch in der katholischen Soziallehre betont werden, die ein Verkündigungsinhalt der katholischen Kirche ist.

Am 15. Mai 1891 veröffentlichte Papst Leo XIII. die Enzyklika „Rerum Novarum“. Die „neuen Dinge“, die im Titel anklingen, mit denen sich der Papst auseinandersetzt, sind eng mit der Geschichte der Arbeiterbewegung, der katholischen Arbeitervereine (heute: Katholische Arbeitnehmer-Bewegung KAB) und der Gewerkschaften verbunden. Es geht um die industrielle Revolution und die Ende des 18. Jahrhunderts bereits entstandene neue gesellschaftliche Gruppe der Industriearbeiter. Papst Leo XIII. fordert gerechte Verhältnisse und gute Arbeitsbedingungen: „Notleidende zu drücken und auszubeuten ist wider das göttliche Gesetz.

Betriebsseesorger Michael Kafka blickt vor seinem Arbeitsplatz mit offenem Blick in die Kamera
Lade Bild...

„Kirche ist solidarisch mit den Gewerkschaften für eine gerechte Arbeitswelt. “

Michael Kafka, Betriebsseelsorger

Mit dieser Enzyklika hat Papst Leo XIII. die katholische Soziallehre begründet. Viele seiner Nachfolger haben sie weiter ausformuliert und so entstand eine umfangreiche Sammlung zu sozialen Themen. Unter anderem wurde auch die Arbeit der Gewerkschaften herausgehoben und gewürdigt. Papst Johannes Paul II. schreibt in der Enzyklika „Laborem exercens“: „Die Gewerkschaften verteidigen die existenziellen Interessen der Arbeitnehmer in allen Bereichen, wo ihre Rechte berührt werden. Diese stellen ein unentbehrliches Element des sozialen Lebens dar“.

Wir sind als Betriebsseelsorger mit den Gewerkschaften und der KAB zusammen am 1. Mai unterwegs auf der Straße um zu zeigen: Kirche ist solidarisch mit den Gewerkschaften für eine gerechte Arbeitswelt.

Das Magnificat Mariens, also der Lobgesang Marias im Lukas-Evangelium, wird täglich in der Vesper gebetet. Dort heißt es: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen, die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“ Eine Zusammenfassung der katholischen Soziallehre, könnte man sagen, und der spirituelle Hintergrund, der uns am 1. Mai bewegt: Gott steht an der Seite der Armen und Unterdrückten und für eine gerechte Welt.

Zur Person

Michael Kafka, geboren 1971 in München, ist Gemeindereferent in der Betriebsseelsorge und Straßenseelsorger. In beiden Bereichen ist er gerne mit Menschen im persönlichen Gespräch. Als Betriebsseelsorger versucht er, gesellschaftliche Themen bei Gewerkschaftsveranstaltungen und in den sozialen Medien aus kirchlicher Sicht zu deuten.

Termine im Marienmonat Mai

Der Mai wird in den bayerischen Diözesen traditionell als Marienmonat begangen. Hier finden Sie einige der Höhepunkte wie den Festgottesdienst und die Maiandachten im Münchner Dom und die Stadtmaiandacht in der Bürgersaalkirche.