„Das Gift des Misstrauens darf uns nicht beherrschen“

Kardinal Reinhard Marx spricht auf Jahresempfang über Wege zum gesellschaftlichen Zusammenhalt

München, 15. Juli 2025. Kardinal Reinhard Marx hat beim Jahresempfang des Erzbistums München und Freising am Mittwoch, 15. Juli, in München Christinnen und Christen dazu aufgerufen, „der Kultur des Misstrauens, die den Radikalismus nährt“, mit einer Botschaft der Dankbarkeit und der Solidarität entgegenzutreten. „Es ist nicht unser Auftrag als Christen, das Jammern zu verdoppeln“, sagte der Erzbischof von München und Freising. „Misstrauen ist ein Gift, das uns nicht beherrschen darf.“

Gemeinsinn, Vertrauen, Dankbarkeit und Hoffnung bilden nach Ansicht des Erzbischofs die Basis „für ein gutes und gelingendes Leben“. Damit gelte es, einer „Ausrichtung der Gesellschaft nur auf das individuelle Bedürfnis“ entgegenzutreten, die am Ende unweigerlich auch zu Enttäuschung und letztlich Wut führen würde. Dies würde wiederum von radikalen politischen Kräften ausgenutzt werden. Die Kirche müsse „an der Seite derer stehen, die das Gift der Wut an der Wurzel packen, die etwas dagegensetzen können“, ist Marx überzeugt. Der Kardinal hob die Bedeutung der Kirche für das Funktionieren und den Zusammenhalt der Gesellschaft hervor. Mit ihren „Pfarreien, Kindergärten und vielen weiteren Einrichtungen“, in denen das christliche Menschenbild gelebt werde, könne sie zur „Überwindung der Angst und des Misstrauens“ beitragen.

Auch auf internationaler Ebene brauche es „einen neuen Weg des Vertrauens“, betonte Marx. Er kritisierte eine Politik, die sich am Krieg ausrichte und nur auf Aufrüstung setze, was auf Dauer keinen Frieden sichere. Die Kirche zähle „mit dem Heiligen Stuhl zu den letzten Vertretern einer multilateralen Ordnung“ und könne so eine entscheidende Rolle spielen auf dem Weg zu Verständigung und Frieden.

Marx warb zudem für mehr Achtung für die Institutionen und Menschen, die sich dem Erhalt der Freiheit und Demokratie verschrieben hätten: „Unsere Freiheit wird konkret in verlässlichen Institutionen. Wir müssen sie achten und schätzen. Wo bleibt das Lob für die Politiker, die sich dafür engagieren?“

Rund 600 Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Gesellschaft und Politik nahmen an dem traditionellen Jahresempfang von Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, und dem Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese München und Freising im Kardinal-Wendel-Haus in München-Schwabing teil. Florian Herrmann (CSU), Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien, sprach ein Grußwort. (fho)

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