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Dieser Pfarrsaal ist ein Novum für die Erzdiözese
Fünf Jahre lang ist umgebaut und saniert worden, nun ist es so weit: Kardinal Reinhard Marx hat die Kirche St. Thomas Morus in München-Sendl...
Wenn man Iris Mönch-Hahn zuhört, möchte man alle Termine des restlichen Tages absagen und nur noch lesen. Die Geschäftsführerin der Dombuchhandlung München zieht ein Buch nach dem nächsten aus den Regalen und gerät dabei ins Schwärmen. Ein Buch, sagt sie, sei für sie ein Kulturgut – und die Dombuchhandlung direkt neben dem Liebfrauendom weit mehr als ein „Supermarkt für Bücher“: „Es ist wichtig, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen, sich Zeit zu nehmen und die passende Empfehlung zu geben. Das Besondere an Literatur ist, dass ständig etwas Neues hinzukommt.“
In neuem Glanz erstrahlt auch die Buchhandlung selbst, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiert. Mehr als drei Monate blieben die Türen geschlossen – es wurde umgebaut, saniert und ein neues Konzept entwickelt. Seit Mittwoch (22. April) ist die Dombuchhandlung wieder geöffnet. Bereits am Dienstagabend wurden die Räume feierlich gesegnet von Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, die alleinige Gesellschafterin der Dombuchhandlung München GmbH ist. Im positiven Sinne sei hier für jede und jeden etwas dabei, sagte Klingan – „nicht beliebig, sondern qualitätvoll kuratiert“. Die oft kirchlich geprägten Stammkunden sollen ebenso angesprochen werden wie Menschen, die auf der Suche sind – „auch geistlich, und sich inspirieren lassen wollen“.
Iris Mönch Hahn, Geschäftsführerin der Dombuchhandlung München GmbH„Leute wurden neugierig, und manche gehen mit einer Bibel nach Hause, obwohl sie gar nicht danach gesucht hatten.“
Trotz kompakterer Nutzung ausschließlich im Erdgeschoss bietet die Dombuchhandlung mit rund 7.000 Titeln mehr Auswahl als zuvor und ist inhaltlich breiter aufgestellt. „Früher stammten fast alle Bücher aus den Bereichen Theologie und Religion. Man konnte beobachten, wie Touristen und Laufkundschaft den Laden oft in Windeseile wieder verließen“, erinnert sich Mönch-Hahn. Noch vor der Sanierung begann sie deshalb umzusteuern und „leichtere“ spirituelle Themen, München-Führer und Belletristik ins Schaufenster und in Eingangsnähe zu rücken.
Der Effekt war verblüffend: „Es kamen Kunden – auch aus München – die den Laden nie zuvor betreten hatten. Vor allem aber machten wir mit theologischen und religiösen Werken mehr Umsatz. Leute wurden neugierig, und manche gingen mit einer Bibel nach Hause, obwohl sie gar nicht danach gesucht hatten.“ Dahinter stecke eine tieferliegende Sehnsucht, meint Mönch-Hahn: „Man darf den Menschen nichts aufzwingen. Es muss leicht sein und offen.“
Künftig rückt somit neben Religion und Theologie auch der Bereich Kultur und Literatur stärker in den Fokus. Besonders bei Klassikern beobachtet Mönch-Hahn eine steigende Nachfrage: „Ich glaube, diese Literatur gibt Halt in einer Zeit der Unsicherheit.“
Gefragt nach aktuellen Empfehlungen, muss Iris Mönch-Hahn nicht lange überlegen. Gleich mehrere Titel kommen ihr in den Sinn – zwei der Autoren können Besucherinnen und Besucher bald sogar persönlich vor Ort kennenlernen:
von Stefan Bollmann (2026 erschienen bei Klett-Cotta)
„Lesen kann trösten – genau darauf zielt dieses Buch ab“, sagt Mönch-Hahn, „ob unerwartete Liebe, Trauer oder andere Lebenslagen: Der Band versammelt passende Buchtipps für verschiedenste Situationen. Mal überraschend, mal klassisch – und oft mit kurzen Auszügen aus den empfohlenen Werken. Auch ein sehr schönes Geschenk.“
von Abbas Khider (2019 erschienen bei Hanser)
„Das Buch muss man gelesen haben!“, schwärmt die Geschäftsführerin der Dombuchhandlung. Der 1973 in Bagdad geborene Autor lebt seit seiner Flucht in Deutschland und ist heute eine vielfach ausgezeichneten Stimme der Gegenwartsliteratur. In diesem Buch wirft er einen ebenso klugen wie humorvollen Blick auf deutsche Sprache und Gesellschaft – und nimmt sich Begriffe wie „Kummerspeck“, „Fremdschämen“ oder „Warmduscher“ vor: „Ein Buch mit Seele – solche Autoren faszinieren mich.“
von Peter Seewald (2025 erschienen bei Herder)
„Peter Seewald greift hier ein Thema auf, das jeden betrifft: den Tod – und die Frage nach der Ewigkeit“, sagt Mönch-Hahn. Der Journalist, bekannt durch seine Bücher über Papst Benedikt XVI., setzt sich mit dem Trend zur Lebensverlängerung auseinander und stellt eine grundlegende Frage: Was, wenn das Beste noch kommt?
von Martin Mosebach (2025 als erweiterte Neuausgabe erschienen bei dtv)
„Dieses Buch – jetzt in neuer und erweiterter Ausgabe – ist etwas Besonderes“, betont Mönch-Hahn. Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller widmet sich hier dem Thema Liturgie. Seine Positionen sorgen auch innerhalb der Kirche für Diskussionen, etwa mit Blick auf die Abschaffung des alten Ritus. „Es lohnt sich, sich damit auseinanderzusetzen.“ Nicht zuletzt, weil Mosebach im Juni zu einer Veranstaltung in der Dombuchhandlung erwartet wird.
(af)
Peter Seewald | Die Entdeckung der Ewigkeit
am Dienstag, 28. April 2026 um 19:30 Uhr
Martin Mosebach | Häresie der Formlosigkeit (dtv)
am Dienstag, 23. Juni 2026 um 19:30 Uhr
Eintritt: 15 Euro, ermäßigt: 10 Euro (Student/Rentner).
Weitere Veranstaltungen auf der Website der Dombuchhandlung München GmbH, Frauenplatz 14a, 80331 München.
Iris Mönch-Hahn stammt aus Regensburg und ist seit 35 Jahren im Buchhandel tätig, sowohl in Deutschland als auch Paris. Seit einem Jahr leitet sie als Geschäftsführerin die Dombuchhandlung München GmbH.