Östlich von Jesenwang liegt auf freiem Feld die Wallfahrtskirche zum hl. Willibald. Die kleine spätgotische Kirche mit angebauten, heute erneuerten Benefiziatenhaus wurde im Barock außen lediglich durch einen Dachreiter ergänzt. Im Westen besitzt sie jeweils ein Portal im Norden und im Süden, die den berühmten Durchritt der Pferde mit Segnung ermöglichen, der auch heute noch jedes Jahr um den Patroziniumtag Anfang Juli zelebriert wird.
1414 Bau der spätgotischen Kirche unter Fürstenfelder Abt Johann Fuchs von Bibrach / 1475 Erweiterung der Kirche / Choraltar von 1617 / 1810 durch Ankauf der Jesenwanger Bürger gerettet / Seit 1979 Nebenkirche der Pfarrei Jesenwang / Ab 1978 Gesamtrestaurierung
Im Inneren schrankt ein hölzernes Gitter das Kirchenschiff ab, der stimmige Raum mit spätgotisch gewölbtem Chor und flachgedecktem Langhaus ist auch so in seiner Gesamtheit und mit seiner Ausstattung erlebbar. Den Jesenwanger Bürger ist es zu verdanken, dass diese bedeutende Kirche heute noch besteht, sie hatten nach der Säkularisation den Bau gekauft und über viele Jahrzehnte gepflegt. Heute führen die Pfarrei Jesenwang und der Willibaldverein Jesenwang dieses Engagement fort, damit auch zukünftig der Heilige den Pferden jedes Jahr seinen Segen geben kann.
„… still erblüht Blume an Blume auf Decke und Wänden, zur Ehre des Höchsten mög’s niemand mehr wenden.“ So verkündet es eine Inschrift über dem Chorbogen, dass aufgrund aufgefundener, bunter Farbspuren die beeindruckende, hölzerne Decke und Empore, die vermutlich barocker Zeit entstammt, sowie das Rippengewölbe im Chor von Kunstmaler Wilhelm Geromiller aus München 1910 neu mit Blüten- und Rankenmotive bemalt wurden. Wie die neugotischen Maßwerkdekore soll die Malerei eine mögliche mittelalterliche Farbgestaltung veranschaulichen.
Übergroß thront die imposante Sitzfigur des hl. Willibald auf einer Wolke, zu seinen Seiten zwei Engel, die ihm Bischofsstab und Mitra darreichen. Darunter ist inmitten einer Wiesenlandschaft links die Wallfahrtskirche zu sehen, vor der sich das Vieh zur Segnung versammelt hat. Am linken und am rechten Bildrand knien kaum mehr sichtbar Votanten, die stellvertretend für die Gemeinde den Dank zum Ausdruck bringen, da Willibald 1807 bei einer schweren Viehseuche half. Gemalt hat diese feine Tafel der Maler Grimm aus Fürstenfeldbruck.
In der typischen Manier der Münchner Gotik thront Willibald in der Mittelnische am frühbarocken Choraltar von 1617. Wie der Altar scheint auch Willibald zu späterer Zeit Veränderungen erfahren haben. Eingehüllt in die prachtvollen, bauschigen Gewänder des Bischofs blickt er gütig auf die Gläubigen herab und seine rechte Hand hat er segnend erhoben. Auf dem Schoß hat er das Buch aufgeschlagen. In dieser aufmerksamen und zugewandten Haltung erscheint er immer bereit, den Segen für das Vieh zu sprechen, das zu ihm geführt wird.