Am Rande eines modernen Wohngebiets steht das Kirchenzentrum St. Nikolaus. Um einen gemeinsamen Innenhof gruppieren sich in gleichsam klösterlicher Tradition Kirche, Pfarrhaus, Amtsbereich und Pfarrheim.
1194 Erwähnung eines Kirchenbaus / 1974 Pfarreierhebung / ab 1979 Bemühungen um Kirchenneubau / 1984/85 Architektenwettbewerb für ökumenisches Zentrum (nicht realisiert) / 2006-08 Errichtung des Kirchenzentrums nach Plänen von Andreas Meck, München
Der kompakte, rechtwinklige Baukörper ist allseitig mit unregelmäßig gebrannten Torfbrandklinkern bekleidet. Je nach Lichteinfall zeigen sie ein vielfältiges Spiel von Licht und Schatten, das von weiß glänzend bis schwarz-braun matt reicht. In die kraftvolle, erdverbundene Bauhülle ist eine unerwartet lichte, weiße Raumschale eingestellt. Geneigte Wand- und Deckenflächen verbunden mit trichterförmigen Öffnungen zum Licht und zum Klang hin lösen die Raumgrenzen auf und verwandeln den gebauten in einen transzendenten Raum. Licht gestaltet den Raum. Im räumlichen Schwerpunkt dieses „Futterals“ wächst aus dem hölzernen Boden die von Rudolf Bott geschaffene liturgische Mitte aus grauem Kunststein. Form und Proportion des Ensembles sind aus den Abläufen der Liturgie entwickelt, so dass im Gottesdienst das Kunstwerk sich vervollständigt.
Der Kirchenraum beeindruckt im Inneren durch die unvermutete Größe, Geometrie und Lichtfülle. Wesentlich hierfür sind die in barocker Tradition ausgeführten, glatten, seidig glänzenden Wand- und Deckenflächen in mehrschichtiger Kalklasurtechnik. Die kristalline Natur des Kalks bindet das einfallende Licht und spiegelt es in den Raum. Der wechselnde Sonnenstand und die Intensität des Tageslichts werden zum Maler dieses sich unaufhörlich verändernden, abstrakten „Raumgemäldes“, das Unendlichkeit fassbar werden lässt.
Im geometrischen Mittelpunkt des Raumes erhebt sich ein großes T aus Kunststein. Es symbolisiert das Tau, den letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets, mit dem der Prophet Ezechiel die zur Erlösung Bestimmten besiegelte. Das Tau ist Sinnbild der Rettung und Erlösung. Durch das Einstellen des feuervergoldeten Vortragekreuzes in der Feier der Eucharistie wird aus dem alttestamentlichen Tau das christliche Kreuz, in und unter dessen Zeichen die christliche Gemeinde versammelt ist und der Botschaft Christi begegnet.
Der Tabernakel ist als einziges Ausstattungsstück unmittelbar mit dem Baukörper verbunden als Ausdruck der besonderen Gegenwart Gottes im Allerheiligsten. Der goldene Schrein ist von einem bergenden „Kokon“, bestehend aus einer Vielzahl verzinnter Halbkugeln, umschlossen. Die biomorphe Kugelstruktur als Motiv des Sakramentalen setzt einen bewussten Kontrapunkt zur strengen, rechtwinkligen Altarinsel und korrespondiert mit dem Taufstein. Die ungewöhnliche Form des Tabernakels ist Sinnbild des unbegreiflichen Gottes.
Anfahrt mit Auto oder ÖPNV (Bus 269, Haltestelle Neuried, Maxhofweg), barrierefreier Zugang
Maxhofweg 7
82061 Neuried