Vor blauem, leicht bewölktem Abendhimmel: imposante Statue des Christophorus mit kleinem Kind auf der Schulter
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Wer mit offenen Augen unterwegs ist, wird dem Heiligen Christophorus immer wieder begegnen (wie hier auf der Karlsbrücke in Prag).

Eine Geschichte, die mitreist: Heiliger Christophorus

Jedes Jahr kurz vor den Sommerferien feiern wir den Gedenktag des Heiligen Christophorus. Er ist der Schutzpatron der Reisenden. Und es lohnt sich, seine Geschichte immer wieder zu erzählen. Weil sie berührt und man viel gemeinsam darüber nachdenken kann – perfekt für lange Autofahrten!

„Du bist schon so groß – ich kann dich nicht mehr tragen!“ Diesen Satz hören Kinder oft früher oder später im Leben. Endlich hat das Kind laufen gelernt – und nun muss es das auch. Vorbei sind die Gemütlichkeit und auch ein Stück die Geborgenheit auf den elterlichen Armen, Rücken oder Schultern.

Getragensein ist einerseits ein sehr schönes Gefühl (wenn wir etwa an eine Hängematte oder die Luftmatratze im Wasser denken). Ich brauche mich nicht zu bewegen, ich kann mich hängen lassen, ich bin sicher. Andererseits ist der Nachteil des Getragenwerdens: Ich kann schwer selbst bestimmen, wo es hingeht.

Ophorus ist niemand, der noch getragen wird. Ophorus ist ein „Träger“, wie sein Name schon sagt, der im Griechischen mit „tragen“ zu tun hat. Denn Ophorus ist sehr groß.

„Wie groß bist du denn?“

Der größte Mensch der Welt war gut 2,70 Meter groß. Das ist ungefähr einen Meter größer als ein durchschnittlicher Erwachsener. Wenn ein Kind oder ein Erwachsener größer ist als alle anderen, kann das zur Folge haben, dass mit dieser Größe besondere Erwartungen verbunden werden, ob sie nun stimmen oder nicht:
•    Der große Mensch ist besonders stark, oder 
•    dieser Mensch ist besonders schnell unterwegs, oder 
•    ein großes Kind ist älter als die anderen.

Von Ophorus heißt es in der Legende, er wäre besonders stark gewesen.

Was ist denn eine Legende?

Eine Legende ist eine Geschichte, die keine Begebenheit erzählt, die so wirklich in der Vergangenheit passiert sein kann. Sie ist kein Tatsachenbericht. Aber sie ist auch keine rein erfundene Geschichte wie ein Märchen oder eine Fabel. Eine Legende hat einen Kern, der eine wichtige Botschaft weitergeben möchte. Aber weil der Kern allein zu wenig oder zu uninteressant wäre, wird dieser Kern mit manchmal fantastischen Ereignissen ausgeschmückt.

Chrisophorus, der Fluss und das Kind

Nun zur Legende von Ophorus. Oft ist sie Thema in Familiengottesdiensten oder Sie erzählen sie Ihrem Kind auf der Fahrt in den Sommerurlaub:

Vor langer Zeit lebte ein Mann namens Ophorus. Ophorus war größer und stärker als alle anderen Menschen um ihn herum. Er beschloss daher, er wolle nur dem Stärksten und Mächtigsten auf der Erde dienen. Er ging zu einem mächtigen König. Dieser König freute sich, dass Ophorus ihm seine Dienste anbot. Denn in den vielen Kriegen und Streitigkeiten des Königs reichte es oft schon, dass die Feinde den riesigen Ophorus sahen. Dann liefen sie weg oder gaben auf.

Ophorus diente dem König gern, doch er bemerkte, dass auch der König nicht nur stark und mächtig war. Der König hatte Angst vor dem Bösen in der Welt, er hatte Angst vor dem Teufel. Also verließ Ophorus den König und brauchte nicht lange zu suchen, denn das Böse gibt es in der Welt überall.

Ophorus diente nun dem Bösen und war selbst böse. Bis er bemerkte, dass auch der Teufel nicht immer stark war: Als Ophorus und der Teufel an einem Wegkreuz vorbeikamen, an dem ein Kreuz mit Jesus dargestellt war, machte der Teufel einen großen Bogen um das Kreuz.

Ophorus ließ das Böse hinter sich, er versuchte, den Mann am Kreuz zu ausfindig zu machen und fand schließlich einen frommen Mann, der allein im Wald lebte. Ophorus wollte von ihm wissen, wo dieser Jesus sei und wie er ihm dienen könnte. Da gab ihm der fromme Mann folgenden Rat: Ophorus solle in der Nähe am Fluss auf Jesus warten. Weil der Fluss so tief und so gefährlich war und es weit und breit keine Brücke gab, wäre es ein großer Dienst, wenn der starke und riesige Ophorus die Wanderer und Reisenden auf die andere Flussseite tragen könnte. Das tat Ophorus. Tag für Tag trug er die Menschen über den Fluss und half ihnen, ihre Reise gut fortzusetzen.

„Ich bin Jesus. Du hast mich gesucht. Mit mir hast du die ganze Welt getragen. “

Aus der Legende des Heiligen Christophorus

Eines Tages stand ein kleines Kind am Ufer und bat: „Ophorus, trag mich hinüber.“ „Das hab ich gleich, dieses Kind ist ja so klein und leicht“, dachte Ophorus. Er hob das Kind auf die Schultern, nahm seinen Stock und watete ins Wasser. Als Ophorus an der tiefsten Stelle im Fluss angekommen war, wurde die Last auf seinen Schultern immer schwerer und schwerer. Ophorus hatte große Mühe, sich durch die Wellen zu kämpfen. Völlig erschöpft, aber sicher erreichte Ophorus mit dem Kind das andere Ufer.

„Was war das denn?“, keuchte Ophorus völlig außer Atem, „du bist nur ein kleines Kind und trotzdem hat es sich angefühlt, als hätte ich die ganze Welt auf meinen Schultern getragen!“ Da lachte das Kind: „Das hast du auch, Ophorus! Ich bin Jesus. Du hast mich gesucht. Mit mir hast du die ganze Welt getragen. Darum sollst du ab jetzt nicht mehr Ophorus heißen, sondern Christ-ophorus. Du hast Christus getragen. Wenn du mir dienen willst, dann hilf weiterhin den Menschen, sicher über den Fluss zu kommen.“

Warum ist Christophorus so ein beliebter Heiliger?

Es ist auffallend, dass diese Legende sehr ausgeschmückt erzählt wird. Dabei ist es gar nicht sicher, dass es einen Menschen namens Ophorus je gegeben hat. Trotzdem gibt es viele Bilder und Statuen, Plaketten und Aufkleber von Christophorus.

Damit es nicht nur eine schöne Geschichte bleibt, gilt es, den Kern der Legende „abzuschälen“. Was mag dieser Kern wohl sein?

  • Vielleicht, dass das Böse nicht die größte Macht auf der Welt ist?
  • Vielleicht, dass es manchmal echt schwer ist Jesus Christus im Herzen zu tragen?
  • Vielleicht, dass es doch immer wieder schön ist, getragen zu werden oder sich getragen zu wissen?
  • Vielleicht, dass wir Jesus dienen, wenn wir anderen Menschen helfen?
  • Vielleicht kommen uns aber noch ganz andere Ideen, wenn wir gemeinsam darüber nachdenken? 

Sicher ist eines: Jede und jeder von uns möchte gut und sicher am Ziel ankommen, ob es nun in der Arbeit oder in der Schule oder am Urlaubsort ist. Wenn wir an den Heiligen Christophorus denken und uns vielleicht sogar einen Aufkleber von seinem Bild auf das Fahrrad oder das Auto kleben, dann erinnern uns sein Bild und sein Gedenktag am 24. Juli daran, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir gut ans Ziel kommen. Wir sollen so fahren, laufen, reisen, … dass wir auch andere gut ans Ziel kommen lassen.

Christophorus kann für uns ein Vorbild sein mit seinem Mut, seiner Stärke und vor allem mit seiner Kraft durchzuhalten. Das können wir auf Reisen oft gut gebrauchen. Gerade dann, wenn es schwierig wird und langweilig und nervig, ist es doch schön sich vorzustellen, dass Christophorus uns mitträgt.

Ein Segen vor der Reise

Vor einer Reise um den Segen Gottes zu bitten, ist ein wunderschönes Ritual für Familien. So können Sie ihn mit Ihren Kindern gestalten:

Hinführung

"Jetzt sind wir fertig mit Packen. Die Koffer sind randvoll, das Auto ist eingeräumt. Wir machen uns gleich auf den Weg (zum Bahnhof/zum Flughafen).

Erinnert ihr euch noch, was wir alles eingepackt haben?"

Kinder zählen auf, was alles eingepackt wurde (Kleidung, Fahrradhelm, Schwimmhilfen, Sonnencreme, Pflaster, Essen, Decken, Kissen, Sandspielzeug, Luftmatratze …).

„Diese Dinge brauchen wir in der Zeit unseres Urlaubs. Und eine Sache haben wir noch nicht eingepackt, die brauchen wir auch noch. Diese Sache kann man nicht sehen, man kann sie nicht anfassen, riechen oder schmecken. Aber man kann sie spüren. Es ist der Segen Gottes, der uns nun in diesen Urlaub begleiten soll. Der Segen Gottes soll uns erinnern, dass wir nie alleine unterwegs sind. Gott geht auch in die Ferne mit, denn er möchte, dass es dir/uns gut geht.“

Während ein Familienmitglied den Segen spricht, können sich alle Familienmitglieder an der Hand nehmen.

Reisesegen

"Liebender Gott,
alles ist gepackt, wir sind startklar.
Wir freuen uns auf den gemeinsamen Urlaub.
Wir bitten dich, halte schützend deine Hand über unsere Wege,
damit wir unser Ziel wohlbehalten erreichen.

Öffne uns Augen und Ohren
für die Wunder der Welt.
Schenke uns Zeit,
für uns und für andere.
Zeit, um einfach nur ,da' zu sein
und um das Leben zu spüren und zu genießen.
Halte Streit und Ärger von uns fern
und schenke jedem von uns, die Erholung, die er braucht.

Wenn der Urlaub zu Ende geht,
begleite uns auf dem Heimweg,
dass wir wieder mit neuer Kraft
zuhause ankommen."

Wenn sich die Familienmitglieder an der Hand gehalten haben, können sie sich wieder loslassen und sich gegenseitig mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn segnen. Gerne kann dazu auch Weihwasser verwendet werden. 

„Es segne uns der liebende Gott,
der Vater und
der Sohn und
der Heilige Geist.
Amen.“

Jetzt haben wir alles eingepackt – wir starten! (Text: Susanne Kaupe)