„Wir als Kirche wollen Zeichen der Einheit in der Vielfalt sein“

Kardinal Marx betont Bedeutung Europas bei „Gottesdienst der Nationen“

München, 27. September 2026. Kardinal Reinhard Marx hat die Bedeutung Europas und der europäischen Werte betont, „nicht nur für Europa selbst, sondern für die ganze Welt“. Europa habe „die Menschenrechte nicht erfunden, aber gefunden. Von Europa ist das Evangelium in die Welt gegangen. Wir können uns darauf nichts einbilden, aber es ist eine Verantwortung, die wir mittragen“, sagte der Erzbischof von München und Freising in seiner Predigt bei der Feier des „Gottesdienstes der Nationen“ anlässlich der bundesweiten Interkulturellen Woche am Sonntagabend, 27. September, im Münchner Dom.

Marx erinnerte an den „großen Europäer“ Robert Schuman (1886-1963) als „Vater Europas“. Dieser habe das christliche Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ mit der politischen Philosophie Europas verknüpft und Marx zufolge verdeutlicht: „Die Demokratie, wie wir sie kennen, eine Demokratie, die gründet auf den Menschenrechten, auf der verantwortlichen Freiheit, auf dem Respekt vor jedem Menschen, wo er auch herkommt, die ist ohne das Christentum gar nicht vorstellbar.“ Das sei die Grundlage, so der Kardinal. „Sonst haben wir keine wirkliche Demokratie, sondern nur die Herrschaft einer Clique, einer Elite oder einer Gruppe über die anderen.“

Der Erzbischof sprach sich dafür aus, ein „Europa aus dem Geist christlicher Wurzeln“ wiederzubeleben. „Nicht damit die Kirche überlebt, sondern die Menschen eine Zukunft haben.“ In einem Gespräch mit dem Heiligen Vater habe er angeführt, dass es noch zwei Mächte gebe, „die für Menschenrechte noch eintreten, für Multilateralismus, für das gemeinsame Haus der Menschheit, für eine Freiheit, die auf der Grundlage der Menschenrechte ruht“: die Europäische Union und den Heiligen Stuhl.

Marx äußerte die Hoffnung, dass die bevorstehende Ansprache des Papstes im französischen Metz am Montag, 28. September, eine Ermutigung sein werde „für den Weg, den wir als Kirche mitten in dieser Welt zu gehen haben“. Die weltweite katholische Kirche könne zeigen, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen friedlich zusammenleben können: „Wir sind gemeinsam unterwegs und wir als Kirche wollen ein Zeichen der Einheit in der Vielfalt sein.“

Musikalisch wurde die Messfeier von den Chören der Polnischen Katholischen Gemeinde München gestaltet. Inhaltlich stand der Gottesdienst im Zeichen der Vielfalt und Einheit der internationalen Gemeinschaft im Erzbistum, der mehr als 265.000 Katholikinnen und Katholiken anderer Muttersprachen und Riten angehören. Die Liturgie wurde in mehreren Sprachen gefeiert, Mitglieder der Muttersprachlichen Gemeinden nahmen in nationalen oder regionalen Trachten teil.

Die Interkulturelle Woche findet in diesem Jahr zum 51. Mal statt, vom 27. September bis 4. Oktober. Der bundesweite Auftakt wurde am 27. September in der Thomaskirche in Leipzig begangen. Das Leitthema lautet wie schon im vergangenen Jahr „Dafür!“. Die jährliche Aktionswoche ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Sie wird seit 1975 Ende September ausgerichtet und von Kirchen, Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Integrationsbeiräten und -beauftragten, Migrantinnen- und Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften und Initiativgruppen unterstützt und mitgetragen. (hs)

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