Südlich des Marktes erreicht man über einen aufsteigenden Fußweg zu einer Anhöhe die Wallfahrtskirche St. Theobald. Ein schlichtes barockes Portal, das die Jahreszahl 1712 als Hinweis auf die damalige Neugestaltung trägt, empfängt den Besucher.
Kleiner Kirchenbau Ende des 13. Jahrhunderts (Sakristei) / Ursprünglich dem hl. Achatius geweiht, Patroziniumwechsel im 14. oder 15. Jahrhundert / Um 1450 Erweiterung um Chor und Langhaus / 1712 umfassend barock verändert
Der älteste Bauteil der Kirche ist die Sakristei, die als Kapelle oder Chor einer kleineren Kirche diente. Später, in gotischer Zeit, baute man den reich mit Blendarkaden belebten Turm, den Chor und das Langhaus an, weil sich nach dem Patroziniumwechsel eine regionale Wallfahrt zum hl. Theobald entwickelte und deshalb mehr Platz nötig wurde. Eine spannende Staffelung entsteht am Außenbau durch diese Aneinanderreihung der Bauteile aus Romanik und Gotik. Im Innenraum weitet sich ein lichter Saal, der am Gewölbe Fresken von Philipp Hauser aus Vilsbiburg von 1725 zeigt, die über das Leben des Heiligen erzählen. Theobald wird hier als Abt dargestellt, obwohl seine Legende über das Leben als Einsiedler und Priester berichtet.
Das große Deckenfresko zeigt die Aufnahme des hl. Theobald in den Himmel. Auf einer Wolke und von Engeln emporgehoben, thront er vor dem himmlischen Licht. In der irdischen Zone kniet eine junge Frau, sie ist als Allegorie zu verstehen, mit dem Wappen des Marktes und reicht dem Heiligen geflügelte Herzen dar, die für die innige Liebe der gläubigen Geisenhausener stehen. In der Ferne ist nämlich der Markt mit der Pfarrkirche St. Martin zu sehen, sodass der Ort durch die Anwesenheit und den Schutz des Heiligen nahezu selbst geheiligt wird.
Am Hochaltarretabel thront in der Mittelnische die wundertätige Skulptur des hl. Theobald, die sicherlich nach 1500 entstand. Sie zeugt von der hohen Qualität spätgotischer Schnitzwerke in Südostbayern. Der Heilige trägt einen reichen Bischofsornat und sein gefalteter Mantel bildet ein prächtiges Ornament vor seinem Schoß. Die Rechte umgreift den Stab und mit der linken Hand hat er geschickt das Buch aufgeschlagen. Für den Hilfesuchenden unterbricht er seine Lektüre und wendet sich ihm mit ernster, aber offener Miene zu.
An der Westwand werden in Kästen Tonvotive gezeigt, die bei Grabungen 1984 gefunden wurden. Es sind überwiegend Köpfe, da dem Heiligen Wunderkraft bei Kopfleiden zugesprochen wurde. Sie wurden von den Kröninger Keramikern vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gefertigt und wohl als Gabe für den Heiligen an die Wallfahrer verkauft. Sehr unterschiedlich war ihre Ausarbeitung, schlichte Köpfe konnten sich sicherlich auch arme Pilger leisten. Theobald half außerdem bei Gicht, weshalb auch Fuß- und Beinvotive aus Ton gefunden wurden.
Martin-Zeiler-Straße 6
84144 Geisenhausen