Lade Bild...
Lebendiger Brauch: Warum Krippen jetzt dramatische Szenen zeigen
Krippen gibt es nicht nur zur Weihnachtszeit: Anders als bei der idyllischen Weihnachtskrippe zeigen diese Krippen allerdings dramatische S...
Alle zwei Jahre lockt an den Fastensonntagen und am Gründonnerstag ein besonderes Schauspiel nach Hohenegglkofen in die Pfarrkirche St. Johann Baptist im Landkreis Landshut: Das romantische Ölbergspiel mit beweglichen Figuren im Hochaltar, welches auf das Jahr 1832 zurückgeht. Bis zur Jahrhundertwende wurde das Spiel im Altarraum aufgeführt, der dafür jeweils umfangreich umgestaltet werden musste. Um 1900 baute der Mesner und Zimmerer Martin Brunner die aufwendige Kulisse direkt in den Hochaltar ein, wo sie bis heute ihren Platz hat.
Die Szenerie zeigt den Garten Gethsemane am Fuße des Ölbergs vor den Mauern Jerusalems. Über der Szene spannt sich ein blauer Sternenhimmel, an dem ein Vollmond auf einer Rolle langsam durch die Nacht bewegt wird. Die Beleuchtung durch Glühlampen in farbigen Glaskugeln trägt zu einer geheimnisvollen Stimmung bei. Zu den eindrucksvollsten Elementen zählt die lebensgroße Gliederfigur Christi, die auf der rechten Seite der Bühne steht. Sie trägt ein eigens angefertigtes dunkelgraues Gewand sowie einen roten Umhang, der beim Aufbau sorgfältig drapiert und befestigt wird. Links von Christus liegen aufgemalt in der Kulisse die drei schlafenden Jünger.
Kinderandacht (gekürzt & kindgerecht): Freitag, 20. März 2026 – 17 Uhr
Jugendandacht: Samstag, 21. März 2026 – 19 Uhr
Reguläre Andacht: Sonntag, 22. März 2026 – 19 Uhr
Ein besonderer Höhepunkt ist das Erscheinen des Engels, der Christus den Kelch reicht. Die Figur ist an einer Stange befestigt und kann gehoben und gesenkt werden; eine verborgene Mechanik ermöglicht es, den Kelch dreimal zu senken. In einem bewegenden Moment kippt die Christusfigur – gehalten von einer Winde – dreimal ruckartig nach vorne und sinkt, von Todesangst gezeichnet, zu Boden. Dann richtet sich die Gestalt wieder auf, das Haupt hebt sich, die gefalteten Hände sinken herab. Am Schluss tritt Maria, die Schmerzensmutter, in der Theaterszene in Erscheinung – nahe bei Jesus. Im reichen Lichterglanz steht sie bei ihm, die Hände über dem goldbestickten Gewand gefaltet, während der Chor während der Andachten „O Mutter des Barmherzigen, Maria, sei gegrüßt“ singt.
In der Pfarrkirche finden neben zwei traditionellen Andachten die Kinder-Ölbergandacht und die Jugend-Ölbergandacht statt. Seit 2011 lädt die Kinderandacht Kinder und ihre Familien ein, die Geschichte Jesu auf dem Ölberg aktiv mitzuerleben. Die Mädchen und Jungen beten gemeinsam, legen symbolische Steine oder Kugeln auf die Stoffbahnen im Altarraum, zünden Kerzen an und begleiten die Szenen spielerisch. Das Ölbergspiel wird gezeigt, aber mit kindgerechten Texten, die dem ernsten Thema sensibel angepasst sind. Musikalisch wird die Mitmach-Andacht vom Projektchor unterstützt, der mit speziell ausgewählten Liedern für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgt. So vermittelt die Kinder-Ölbergandacht Kindern Hoffnung, Trost und Gemeinschaft auf anschauliche und lebendige Weise.
Die Ölbergandacht möchte den Gläubigen helfen, innezuhalten und sich bewusst auf die Karwoche vorzubereiten. Sie erinnert daran, dass Jesus auch in seiner tiefsten Not das Vertrauen auf Gott nicht verloren hat und lädt dazu ein, dieses Vertrauen auch im eigenen Leben zu suchen und zu stärken.
Über Generationen hinweg halfen Ministranten und Dorfbewohner dem Mesner beim Auf- und Abbau, später übernahmen Erwachsene diese Aufgabe. Das Wissen wurde von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Auch heute lassen sich wieder junge Menschen in Technik und Ablauf einweisen, damit die Tradition fortbestehen kann. Das Ölbergspiel von Hohenegglkofen ist damit weit mehr als ein religiöses Schauspiel. Es ist ein Stück gelebter Glaubenstradition, handwerklicher Kunst und dörflicher Gemeinschaft – ein kulturelles Erbe, das die Fastenzeit in der Region Landshut über Generationen geprägt hat und bis heute bewegt.