Am bewaldeten Berghang nordöstlich von Partenkirchen erhebt sich die Wallfahrtskirche, die über eine kleine Straße mit Wegestationen von Süden her zu erreichen ist. Die restlichen Stationen sind im überdachten Umgang der Kirche untergebracht und können besucht werden, bevor man die Kirche betritt.
1704 Errichtung der Wallfahrtskirche anstelle einer älteren Kapelle / 1708 Weihe durch den Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher / 1730er Jahre Erweiterung durch Joseph Schmuzer und Anlage der Umgebung / 1935 Anbau des Franziskanerklosters
Die Wallfahrtskirche war von den Partenkirchener Bürgern als Zentralbau errichtet worden, nachdem der Ort von Überfällen im Spanischen Erbfolgekrieg verschont geblieben war. Wenige Jahrzehnte später erweiterte man die Kirche um den Rechteckbau, der im Inneren die große ovale Kuppel trägt. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich Joseph Schmuzer aus Wessobrunn. Der Bau des Benefiziantenhauses fand zur selben Zeit statt. Im Inneren wird der Besucher sogleich von der überaus kunstvoll bemalten barocken Kuppel überwältigt und erst auf den zweiten Blick nimmt er den durch eine Bogenstellung offenen, ursprünglichen Zentralraum war – eine architektonische Entdeckungsreise!
Der Südtiroler Freskant Johann Evangelist Holzer hat dieses grandiose Werk des Barock geschaffen, das nahezu die einzige überlieferte Arbeit des hochbegabten Künstlers darstellt. In gekonnter Illusionsmalerei öffnet er für den Betrachter den Himmel mit einer mittigen, lichten Laterne, vor der der Christusknabe segnend den hl. Anton erwartet, während der von Engeln emporgehoben wird. In irdischen Sphären scharen sich die Bittenden, die an Fieber leiden, schiffbrüchig sind oder denen der Tod droht – an ihnen wird Anton seine Wunder bewirken.
Der venezianische Maler Bartolomeo Letterini malte 1739 dieses Altarblatt mit der Darstellung des hl. Antonius mit dem Christuskind. Der Würzburger Kaufmann Lorenz Jakob Mehling hatte es für den Choraltar des Frührokoko der Wallfahrtskirche gestiftet. Von Engelsköpfchen gehaltene Vorhänge geben den Blick frei auf die himmlische, engelsreiche Szenerie, in der Antonius das Christuskind, das ihm erschienen war, behutsam auf den Händen trägt. Vor ihnen schlägt ein Engel das einst vermisste Buch auf, das den Heiligen als Wiederbringer verlorener Gegenstände ausweist.
An der Ostwand des Zentralbaus erhebt sich das leere Kreuz, das von Engeln mit Leidenswerkzeugen bevölkert wird. Davor sitzt die Gottesmutter, die ihren toten Sohn auf dem Schoss genommen hat und um ihn weint. In inniger Pose liebkost sie ihn, hat ihr Gesicht an seine Wange und ihre Arme um seinen Kopf gelegt – ein Moment der Stille, der durch die Lebendigkeit der Engel durchbrochen wird, um auf sein zukünftig himmlisches Dasein zu verweisen. Das Andachtsbild, das seine Ursprünge in der mittelalterlichen Fünf-Wunden-Verehrung hat, entstand sicher nach 1650.
Sankt-Anton 1
82467 Garmisch-Partenkirchen