„Wie politisch soll die Kirche sein“: Unter diesem Motto stand eine Podiumsdiskussion auf dem 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg. Auf die Frage, woran es ohne die christliche Botschaft hierzulande fehlen würde, sagte der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx: „Es fehlt viel. Es fehlen die Menschen, die das Evangelium erzählen können – und das wäre eine Verarmung unseres Landes.“
Umgekehrt unterstrich er bei der Diskussion die Verantwortung der Katholischen Kirche für die Gesellschaft: „Wir haben unseren Beitrag zu dieser Gesellschaft zu leisten.“ Dabei sei nicht entscheidend, „wie viele wir sind. Die Frage ist: Sind wir da? Was haben wir zu sagen? Sind wir gut drauf oder träumen wir von einer Vergangenheit?“ Der Kardinal prophezeite mit Blick auf die Kirche: „Es wird noch weitere Transformationen geben.“
Marx mahnte: „Wir müssen von unten her aufs Ganze schauen.“ Zwar könnten die Menschen „nicht genau sagen, was Gott denkt“, aber vom Evangelium her Überlegungen anstellen. „Moral und Sozialethik sind vernünftig, wenn man nur langfristig denkt“, betonte er. Bei kurzfristigem, nationalistischem oder quartalsweisem Denken dagegen „kommt Moral nicht auf“.
Als ein Beispiel für den Beitrag der Kirche für die Gesellschaft nannte Marx auf dem Katholikentag den Lebensschutz. In seinem Grußwort zum 80-jährigen Bestehen des Sozialverbandes katholischer Frauen (SkF) in Bayern hatte Marx laut Manuskript am Freitag in Würzburg betont, der Einsatz für den Schutz des menschlichen Lebens von der Entstehung bis zu seinem natürlichen Ende sei „für uns als Kirche essenziell. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft.“
Zugleich kritisierte der Kardinal, dass „auch innerkirchlich Fragen des Lebensschutzes zum Brennpunkt eines Lagerkampfes gemacht“ werden. „Wir wissen aber als Kirche, dass wir das ungeborene Leben nur mit den Frauen und nicht gegen sie schützen können“, unterstrich Marx. Deshalb seien die vielen Hilfsangebote, die der SkF biete, eine "wichtige Unterstützung“, die Familien helfe, sich für das Leben zu entscheiden.
Der Sozialverband katholischer Frauen (SkF) in Bayern wurde im Jahr 1946 von Luise Jörissen gegründet. Rund 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon die Hälfte ehrenamtlich, sind unter anderem in der Wohnungslosenhilfe, der Straffälligenhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe, in den Adoptions- und Pflegekinderdiensten sowie in der Schwangerenberatung tätig. (uq/fho)