Wer die Chrisam-Messe miterleben möchte, hatte nur am Mittwoch der Karwoche dazu Gelegenheit und musste in den Münchner Liebfrauendom kommen. Denn lediglich an diesem einen Tag und nur dort werden die Öle geweiht, die in den kommenden rund zwölf Monaten in den Pfarreien und Pfarrverbänden im Erzbistum für Taufen, Firmungen, Priesterweihen und Krankensalbungen genutzt werden. Chrisam leitet sich aus dem Griechischen von „chrio“– „ich salbe“ – ab. Christus ist „der Gesalbte“.
Lange Zeit vor allem am Lebensende gespendet, hofft Kardinal Reinhard Marx auf eine Wiederbelebung des Sakraments der Krankensalbung, wie er in seiner Predigt ausführte. "Ich hoffe, dass die die Krankensalbung wieder lebendiger wird“, sagte er im bis auf den letzten Platz gefüllten Dom. „Bei dem Sakrament werden wir geprägt auf ihn – Jesus – hin.“ Das an diesem Tag neu geweihte Öl solle die Menschen, die damit gesalbt würden, „beleben und ihre Krankheit besiegen“. Es handle sich um „Öl, das Krankheit, Schmerz und Bedrängnis vertreibt“.
Die Tradition, heilige Öle zu weihen, reicht tief in die Geschichte zurück. Wie Domzeremoniar Robert Scheingraber zu berichten weiß, stammt der der Ritus der Weihe der heiligen Öle „aus der stadtrömischen Liturgie des 7. und 8. Jahrhunderts und ist von dort aus zu uns 'eingewandert'“. Der Domzeremoniar war seit Anfang der Woche damit beschäftigt, die Öle zu veredeln: Er fügte dem Salböl dann noch Rosenöl und Balsam hinzu. „Dadurch kann man sie noch mehr sinnenhaft erfahren – und man kann die Öle für ihre Verwendungszwecke unterscheiden“, erklärt Scheingraber.
Er stellte neben dem Chrisam-Öl zwei weitere Mischungen her: Das Katechumenen-Öl, also das Öl für die Taufbewerber, erhielt ein frisch-zitroniges Aroma, das man symbolisch dem Thema Aufbruch – Neuanfang zuordnen könnte, das Öl für die Krankensalbung hat ein beruhigendes Zimtaroma, denn Zimt hat eine heilende und entspannende Wirkung. Beide Öle sind ebenfalls in der Chrisam-Messe geweiht worden.
Das hochwertige Öl selbst stammt wie im vergangenen Jahr aus einem Hilfsprojekt in einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos. Die dort ansässige kleine Hilfsorganisation „Home for All“ hat mit Unterstützung der Münchner Support International e.V. seit 2021 eine Bio-Landwirtschaft aufgebaut. In diesem Projekt pflanzen und ernten Geflüchtete alle Arten von Bio-Gemüse, darunter auch Oliven, aus denen dann auch eigenes Bio-Olivenöl gewonnen wird.
Zur Chrisam-Messe strömten Seelsorgerinnen und Seelsorger aus der ganzen Erzdiözese herbei, um die Öle mit in ihre Pfarreien zu nehmen. Entsprechende Mengen musste Robert Scheingraber vorbereiten – rund 120 Liter. Das Öl befand sich in großen Zinnkannen; nach der Weihe füllten dann zehn Diakone das Öl in kleinere Kannen. Und aus diesen wiederum wurden die Gefäße für die Pfarreien befüllt: „Das sind oft Schraubgefäße, die noch aus der Barockzeit stammen, teilweise aus Glas, in die dann etwa ein halber Liter hineinpasst“, so Scheingraber.
Bei einem Empfang im Anschluss an die Chrisam-Messe gab Kardinal Marx das Ergebnis der Wahl des neuen Domkapitulars Pfarrer Ulrich Kampe (57) durch das Domkapitel bekannt; die Stelle war durch die Emeritierung von Domkapitular Prälat Lorenz Kastenhofer frei geworden. Ferner wurden drei erfahrene und verdiente Seelsorger der Erzdiözese zu Erzbischöflichen Geistlichen Räten ernannt: Alexander Blei (58), Pfarrer Rolf Merkle (58) und Pfarrer Andreas Vogelmeier (54). (ra/uq)