Heute ist Valentin vor allem als Patron der Liebenden bekannt, auf der ganzen Welt wird der Valentinstag (14.2.) gefeiert. Früher galt er als Helfer bei der Fallsucht, also der Epilepsie und deshalb gingen die Wallfahrer zu Valentin, um Linderung zu erbeten oder für die Heilung zu danken.
Erste Erwähnung 790 / 1142 romanischer Neubau und 1437 spätgotische Erweiterung unter Beibehaltung der romanischen Langhausmauern / 1729 Hochaltarretabel und ab 1750 Umgestaltung im Stil des Rokoko / 1790 Seitenaltäre / 17. und 18. Jahrhundert Blütezeit der Wallfahrt
Auf dem Schlossberg im Bad Reichenhaller Stadtteil Marzoll steht die Pfarrkirche St. Valentin, die bereits über 1.200 Jahren hier bezeugt ist. Sie unterstand seit dem 12. Jahrhundert als Filiale dem Augustinerchorherrenstift in Reichenhall. Die damals ortsansässigen Herren von Marzoll und seit dem 15. Jahrhundert die Patrizierfamilie Fröschl förderten die Kirche; auch deshalb wurde St. Valentin zu einem wohlhabenden Wallfahrtsort und zugleich zur herrschaftlichen Ruhestätte, wie die Grabmäler in der Vorhalle zeigen. Im Inneren empfängt den Besucher die Leichtigkeit des Rokoko, die sicher schon bei den Wallfahrern des 18. Jahrhunderts ein erhebendes Gefühl auslöste.
An der Nordseite des Langhauses befindet sich außen eine segmentbogige, vergitterte Öffnung, die den Blick auf einen Kapellenraum freigibt. Einst war der überwölbte Raum ein Karner, also ein Beinhaus. Heute erinnern daran noch wenige Schädel, die um den frühbarocken Altar der Kapelle mit der Darstellung einer Pietà gelegt wurden. Die Bestattung endete nicht, wie heute, mit der Beerdigung, sondern mit der Bergung der Knochen und ihrer Aufbewahrung in einem entsprechenden Raum, der sich an St. Valentin erhalten hat.
Der Salzburger Meister Benedikt Zöpf sorgte 1747/1748 für die Stuckierung der Raumschale. Dazu wurden zunächst die spätgotischen Rippen des Gewölbes abgeschlagen, um eine einheitliche Fläche für die Stuckdekoration zu erhalten. Das Ergebnis überzeugt und führt dem Betrachter die Leichtigkeit des frühen Rokoko vor Augen: Fein geschwungenes Bandwerk schafft Felder, die mit Gittern versehen wurden. Zarte Blütengirlanden wechseln mit noch muschelhaften, frühen Rocaillen und winden sich schwerelos an den Bändern entlang.
Neben seiner Darstellung am Hauptgemälde des Hochaltarretabels steht der hl. Valentin als hölzerne Schnitzfigur am Chorbogen. Als Bischof von Terni erscheint er im vollen Ornat mit Pluviale, Mitra und Stab und zeigt ein wiegendes Standmotiv, das für seine Entstehung die barocke Zeit nach der Mitte des 17. Jahrhunderts wahrscheinlich werden lässt. Mit segnender Hand empfängt er jeden, der ihn besucht und um Hilfe bittet. An der Mitra ist das Marienmonogramm zu sehen, das vielleicht auf seinen Stifter schließen lässt.
Schloßberg 11
83435 Bad Reichenhall