Alleine hatte Stefan Strohmayer, Jugendreferent bei der Katholischen Jugendstelle Rosenheim, als Jugendlicher nicht die Traute, seiner Begeisterung für die Straßenmusik nachzugehen. Doch als Jugendreferent holte er die Verwirklichung seines Traums nach und versammelte 2004 erstmals eine Gruppe musikbegeisterter Jugendlicher, die seitdem jährlich auf der Straßenmusiktour aufspielen. So auch ab heute (13.8.) in Würzburg und dann bis zum Montag (17.8.) in Nürnberg und in Regensburg.
„Mich lässt das Thema seit über 20 Jahren nicht los“, meint Strohmayer. „Musik ist ein geniales Kommunikationsmittel – es ist einfach, spricht viele Menschen an und triggert sofort auf einer emotionalen Ebene. Sie baut Brücken, auf denen man sehr unkompliziert zueinander kommt – egal wie weit Meinungen und Lebenswelten auseinander klaffen. Das erlebe ich eigentlich immer, wenn ich mit Menschen Musik mache – egal ob beim Singen im Chor, beim spontanen Musi-macha im Volksmusikbereich oder in einem Orchester.“
Mitmachen bei der Straßenmusiktour können allen jungen Frauen und Männer, die Spaß an der Musik haben – um musikalische Höchstleistungen geht es nicht. In diesem Jahr sind 13 Jugendliche, die sich vorher zum größten Teil gar nicht gekannt haben, zusammen auf Tour und bringen einen bunten Mix an Instrumenten mit: Akkordeon, Gitarren, E-Bass, Klarinette, Saxophon, Posaunen und Trompete. Die Gruppe reist mit dem Zug und übernachtet in Jugendherbergen. Bevor es in die Fußgängerzonen geht, haben die Jugendlichen zwei Tage lang geprobt und alle Songs so arrangiert, dass sie dem jeweiligen Können am Instrument angepasst sein.
„So ein Auftritt auf der Straße ist schon eine ziemliche Challenge“, berichtet Stefan Strohmayer, der auch als Berufungscoach für die Erzdiözese tätig ist. „Alle 'Anstandsregeln', die in einem Konzertsaal gelten, gibt es da nicht. Da ist keine feste Bühne, kein Publikum, das auf Stühlen sitzt und am Ende klatscht. Auf der Straße ist man der Situation, den Menschen und deren Reaktionen voll ausgeliefert. Es braucht Überzeugung, viel Mut und den Willen, sich das Publikum zu erspielen.“
Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass unerwartete Dinge geschehen können – Senioren die mittanzen, faszinierte Kinder, die nicht mehr weg wollen, spannende Gespräche oder sogar spontane JAMS mit anderen Musikerinnen und Musiker.
Für die Jugendlichen ist die Straßenmusiktour laut Strohmayer ein riesiges Lernfeld, bei dem es um die sozialen Prozesse in der Gruppe geht, aber auch um persönliche Fragen wie „Wer bin ich eigentlich und wie wirke ich auf die Menschen?“. Genau an diese Fragen knüpfe man an, so der Jugendreferent, der in diesem Jahr die Tour zusammen mit der Pädagogin und Chorleiterin Stephanie Schweiger, die einst als Teilnehmerin mitmusizierte, leitet. „Denn der Auftrag von Jugendarbeit geht viel weiter, als Jugendlichen schöne Ferien zu bereiten. Wir wollen die jungen Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung fördern, so dass sie später selbstbestimmt und reflektiert Verantwortung für sich selbst und in unserer Gesellschaft übernehmen.“
„Ich freue ich mich immer wieder über das, was sich bei den jungen Menschen auf so einer Tour entwickelt“, erzählt der „Erfinder“ der Straßenmusiktour. „Wenn nach der Tour Rückmeldungen von Eltern kommen, dass ihr Kind so positiv und selbstbewusst geworden ist, ist das schon genial. Eine Teilnehmende studiert mittlerweile in Amerika und meinte, dass sie sich das vor der Tour nie zugetraut habe, aber auf der Tour habe sie gemerkt, dass soooo vieles möglich ist – und was solle schon passieren?“
Nicht nur die Musikerinnen und Musiker gewinnen durch ihr Engagement, sie helfen auch anderen. Die Einnahmen aus den Spenden der Zuhörenden werden zum allergrößten Teil von den Jugendlichen weiter gespendet – an musikalische Projekte mit und für junge Menschen. In den vergangenen Jahren gingen so beispielsweise Gelder an das Ukrainische Jugend-Symphonieorchester, an das ABM Orchester – eine integrative Band der Stiftung Attl, an die Musikschule Rosenheim zur Förderung von Kindern aus finanziell schwierigen Verhältnissen. Das Spendenziel für die aktuelle Tour hat die Gruppe in den Probetagen festgelegt.
Wer den Fortlauf der Straßenmusiktour verfolgen möchte, findet hier ein Tourtagebuch.
Die Straßenmusiktour macht Halt
in Würzburg 13.8. 19:30 Uhr Vierröhrenbrunnen / 14.8. 10:30 Uhr Vierröhrenbrunnen; 13:30 Uhr Eichhornstraße (ZARA)
in Nürnberg 15.8. tagsüber immer wieder am Weißer Turm; 20:30 Uhr am Tiergärtnertor / 16.8. vormittags am Weißer Turm
in Regensburg 17.8. 11:00 Uhr Neupfarrplatz Alte Wache; 16:00 Uhr Haidplatz / 18.8. 11:30-12:30 Uhr Neupfarrplatz Alte Wache