Faulhabers „Denken und Handeln besser verstehen“

München, 29.  Juni 2026. Die vollständige Bearbeitung und Veröffentlichung der Tagebücher von Kardinal Faulhaber (1869 bis 1952) wertet Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, als wichtigen Beitrag, um eine „offene und fachlich fundierte Diskussion“ zu ermöglichen. Das seit zwölf Jahren laufende Editions- und Digitalisierungsprojekt feiert seinen Abschluss am Montag, 29. Juni, in der Katholischen Akademie in Bayern (München-Schwabing). In seinem Grußwort erinnert Klingan laut Manuskript daran, dass Kardinal Reinhard Marx sich „mit Bedacht“ dazu entschieden habe, die Tagebücher mit Unterstützung unabhängiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu veröffentlichen. Klingan erinnert an dessen Stellungname zur Ankündigung des Projekts im Jahr 2013, der Erzbischof von München und Freising habe aus der festen Überzeugung heraus gehandelt, dass es notwendig sei, sich der ganzen Geschichte der Kirche zu stellen. Die Geschichtsforschung sei keine Gegnerin der Kirche, sondern eine unverzichtbare Helferin im Bemühen um die Wahrheit.

Der Erfolg des Projektes zeige sich auch darin, dass die Presse bisherige Teilveröffentlichungen mit großem Interesse begleitet habe, sowie darin, dass eine hohe Nachfrage wissenschaftlicher Nutzerinnen und Nutzer gebe, erläuterte Klingan. Dies habe „gezeigt, dass es richtig war, dieses Projekt anzugehen“. Durch die Zusammenarbeit der Erzdiözese mit der Deutschen Forschungsgesellschaft und Lehrstühlen in München und Münster sei nun nach Ansicht des Generalvikars eine wertvolle Möglichkeit entstanden, „heute das Denken und Handeln dieses zweifellos bedeutenden Erzbischofs in bewegter Zeit besser kennen und verstehen lernen“. Jedoch beginne „die noch größere Arbeit des Ausschöpfens dieser Quelle nun erst richtig“. Dabei hoffe er darauf, dass möglichst viele Facetten Faulhabers Beachtung fänden, auch jenseits seines Wirkens im politischen Bereich, auf den sich „das Interesse an den Tagebüchern verständlicherweise bisher konzentriert hat“. Klingan ermutigt Forschende, sich nicht auf die Tagebücher zu beschränken und verweist auf „die umfangreiche Aktenüberlieferung Kardinal Faulhabers“ im Diözesanarchiv, durch die viele Details und Zusammenhänge eingeordnet und kontextualisiert werden könnten. Ziel der Erzdiözese sei es deshalb, soweit Urheberrecht und Persönlichkeitsschutz es zuließen, „die digitale Nutzungsmöglichkeit für die Amtsakten Kardinal Faulhabers zu verbessern“. Die Erzdiözese werde „in ihrem Engagement für die Erforschung ihrer jüngeren Geschichte nicht nachlassen“, sichert Klingan zu.

Während des Festaktes sprechen außerdem die Projektverantwortlichen Andreas Wirsching, emeritierter Professor für Neuere und Neuste Geschichte und ehemaliger Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München und Berlin, sowie Peer Volkmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in München und Berlin. Es folgt ein Festvortrag von Hubert Wolf, Professor am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Münster und Matthias Daufratshofer, Professor am Lehrstuhl für Kirchengeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Bistumsgeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn.

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „Kritische Online-Edition der Tagebücher von Michael Kardinal von Faulhaber (1911-1952)“ machen das Erzbischöfliche Archiv München, das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und das Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte in Münster die Tagebücher in einer umfangreich kommentierten Leseversion im Internet zugänglich. Verfasst wurden die Einträge zum größten Teil in der Kurzschrift „Gabelsberger“, die nur noch wenige Experten entziffern können. Mit Mitteln, die der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, bereitgestellt hatte, konnten an der Ludwig-Maximilians-Universität München Kurse zum Erlernen dieser Stenographie-Form eingerichtet werden. Mit Abschluss des Projektes sind die Besuchstagebücher der Jahrgänge 1911-1952 unter www.faulhaber-edition.de einsehbar; vereinzelt fehlende Beiblätter und Kurzbiographien werden im Laufe des Jahres nachgereicht. (fho)

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