„Wir brauchen die Bildung mehr denn je." Diese Überzeugung bekundete Kardinal Reinhard Marx beim Festakt der Segnung des generalsanierten Ursulinenklosters am 17. Juli in Landshut. Und die Überzeugung untermauert die Erzdiözese mit einer Investition von rund 50 Millionen Euro, mit der das umgebaute Kloster zu einem Bildungs- und Kulturzentrum mit unterschiedlichen Partnern unter einem Dach weiterentwickelt wird. Weitere Investitionen in Höhe von 12 Millionen Euro folgen im zweiten Bauabschnitt, dazu kommen Kosten für die Modulschule und den Abbruch der alten Turnhalle.
Der Kardinal hält diese Summe, die „die Kirchensteuerzahler aufbringen", für gerechtfertigt: „Von katholischen Schulen erwarte ich, dass sie Vorreiter sind und Maßstäbe setzen. Es sind keine Schulen wie viele andere. Sie sollen das Salz der Erde sein, das Licht der Welt. Wir wollen zeigen, wie es geht und wie es sein sollte, auch wenn das immer eine Herausforderung ist.“
Kardinal Reinhard Marx„Es braucht demokratische Kontrolle und Menschen, die mitdenken und mitentscheiden und denen das Gemeinwesen etwas wert ist.“
Vor zahlreichen Gästen und Mitgliedern der Schulgemeinschaft der im Gebäude untergebrachten Ursulinen-Realschule bezog sich der Erzbischof im Innenhof des weitläufigen Gebäude-Ensembles in seiner Rede auf die Enzyklika von Papst Leo XIV. zur Künstlichen Intelligenz, „Magnifica Humanitas“. Diese rufe nach zwei Wirklichkeiten, die heute in besonderer Weise herausgefordert seien: „Das eine ist die Bildung. Wie sollen Menschen mit der Technik und den hochkomplexen Werkzeugen ohne wertebegründete Bildung richtig umgehen? Wie sollen sie wissen, was gut und böse ist, was dem Menschen dient und was ihm schadet? Nur mit Hilfe der Bildung ist der Mensch in der Lage, das Neue zu verstehen und richtig zu erfassen, daran zu wachsen und sich neue Möglichkeiten zu erschließen und nicht nur der verlängerte Arm der Technik und von Maschinen zu sein."
Die zweite herausgeforderte Wirklichkeit im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz sei die Demokratie, betonte der Kardinal. „Diese faszinierende Technik kann dem Menschen nur dienen, wenn wir eine Gesellschaft sind, in der Mitbestimmung und Mitentscheidung möglich sind, in der nicht nur einige wenige Großunternehmer das große Geld verdienen. Es braucht demokratische Kontrolle und Menschen, die mitdenken und mitentscheiden und denen das Gemeinwesen etwas wert ist."
Zukünftig werden sich die Ursulinen-Realschule, das Christliche Bildungswerk und das Klostermuseum die Räume und den Klosterhof teilen und den neuen Bildungsstandort gemeinsam mit Leben füllen.
Sandra Krump, Ressortleiterin Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat der Erzdiözese München und Freising, hob in ihrer Ansprache das „reiche spirituelle, kulturelle und pädagogische Erbe“ hervor, das die Erzdiözese mit dem Ursulinenkloster übernommen habe und das es in die Zukunft zu überführen gelte. Sie dankte Kardinal Marx für dessen hohe Wertschätzung für die Bildung, welche „die Entwicklung des Ursulinenklosters zum modernen Bildungsstandort erst möglich“ mache.
Sie verwies darauf, dass die Erzbischöfliche Ursulinen-Realschule als die in Landshut angestammte renommierte Bildungseinrichtung „stets ihr Profil bewahrt und zugleich sehr modern weiterentwickelt“ habe. Das Klostermuseum mache erlebbar, „woher wir kommen, wie christliche Bildung über viele Jahrhunderte entwickelt und gelebt wurde, sodass wir wissen, wer wir sind, damit wir mutig und hoffnungsvoll die Zukunft gestalten können“.
Das Christliche Bildungswerk sei als dritter Partner mit dabei, weil Bildung mit dem Schulabschluss nicht zu Ende sei, sondern bedeute, „dass der Mensch ein Leben lang immer mehr zu dem wird, wie Gott ihn gemeint hat“. Die Verantwortlichen der drei Institutionen forderte sie auf, das Ursulinenkloster „als kirchlichen Bildungsort mit Ideen und Kreativität“ zu gestalten, sich vom Gebäude, seiner Geschichte und seinen neuen Möglichkeiten inspirieren zu lassen, damit aus deren Zusammenwirken „ein Ort mit großer Ausstrahlungskraft“ entstehen könne. (hor/ra)