Große Gruppe von Personen steht in einer Kirche vor dem Altar, in der Mitte Kardinal Reinhard Marx.
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„Wir gehören an die Seite Jesu“: Kardinal Reinhard Marx freute sich in diesem Jahr über eine hohe Zahl an Taufanwärterinnen und -anwärtern.

Taufe als Erwachsener: „Solche Momente im Leben sind kein Zufall“

In der Osterzeit werden in München heuer deutlich mehr Erwachsene als in den vergangenen Jahren getauft. Einer von ihnen ist Jan Schumann, der als Rechtsanwalt in München und in der Nähe von Holzkirchen arbeitet. Was ihn zur Taufe bewegt und wie es sich anfühlt, diesen Schritt bewusst zu gehen, erzählt er im Interview.

Die Taufe steht meist am Beginn eines Lebensweges. Manchmal führt dieser Weg aber auch später dorthin – so wie bei Jan Schumann, der heuer in St. Michael in München getauft wird. Der 34-Jährige wuchs in Brandenburg auf, in einem Elternhaus ohne gelebten Glauben. Und doch gab es eine Person, die ihn schon früh katholisch prägte.

Herr Schumann, warum haben Sie sich für die Taufe entschieden, gab es Menschen oder Erlebnisse, die dabei eine besondere Rolle gespielt haben?

Wenn ich zurückblicke, waren es viele Momente und auch mehrere Begegnungen in meinem Leben, die sich zu einem Gesamtbild gefügt haben. Ich bin in Ostdeutschland aufgewachsen, in meinem Elternhaus spielte der Glaube keine Rolle. Meine Großmutter aber aus dem ehemaligen Sudetenland war Katholikin. Wir haben zwar wenig über den Glauben gesprochen, aber ich bekam mit, wie wichtig ihr der Gottesdienst war und dass sie oft in der Heiligen Schrift las.

Später wurde mir ein Kollege zu einem Freund, mit dem ich mich auf akademischer Ebene über Glaubensfragen austauschen konnte. Er machte mich darauf aufmerksam, dass die Glaubensorientierung der Erzdiözese Taufkurse anbietet. Eine entscheidende Rolle spielte schließlich meine Lebensgefährtin, die aus einem katholischen Elternhaus stammt.

Jan Schumann lächelt im Portrait in die Kamera
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„Ich spürte, dass es einen Gott gibt und er in meinem Leben einen Platz finden muss.“

Jan Schumann über seinen Weg zur Taufe

Als meine Großmutter dann am Vorabend von Heiligabend vorletztes Jahr starb, war das für mich die Initialzündung, mich taufen zu lassen. Es fügte sich zusammen, was sich über Jahre angedeutet hatte, auch durch viele persönliche Momente in meinem Leben, die den Glauben spürbar für mich gemacht hatten.

Was waren das für Momente?

Etwa eine Reise ins Heilige Land vor vielen Jahren. Wenn Sie am See Genezareth stehen, an einem Ort, an dem Jesus gewirkt hat, ist das einfach ergreifend. Ich hatte vorher eher punktuellen Bezug zu Bibel und Glaubensinhalten. Dass mich diese Momente trotzdem so berührt haben, war etwas ganz Besonderes für mich. Ich spürte, dass es einen Gott gibt und er in meinem Leben einen Platz finden muss. Auf dieser Reise reifte auch die Entscheidung, nach München zu ziehen und dort Jura zu studieren.

Mit der Taufe werden Sie nun in die Katholische Kirche aufgenommen. Warum ist Ihnen das wichtig?

Warum mich das Katholische besonders begeistert, ist sicher durch meine Großmutter geprägt. Zudem sprechen mich die Gottesdienste sehr an. Meine Motivation zur Taufe ist vor allem die Zugehörigkeit. Ich möchte dem Glauben – all dem, was sich in meinem Leben Schritt für Schritt entwickelt hat – eine konkrete Form geben: regelmäßig zum Gottesdienst gehen und mich zum Glauben und zur Kirche bekennen.

Erwachsenentaufe kurz erklärt

Anders als bei der Kindstaufe entscheiden sich die Erwachsenen bewusst für ihren Glauben, reflektieren ihn und bereiten sich aktiv in Taufkursen auf das Sakrament vor. Nach der Taufe werden die Täuflinge gefirmt, die Erstkommunion schließt sich direkt im Rahmen der Eucharistiefeier an. In der Osterzeit 2026 erleben dies 40 Erwachsene, die zentral in der Glaubensorientierung der Erzdiözese vorbereitet wurden – etwa doppelt so viele wie noch 2025. 25 von werden in der Osternacht selbst getauft. Weitere Erwachsene ließen sich in Pfarreien auf die Taufe vorbereiten.

Darauf freue ich mich sehr – wobei das nicht so sehr an den Termin der Taufe gekoppelt ist, sondern an die kommende Zeit. Ich sehe den Tag als Schritt, der mein weiteres Leben prägen wird. Natürlich aber wird die Taufe etwas ganz Besonderes sein – auch der Moment, erstmals zur Kommunion zu gehen. Ich fand es immer faszinierend und berührend, andere Gläubige dabei zu beobachten: Sie bringen so viel Individuelles in diesen Moment mit, und doch ist es ein tiefes, ergreifendes Gemeinschaftserlebnis.

Wie war für Sie die Vorbereitung auf die Taufe?

Der Taufkurs der Glaubensorientierung ist kein Frontalunterricht, Bekehrungskurs oder Handbuch „Wie werde ich ein guter Christ?“. Ich empfinde ihn als großartiges Format, das zum Nachdenken anregt. Wir haben uns Glaubensinhalten angenähert, vor allem aber ging es darum, eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus aufzubauen. In Einzelgesprächen konnte man außerdem sehr persönliche Fragen stellen. Wer Antworten sucht, findet hier einen Raum dafür.

Kardinal Marx gießt Wasser über den Kopf eines nach vorn gebeugten Mannes, ein anderer Geistlicher hält eine Schale darunter.
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Ihr Weg zur Erwachsenentaufe

Jedes Jahr entscheiden sich Erwachsene in unserem Erzbistum dazu, sich taufen zu lassen. Die Glaubensorientierung bereitet darauf vor. Auch wer noch unentschlossen ist, kann hier jederzeit das Gespräch suchen.

Welche konkreten Glaubensinhalte liegen Ihnen besonders am Herzen?

Zwei Begriffe fallen mir unmittelbar ein: Liebe – konkret Nächstenliebe – und Gemeinschaft. Diese christlichen Werte waren immer ein großer Anziehungspunkt für mich. Das hat sich in mir gestärkt und auch, wie ich sie für mein Leben interpretieren möchte.

Wie sind die Reaktionen in Ihrem Umfeld? Hatten Sie auch mal Zweifel?

Das Echo ist durchweg positiv. Und für mich fühlte es sich von Anfang an gut und richtig an. Viele Erfahrungen meines Lebens haben sich zu einem roten Faden verbunden. Dinge, die passiert sind, haben mich geleitet. Menschen traten in mein Leben, als ich gerade jemanden brauchte. Rückblickend sind das für mich keine Zufälle, sondern Fügungen. Das hat etwas sehr Schönes: Auch wenn man als Kind nicht getauft wurde, heißt das nicht, dass Gott einen nicht trotzdem findet.

Zur Person

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Jan Schumann wurde 1992 geboren und wuchs im Süden von Brandenburg auf. Er ist als Rechtsanwalt für die Fraunhofer-Gesellschaft in München sowie selbständig in Valley im Landkreis Miesbach tätig. Seit Herbst 2025 bereitet er sich im Kurs der Glaubensorientierung auf die Taufe vor.