Auf einem malerischen Hügelrücken, unmittelbar an der Autobahn gelegen, weist ein Spitzturm markant den Weg zum kleinen Weiler Johanneck. Eine ursprünglich Johannes dem Täufer geweihte, vermutlich zweischiffige Kirche wurde im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts mehrfach durch qualitätvolle barocke Ausstattungstücke verändert.
1466 Stiftung der Kirche / um 1660/70 neue Altarausstattung von Konstantin Pader / 1711-13 Neuwölbung und Barockisierung der Raumschale / um 1860 historistische Umgestaltung / 1949-50 nach Kriegsschäden Rebarockisierung / 2001-07 Gesamtrenovierung
Nach wiederholten Bränden baufällig, entstand 1711 bis 1713 das bestehende, weite Tonnengewölbe mit seiner aufwendigen Stuckierung und einem nun vielteiligen, marianischen Freskenzyklus eines unbekannten Malers. Trotz manch stilfremder Eingriffe des 19. Jahrhunderts hat sich das charakteristische Gepräge eines barock überformten, spätgotischen Raumes erhalten. Die im mittelalterlichen Bau bereits zugrunde gelegte Großzügigkeit ist durch die barocke Umgestaltung in ihrer Wirkung noch gesteigert. Die exponierte Lage, das große Bauvolumen, die hohen Fensterbahnen und die helle Raumschale binden Licht in Fülle. Ohnehin durch die Lage dem Himmel näher, ist die Kirche selbst Abbild des Himmels auf Erden.
Bildnerisches Hauptwerk ist der ausdrucksstarke, frühbarocke Kruzifixus an der Nordseite des Langhauses. Schon Format und Anbringung lassen erahnen, dass dieses Werk ursprünglich aus einer bedeutenden Großkirche und von einem hervorragenden Meister stammen dürfte. Der Überlieferung nach gelangte das Kreuz im 19. Jahrhundert aus dem Umfeld des Freisinger Doms nach Johanneck. Als Schöpfer wird der Bildhauer Philipp Dirr vermutet, der 1626 den Hochaltar des Freisinger Doms geschaffen hat.
Anstelle spätgotischer Rippen entstand um 1713 vermutlich durch den Dachauer Stuckateur Benedikt Heiß eine reiche, das gesamte Gewölbe bedeckende Stuckierung. Wie in der zeitgleichen Ausgestaltung von Attel finden sich feine Akanthusranken, in die Englein, Frucht- und Blütengehänge eingewoben sind. Im Chor treten als besonderer Schmuck plastische Medaillons mit den vier Kirchenvätern hinzu. Die reduzierte Farbigkeit verleiht der Stuckierung Eleganz und unterstreicht die Weite des Raumes.
Die Darstellung des Leidensweges Jesu in mehreren Stationen reicht bis in das späte Mittelalter zurück. Sie ist eng mit dem Abgehen der „Via Dolorosa“ in Jerusalem verbunden. Franziskaner verbreiteten diese Gebetsform bald in ganz Europa. Nachdem 1731 Papst Clemens XII. die Kreuzwegandacht als besonders heilsbringend empfohlen hatte, entstanden nun auch in Kirchenräumen vermehrt Kreuzwege. In diese frühe Zeit datiert der Kreuzweg von Johanneck mit seiner kraftvollen Bildsprache in eleganten Rahmen des frühen Rokoko.
Anfahrt mit Auto, kein barrierefreier Zugang
Kirchweg 4
85301 Schweitenkirchen