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Historische Frömmigkeit neu interpretiert: Insbesondere im Barock etablierte sich das Motiv des brennenden, von Flammen gekrönten Herzens.

Quellen des Trosts im Kloster Beuerberg

„Magische“ Amulette, Utensilien zur Totenwäsche, ein meterhohes, begehbares Herz: Die neue Schau „Seelentrost“ im Kloster Beuerberg nimmt Besucherinnen und Besucher auf eine kurzweilige Entdeckungsreise, was Seele und Körper heilen kann.

Mit der Frage, wo und wie Menschen Trost finden bei Krankheit und Not, befasst sich die neue große Sonderausstellung „Seelentrost – Was uns heilen kann“, die das Diözesanmuseum Freising von Mittwoch, 1. Juli, an für ein Jahr im Kloster Beuerberg zeigt. Für Generalvikar Christoph Klingan geht es dabei um nicht weniger als eine Spurensuche nach der „Tiefenschicht des Menschseins“, die sich die neue Schau zur Aufgabe gemacht habe. 

Angesichts zahlreicher Krisen und multipler Herausforderungen suchten die Menschen Halt – „sei es bei Mitmenschen, in einer Gemeinschaft, bei Institutionen und allen Unkenrufen zum Trotz nicht wenige nach wie vor durch und im Glauben“. Zu den Gemeinschaften und Orten, die Menschen Halt geben, gehören nach Ansicht Klingans seit jeher die Klöster, die sich „vielfach als Orte erwiesen, wo Menschen nicht nur etwas, sondern sich selbst, die Sinnperspektive ihres Lebens, in der Sprache des Glaubens: ihre christliche Berufung und am Ende vielleicht sogar Gott gefunden haben. Diese wirkliche Tiefenschicht des Menschseins aufzuspüren, hat sich die neue Ausstellung mit zur Aufgabe gemacht.“ 

Existenzielle Fragen im Zentrum

Wie bei den Ausstellungen zuvor gehe es auch in der neuen Schau in Kloster Beuerberg um „die ganz existenziellen Fragen nach Identität, Werten und dem Sinnhorizont für Individuum und Gesellschaft in unserer vom Christentum geprägten Kultur und Spiritualität“, so der Generalvikar. Mit „Seelentrost“ werde es allerdings „noch persönlicher, ja sagen wir ruhig existentieller mit der großen Frage, wie wir persönlich Heilung und Heil finden“. Und so bedeute Trost, wie er in dieser Ausstellung aufgefasst werde, auch „nicht Vertröstung“, sondern ziele auf eine konkrete Erfahrung „im Hier und Jetzt". Klingan betont: „Dazu gehört Ehrlichkeit mit der Welt und sich selbst, auch in schwierigen Phasen, nur das führt weiter.“

Die mittlerweile siebte Schau, die im Kloster Beuerberg vom Diözesanmuseum Freising gezeigt wird, beleuchtet das Thema der menschlichen Suche nach seelischer und körperlicher Heilung in unterschiedlichen Facetten. Ausgangspunkt ist dabei der Ort selbst, das Kloster als geschützter und schützender Ort mit seinen ehemaligen Bewohnerinnen, und die Frage, inwieweit die klösterliche Spiritualität und Lebensform zu einem gelingenden und heilsamen Lebensweg beitragen.

Dazu dokumentiert die Ausstellung etwa Interviews mit Internatsschülerinnen aus dem zerbombten München, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Kloster Beuerberg Unterschlupf fanden, und Gespräche mit den letzten Schwestern des Klosters, die 2014 Beuerberg verließen. Einen besonderen Blick wirft „Seelentrost“ auf die Zeit der Corona-Pandemie und stellt Strategien vor, mit denen Künstlerinnen und Künstler der Erschütterung sozialer Gewissheiten begegneten und versuchten, die Zeit der Isolation zu bewältigen. Gezeigt wird beispielsweise eine Tischdecke, in wochenlanger Arbeit bestickt von der Filmemacherin Doris Dörrie.

Historische Werke und zeitgenössische Installationen

Ihre Besucherinnen und Besucher lädt die Ausstellung im gesamten Erdgeschoss des Klosterkomplexes ein, sich grundsätzlich und auf verschiedenen Wegen mit den Themen Heilung und Trost auseinanderzusetzen. Zu den Exponaten gehören zeitgenössische Klang- und Rauminstallationen, etwa ein vier Meter hohes, begehbares Herz, ebenso wie zahlreiche Kunstwerke und Kulturgüter aus dem reichhaltigen Schatz des Freisinger Diözesanmuseums und des Klosters Beuerberg, darunter Utensilien zur Totenwäsche aus dem 19. Jahrhundert oder „magische“ Amulette aus byzantinischer Zeit, an denen deutlich wird, wie sich in der Kultur des Mittelmeerraums im sechsten und siebten Jahrhundert heidnische, jüdische und christliche Heilsvorstellungen vermischten.

Kloster Beuerberg - ein kirchliches Kulturzentrum

Nach einer sensibel ausgeführten Generalsanierung öffnete Kloster Beuerberg im Juni 2025 wieder seine Pforten – als kirchliches Kulturzentrum mit Beherbergung, Seminarhaus und Ausstellung in der besonderen Atmosphäre und Ausstattung der historischen Räume. Die ehemaligen Klosterzellen stellen als Einzel- oder Doppelzimmer einen besonderen Platz zum Schlafen, Ausruhen und Erholen dar. 14 Tagungsräume in verschiedenen Größen bieten bis zu 100 Personen Platz. Der Festsaal dient auch als Standesamt. Für das leibliche Wohl der Gäste wird in Klostergarten, Refektorium, Kreuzgarten und Gästereferektorium gesorgt. 

 

„Seelentrost“ zeigt die mit den historischen Werken verbundenen Vorstellungen und religiösen Praktiken auf und stellt vor allem auch die prägenden Gestalten vor, die zum Teil bis in die jüngste Vergangenheit hinein unser Bild von Heil und Unheil geformt haben. Bei wem suchten die Menschen Zuflucht bei Krankheit und Not – im frühen Christentum der Spätantike, in der Volksfrömmigkeit vergangener Jahrhunderte, während der Corona-Pandemie?

Das 1121 als Augustiner-Chorherrenstift gegründete Kloster Beuerberg gelangte 1803 im Zuge der Säkularisierung in Privatbesitz, bis es 1846 von Schwestern von der Heimsuchung Mariä, Salesianerinnen genannt, übernommen wurde. Die Schwestern gaben 2014 das Kloster auf und die Erzdiözese München und Freising erwarb den Gebäudekomplex. 2025 wurde es von der Erzdiözese nach einer umfangreichen Sanierung und Neugestaltung als kirchliches Seminar- und Kulturzentrum mit Übernachtungs- und Gastronomieangebot wiedereröffnet. (ck/uq)