Lade Bild...
Geheimtipp: Von hier haben Sie den schönsten Blick auf die Wiesn
252 Treppenstufen, dann hat man es geschafft: Vom Turm von St. Paul in der Ludwigsvorstadt bietet sich zur Wiesn ein 360-Grad-Rundumblick au...
Am Donnerstagvormittag (17.9.) bot sich ein ungewohnter Anblick im Paulaner-Festzelt auf der Theresienwiese. Auf der Bühne war ein kleiner Altar aufgebaut, Kerzen flackerten. Und die Blaskapelle stimmte keine Polka an, sondern intonierte „Lobe den Herrn“.
Kardinal Reinhard Marx stattete der Wiesn einen Besuch zwei Tage vor deren Eröffnung ab, um in einer Andacht das Zelt und die Kreuze darin zu segnen. Aber natürlich war es dem Erzbischof auch ein Anliegen, den vielen fleißigen Helferinnen und Helfern zu danken, die bereits jetzt den Aufbau der Zelte und der Buden bewerkstelligen und dann über die 16 Tage des Festes die Gäste bewirten oder die Sicherheit auf dem Gelände gewährleisten werden. Stellvertretend für die rund 13.000 Menschen, die auf dem Oktoberfest arbeiten, nahmen nun einige Hundert an der Andacht teil.
„Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei all dem Stress auch Spaß haben“, wandte sich Kardinal Marx an die Anwesenden. Dass das Team im Paulaner-Zelt, so wie er höre, seit Jahren stabil zusammen bleibe, sei ein gutes Zeichen.
Ihn selbst habe bei seiner Ankunft in München vor 19 Jahren das Oktoberfest „erstaunt“: „Diesen unglaublichen Aufwand, der hier getrieben wird, dass riesige Zelte auf- und abgebaut werden, das gewaltige Medienecho vor und während des Fests – das kannte ich von den Volksfesten und den Schützenhallen in meiner westfälischen Heimat so nicht.“ Das Auf- und Abbauen von Zelten sei auch ein passendes Bild für „unser Leben“. Im Alten Testament habe Gott zu König David gesprochen: „Ich habe noch nie in einem Haus gewohnt, seit ich die Israeliten aus Ägypten geführt habe. Bis heute ist meine Wohnung immer ein Zelt gewesen, mit dem ich umhergezogen bin.“
Zelte mögen auf- und abgebaut werden, aber „im Zelt erfahren wir etwas, was von Dauer ist“, führte der Erzbischof aus. „Hier auf der Wiesn ist es ein Ort der Begegnung und des Feierns, bei dem niemand fragt, wer man ist oder woher man kommt. Es ist eine klassenlose Gesellschaft, die friedlich und freundlich ist, von Ausnahmen abgesehen. Viele sehnen sich nach einem solchen Ort der Begegnung. Wenn Gott unter uns ist, ist das ein Fest – wie es in der Lesung aus dem Buch Jesaja heißt, die wir heute gehört haben: ein Fest mit den feinsten, fetten Speisen und mit erlesenen, reinen Weinen.“ Das Oktoberfest strahle Zuversicht und Hoffnung in die ganze Welt aus. „Wir brauchen solch eine Unterbrechung in diesen bedrückenden Zeiten“, ist der Erzbischof sicher.
In den Fürbitten beteten die Anwesenden für die sichere Anreise der Gäste, für ein frohes Arbeiten und den Schutz aller auf der Wiesn Tätigen, für das gegenseitige Achten und dass das Haus mit „herzlicher Gastfreundschaft erfüllt werde“. Die Bayernhymne schloss die Andacht ab.
Und Kardinal Marx? Wird er die Wiesn besuchen? „Ich versuche es jedes Jahr, aber leider fällt neben meinen vielen Terminen immer die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda in genau diese Zeit. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr mit meiner Belegschaft dabei sein kann.“ Aber selbst wenn er es nicht schaffe, komme die Wiesn ja zu ihm. Der Festeinzug geht unter seinem Balkon des Erzbischöflichen Palais in der Kardinal-Faulhaber-Straße vorbei. „Und den schaue ich mir immer an.“ (ra)
Mitten im Wiesntrubel wird es für einen Vormittag besinnlich: Am Donnerstag, 24. September 2026, findet um 9:30 Uhr der traditionelle ökumenische Oktoberfest- und Gedenkgottesdienst im Marstall-Festzelt statt, anlässlich des Jubiläums 70 Jahre Circus- und Schaustellerseelsorge dieses Mal als Pontifikalamt mit Weihbischof Matthias König aus Paderborn. Weihbischof König ist Mitglied der Kommission XIV. der Deutschen Bischofskonferenz im Bereich Weltkirche und Migration, dem auch die Circus- und Schaustellerseelsorge zugeordnet ist. Musikalisch gestaltet wird das Pontifikalamt von den Münchner Dombläsern unter der Leitung von Peter Gasser.
Der Oktoberfest-Gottesdienst wird seit 1956 gefeiert. Katholische und evangelische Geistliche gestalten ihn gemeinsam. Im Mittelpunkt stehen besonders die Menschen, die als Schaustellerinnen und Schausteller, Marktkaufleute oder Wiesnwirtinnen und Wiesnwirte auf dem Oktoberfest arbeiten. Beim Gottesdienst wird auch verstorbenen Angehörigen dieser Berufsgruppen gedacht. Für Schaustellerfamilien hat der Termin noch eine weitere Bedeutung: Im Rahmen des Gottesdienstes finden traditionell auch Taufen, Erstkommunionen und Firmungen ihrer Kinder statt. Gemeinsam beten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eine friedliche Wiesn.