Die Heilig-Kreuz-Kirche ist die letzte der von König Ludwig I. initiierten Kirchenbauten in München. In beherrschender Lage auf dem Hochufer der Isar erhebt sich der monumentale Turm mit seinen 95 Metern Höhe wie ein Leuchtturm über der Stadt.
1827 Pfarreierhebung / 1854 Eingemeindung nach München / 1866-86 Neubau nach Plänen von Georg Dollmann / 1944 schwere Zerstörungen / 1945-48 bauliche Wiederherstellung / 1962-67 Außenrenovierung / 2011-19 Innenrenovierung und Neugestaltung der Chorfenster
Als Stiftung der im nahen Kronwinkl ansässigen Grafen von Preysing entstand Anfang des 18. Jahrhunderts ein hochbarocker Kirchenbau von seltener Geschlossenheit und hohem künstlerischen Anspruch. Der schlichte, aber wohl proportionierte, tonnengewölbte Saalbau mit seinen zahlreichen Fenstern bildet den vornehmen, lichten Rahmen für die majestätisch anmutende, aufwendige Altarausstattung aus Stuckmarmor. Der Farbakkord aus hellem Grau, Schwarz und Rot vor dem strahlenden Weiß der Wände unterstreicht die feierliche Note des Raums. Ergänzt durch eine Vielzahl qualitätvoller Gemälde, entsteht ein eindrucksvolles Zeugnis adliger Repräsentationsfreude des Barock. Der ausgeprägt italienische Charakter des Innenraums spiegelt den höfischen Anspruch und Geschmack der Zeit wider. Selbst das Hochaltarbild wiederholt ein berühmtes Gemälde des Florentiner Malers Andrea del Sarto.
1884-90 entstand im Auftrag des Münchner Domkapitulars Rudolph von Oberkamp der Marienaltar. Der Flügelaltar ist das Werk der belgischen Künstler Jean-Baptiste Bethune, Jules Helbig und Leopold Blanchaert. Die Gestalt des Retabels ist für München ungewöhnlich und weist deutlich nach Flandern. Das einzigartig komplexe, ikonographische Programm ist ein Denkmal der Verbindung mit Rom und Papst in Zeiten des Kulturkampfs. Es preist die „Unbefleckte Empfängnis Mariens“ und huldigt Papst Pius IX., der dieses Dogma erlassen hatte.
Mit Ausnahme der Seitenaltäre sind alle Bildwerke Stiftungen des Giesinger Privatiers Sebastian Hiendlmayr und stammen von Josef Beyrer. Geboren in Tirol, steht er beispielhaft für die Münchner Bildhauerei in ihrer Mischung aus Klassizismus, nazarenischer Innigkeit und barockem Pathos. Das 1894 entstandene „Abendmahl“ ist formal unverkennbar beeinflusst von Tilman Riemenschneiders Abendmahl in Rothenburg; virtuos geschnitzt, jedoch glatter, routinierter und frommer.
Die bauzeitliche Kunstverglasung des Chores stiftete einst König Ludwig II. (1884-86). 1944 zerstört, schuf Wilhelm Geyer 1960 drei neue Glasfenster, die in Farbigkeit und Gestaltung jedoch keine Rücksicht auf den Hochaltar nahmen und fremdartig blieben. An ihrer Stelle befinden sich seit 2019 Arbeiten des Münchners Christoph Brech. Zahllose Thorax-Aufnahmen mit Lungenflügelpaaren fügen sich zu einem lebendigen, gleichsam atmenden Ornamentteppich als assoziativer Ausdruck von göttlichem Geist und Himmel.
Anfahrt mit ÖPNV (U2, Haltestelle Silberhornstraße), barrierefreier Zugang