In Hanglage westlich des Kraiburger Ortskerns liegt die stille Wallfahrtskapelle Fisslkling an einer Straßengabelung, um seit Jahrhunderten den Reisenden einen Moment der Rast zu gewähren. In eigentümlich gestaffelter Außenansicht präsentiert sich das Kapellenensemble, das ausdrucksvoll seine Bedeutung für die Kraiburger Bürger seit der Barockzeit zeigt – sogar ein Eremit lebte einst hier.
Um 1250 Kruzifixus / Um 1730 Errichtung des Langhauses mit Frührokokostuck / seit 1745 als Einsiedelei überliefert / 1758 Errichtung des Zentralbaus auf Initiative des Grafen Joseph Guido von Taufkirchen auf Guttenberg / 1822 Weihe der Kirche
Die Kraiburger pilgerten früher über den Sieben-Fälle-Weg nach Fisslkling, um das wundertätige Gnadenbild des Gekreuzigten Heilands zu besuchen. Am Freitag nach dem vierten Sonntag der Fastenzeit können Besucher der Kirche heute noch den vollkommenen Ablass erlangen. Man betritt die Kirche im Norden beim imposanten Zwiebelturm und gelangt so in den längs gerichteten Laienraum, dem im Süden ein Zentralbau im Stil des Rokoko angegliedert wurde. Feiner Rokokostuck belebt die Gewölbe der Räume in spielerischer Gestalt und verleiht dem Inneren eine erhebende Leichtigkeit.
Herzstück der Kapelle ist das Gnadenbild des Gekreuzigten Heilands, das mittig am stuckmarmornen Altarretabel des Kraiburger Bildhauers Johann Philipp Wagner zu betrachten ist. Das hölzerne Kruzifix stammt aus der frühen Gotik und scheint schon damals eine hohe Verehrung genossen zu haben, die letztendlich zu diesen Kapellenbauten im Barock und Rokoko führten. Der bereits gestorbene Christus wird von einem Strahlenkranz hinterfangen, der auf seine baldige Auferstehung verweist und so dem Gläubigen auch heute Trost spendet.
In einem Glasschrank an der Ostwand des Zentralbaus haben sich zahlreiche Wachsvotive des 18. und 19. Jahrhunderts in vielerlei Gestalt erhalten. Darunter finden sich einige Pferdevotive, die dem Heiland und sicherlich auch dem hl. Leonhard, der in einer barocken Skulptur in der Kirche präsent ist, dargebracht wurden. Pferde waren ein kostbares Gut bei der bäuerlichen Arbeit, ihr Verlust durch Seuchen umso tragischer. Die figürlichen Votive waren ursprünglich als Wachsgabe für den Heiligen gedacht, um ihm seine Kirche zu erhellen, doch eingeschmolzen wurde sie nur selten.
Eine Vielzahl an Tafelbildern zeugt heute von der einstigen Wichtigkeit dieses Ortes für die Region. Farbfrohe Votivtafeln in unterschiedlichen Qualitäten offenbaren die Nöte der Menschen und ihre große Dankbarkeit für erhörte Bitten vor allem aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Rettung bei Arbeitsunfällen, die Heilung körperlicher Leiden, aber auch die Erhörung eines Kinderwunsches sind hier abzulesen – existentielle Hilfen also, die der damalige Mensch nur durch Zuwendung zu Gott erlangen konnte.
Marktplatz 33
84559 Kraiburg a. Inn
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