Die Grafen von Dachau errichteten im 12. Jahrhundert eine Burg auf einer steilen Hangkante über dem Ampertal mit eindrucksvollem Blick über die Münchner Schotterebene bis zu den Alpen. Zur Anlage gehörte eine romanische Kapelle, einstmals prachtvoll ausgemalt. Diese Kirche wurde über die Jahrhunderte im Inneren mehrfach tiefgreifend verändert und blieb doch als schlichter, mittelalterlicher Bau erhalten.
Um 1100 Errichtung von Burg und Kapelle / um 1150/60 Ausmalung der Kirche / 2. Hälfte 15. Jh. Neubau Chorraum / 1869-99 historistische Umgestaltung / 1949-52 Purifizierung / 1972-73 Sanierung der baufälligen Kirche / 2014-20 Gesamtrestaurierung und Neugestaltung
Die imposante Höhenlage, aber auch die Geschichte des Ortes gefährdeten wiederholt den Bestand der Kirche. Zahlreiche, teils gravierende statische Maßnahmen waren bis in die Gegenwart notwendig.
Seit 1937 fiel der Blick des Besuchers unvermeidlich auf den nahegelegenen Schießplatz des Konzentrationslagers Dachau, auf dem brutale Massenerschießungen stattfanden. Das Bevölkerungswachstum führte in den 1960er Jahren zu einem Kirchenneubau im Ort, so dass die Georgskirche langsam verfiel. Der umliegende Friedhof bewahrte die Kirche letztlich vor dem Niedergang, so dass sie nun wieder sinnstiftende Mitte als Ort der Erinnerung ist.
Das Innere der Kirche prägt seit 2020 eine leuchtende Farbkomposition des deutsch-amerikanischen Künstlers Jerry Zeniuk. Jedes Fenster des Langhauses besitzt eine Hauptfarbe, die durch Kontrastierung mit wenigen Fremd- und Komplementärfarben in ihrer Intensität gesteigert wird. Durch die Technik des Wegätzens der Farbe entstehen für Glasfenster ungewöhnlich malerische Strukturen. In der Zusammenschau entsteht ein lichter Farbraum als Ausdruck von Hoffnung, Trost und Transzendenz.
Unter dem roten Fenster und in Nähe zur romanischen Wandmalerei steht die Osterkerze, Sinnbild der Auferstehung und zugleich „Seelenlicht“ für alle Verstorbenen (Entwurf Heim Kuntscher Architekten). Sie wird begleitet von einem Schwarm von Opferlichtern als Zeichen des persönlichen Erinnerns. Indem sich die vielen Kerzen und Lichter mit der einen universalen Kerze verbinden, geben sie dem individuellen Gedenken in all seinen historischen und menschlichen Facetten eine allgemeingültige, überzeitliche Dimension.
An der Südwand des Langhauses befinden sich beachtliche, wenn auch stark fragmentarische Reste der hochromanischen Ausmalung. Dargestellt ist das biblische Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus als Sinnbild des Jenseits und des Paradieses. Die ungewöhnliche Wiedergabe Abrahams mit Isaak und Jakob lässt auf byzantinische Einflüsse schließen. Am linken Rand erscheint ein König, vermutlich Kaiser Friedrich Barbarossa, der die Grafen von Dachau zu Herzögen erhoben hatte.
Anfahrt mit Auto oder mit S2 Haltestelle Hebertshausen, barrierefreier Zugang
Purtlhofer Straße 7
85241 Ampermoching