München, 4. September 2026. Die Erzdiözese München und Freising erinnert an das Lebenswerk und Martyrium des katholischen Schriftstellers, Journalisten und Widerstandskämpfers gegen das NS-Regime Friedrich Ritter von Lama mit einer neuen Gedenktafel. Die Tafel ist an dessen Wohnhaus in Gauting (Ledererstraße 15) angebracht und wurde am Freitagabend, 4. September, vom Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, Christoph Klingan, gesegnet. Klingan würdigte in seinem Grußwort laut Manuskript Friedrich von Lama als „beeindruckenden Glaubenszeugen“, dem aus der Liebe Gottes heraus der Mut zugewachsen sei, „im Sinne Jesu zu handeln“. Der Blutzeuge der Erzdiözese stehe für „wachsames Hinsehen auf die gesellschaftlichen Entwicklungen, anstatt wegzuschauen; die inneren Überzeugungen auch gegen Widerstände äußern, anstatt zu schweigen“, so der Generalvikar. Diese Tugenden seien auch heute wieder von größter Wichtigkeit und machten das Handeln Lamas sehr aktuell, betonte Klingan, „gerade mit Blick auf Entwicklungen, durch die wir heute unsere Demokratie gefährdet sehen“. Friedrich von Lama, am 4. September vor 150 Jahren geboren, wurde 1944 in München-Stadelheim von den Nationalsozialisten ermordet. Neben Klingan sprach auch Maximilian Platzer, erster Bürgermeister der Gemeinde Gauting, ein Grußwort. Vor der Einweihung fand zudem in der Pfarrkirche St. Benedikt ein Gedenkgottesdienst statt.
Generalvikar Klingan verwies in seinem Grußwort auf eine Aussage Friedrich von Lamas aus dem Jahr 1932, die sich auch auf der neu angebrachten Tafel findet: „Hitler soll ein von Gott Gesandter sein? Sehen Sie doch seinen unbändigen Stolz, seine Überhebung an, wie er alles einsetzt, damit es ihm diene, nicht aber Gott.“ Von Lama habe „mit klarem Blick und mit innerer Distanz“ den aufkommenden Nationalsozialismus betrachtet, obwohl er selbst kein Demokrat gewesen sei, so Klingan. Dennoch habe er Hitler, das nationalsozialistische Gedankengut und alles, was sich daraus ergab, nicht mittragen können. „Als Autor zahlreicher Publikationen hat von Lama die Presse und überhaupt das Medium des Wortes genutzt, um die menschenverachtende Diktatur öffentlich zu kritisieren“, sagte Klingan. Das verbinde ihn mit dem 1934 in Dachau ermordeten Journalisten und Glaubenszeugen Fritz Gerlich, und spätestens nach dessen Ermordung habe von Lama um die Gefahr für sein eigenes Leben gewusst, so Klingan. Die Gedenktafel, die zahlreiche Informationen zum Leben und Wirken von Lamas versammle, lade zur „eingehenderen Auseinandersetzung“ ein.
Friedrich Ritter von Lama wurde am 4. September 1876 in Salzburg geboren und war als Schriftsteller und Journalist tätig. Unter anderem verfasste er Werke über den Heiligen Stuhl und Therese Neumann von Konnersreuth und war für verschiedene deutsche Zeitungen tätig, darunter auch kirchliche Medien. Durch sein vom katholischen Glauben geprägtes politisches Engagement geriet er ins Fadenkreuz der Nationalsozialisten. Mit Beginn des Jahres 1937 wurde ihm jede schriftstellerische und journalistische Tätigkeit verboten. Ab 1938 wurde er monatelang inhaftiert, unter anderem im KZ Dachau, und nach seiner Entlassung von der Gestapo überwacht. Man warf ihm vor, gegen die Ideologie des Nationalsozialismus zu kämpfen. Einen weiteren Anklagepunkt bildete das Treueverhältnis seiner Familie zum österreichischen Kaiserhaus. 1944 wurde er wegen des Hörens des Vatikansenders erneut verhaftet und ins Gefängnis München-Stadelheim gebracht. Dort starb er am 9. Februar, angeblich an Herzversagen. Eine Ärztin, die Zugang zum Gefängnis hatte, erklärte den Angehörigen jedoch, Ritter von Lama sei offenbar ermordet worden. Er wurde auf dem Friedhof der Gemeinde Gauting beigesetzt. (hor)