Am östlichen Stadtrand Münchens befindet sich einer der ältesten Kirchenbauten, dessen Entstehung unmittelbar mit der Stadtgründung 1158 in Verbindung steht.
1158 Schwaige des Klosters Schäftlarn / 1173 Weihe der Kirche / um 1220 neue Ausmalung / nach 1600 barocker Umbau und Ausstattung / 1804 Verkauf / 1884-86 Freilegung der Apsismalereien / 1964-69 Renovierung und Reromanisierung / 2002-13 Gesamtrestaurierung
Als Entschädigung für Güter in der heutigen Altstadt erhielt das Kloster Schäftlarn die Schwaige Keferloh und errichtete die bestehende hochromanische Kirche. Wiederholt ausgemalt und in der Barockzeit tiefgreifend umgestaltet, versank der ehrwürdige Bau nach der Säkularisation in der Bedeutungslosigkeit. Im 20. Jahrhundert nahm man sich dieses Kirchenbaus wieder an und stellte den mittelalterlichen Charakter wieder her: Vieles war belegbar, doch vieles war auch Vermutung. In der Rekonstruktion blieben aber Atmosphäre und liturgische Qualität auf der Strecke. Erst mit der jüngsten Renovierung gelang es, den Raum zu ordnen, zu gewichten und durch neue Ausstattungsstücke von Michael Schönholtz, Berlin, und Annette Zey, Nürnberg, im Sinne des Mittelalters zeitgenössisch zu interpretieren und zu vervollständigen. Tradition und Innovation reichen sich sensibel und bereichernd die Hand.
Der schlichte Raum trägt an allen Wänden bedeutende Reste mittelalterlicher Malereien, die zu den seltenen Zeugnissen in Altbayern zählen. Die in zwei Phasen entstandenen Bilder zeigen den thronenden Christus, begleitet von Aposteln und Heiligen, und Szenen aus dem Leben Jesu und des Kirchenpatrons Aegidius. Die stark fragmentierten Malereien, von denen meist nur die Vorzeichnungen erhalten sind, erlauben heute nur einen bescheidenen Eindruck von der einstigen Farbpracht als Abbild des himmlischen Jerusalems.
Für die Frühzeit des Christentums bis weit in das Mittelalter hinein war die Ausrichtung nach Osten, der aufgehenden Sonne entgegen, als Symbol Jesu Christi zentral. Entsprechend kostbar wurde das Ostlicht behandelt, häufig in Gestalt fein geschnittener Alabasterscheiben, die das Tageslicht bündeln und mystisch zum Leuchten bringen. In dieser Tradition wurde das Ostfenster der Kirche bei der letzten Renovierung erneuert und mit der neuen Ausstattung in Dialog gesetzt.
Zentraler Blickfang der Kirche ist das Scheibenkreuz der Nürnberger Silberschmiedin Annette Zey. In der Erbauungszeit der Kirche erfreuten sich Scheibenkreuze als Sinnbild der Verbindung von Kreuz, Kosmos und Licht großer Beliebtheit. Einige seltene Zeugnisse haben sich in kirchlichen Schatzkammern erhalten. In Bezugnahme auf die Quadergliederung der Wände und der liturgischen Ausstattung ist die Scheibe aus zahllosen vergoldeten Rechtecken geformt, die um das Kreuz aus Bergkristall einen lichten Schein legen.
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