15 junge Erwachsene in Tracht posieren vor einem großen, mit Blumen geschmückten Holzkreuz an einem sonnigen Tag in der Münchner Innenstadt.
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Auch Ehrenamtliche des BDKJ sind bei der Münchner Fronleichnamsprozession dabei.

Wer Münchens Fronleichnamsprozession trägt

Wenn die Fronleichnamsprozession durch München zieht, stehen liturgische Zeichen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Möglich wird das Fest durch hunderte Ehrenamtliche. Sie singen in Chören, tragen Kruzifix, Fahnen, Himmel und helfen beim Austeilen der Kommunion. Wir haben mir drei von ihnen darüber gesprochen, wie sie den Tag erleben.

„Lobet den Herrn, den Mächtigen König der Ehren“, schallt es aus tausend Kehlen, wenn an Fronleichnam die Prozession durch die Münchner Residenzstraße in Richtung Ludwigskirche zieht. Tausende Katholiken und Katholikinnen tragen an diesem Tag ihren Glauben sichtbar auf die Straßen der Innenstadt.

Dass dieses Fest so gefeiert werden kann, ermöglichen rund 400 Ehrenamtliche: Sie singen in Chören, tragen Fahnen und Himmel, halten Fürbitten und Lesungen, unterstützen als Kommunionhelfer und -helferinnen und vieles mehr.

„Wir wollen zeigen, dass uns der Glaube wichtig ist, dass die katholische Kirche da ist, und ein Zeichen für Offenheit setzen.“

Sabrina Böck

Ganz vorne dabei sind Vertreter und Vertreterinnen der Jugendverbände: Sie tragen der Prozession das große Holzkreuz voran. Eine der Tragenden ist Sabrina Böck, Mitglied im Vorstand des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): „Ich finde es superschön, als Jugend so präsent mit dabei zu sein und die Jugend zu präsentieren“, erklärt sie ihr Engagement. „Wir wollen zeigen, dass uns der Glaube wichtig ist, dass die katholische Kirche da ist und gleichzeitig auch ein Zeichen der Offenheit setzen.“

Das große Kruzifix, das Sabrina Böck mitträgt, stammt aus der Kirche St. Franziskus in München-Giesing. Für Fronleichnam wird es eigens abgenommen, mit Blumen geschmückt und auf ein Gestell montiert. „Als ich das Kreuz zum ersten Mal mitgetragen habe, hat es mich schon überrascht, wie schwer es immer noch ist, auch wenn man schon zu so vielen hilft.“  Wieviel es wirklich wiegt, weiß bis heute niemand. Die Versuche der Gruppe, es zu wiegen, scheiterten bislang.

Sicher ist, dass es für die gesamte Prozessionsstrecke mehr als zwölf starke Arme braucht, um das Kreuz durchzutragen. Immer wieder wechseln Träger und Trägerinnen die Seiten, lösen sich ab. Weitere junge Ehrenamtliche begleiten die Gruppe mit Wasserflaschen und achten darauf, dass alle durchhalten. „Die Gruppe ist geprägt von Rücksichtnahme“, sagt Böck. „wir schauen, dass alle mit ihren Kräften gut haushalten.“

Im Zentrum der Fronleichnamsprozession

Die gesamte Strecke durchhalten muss Anke Biendl. Die Vorsitzende der Kolpingfamilie München-Sendling trägt seit vier Jahren bei der Fronleichnamsprozession durch die Münchner Innenstadt eine der großen Fahnen dem Allerheiligsten voran. Trotz aller Anstrengung schätzt sie den zwei Kilometer langen Prozessionsweg vom Marienplatz zur Ludwigskirche und wieder zurück sehr. „Das Zwischenziel, St. Ludwig mit seinen Türmen, sieht man schon von Weitem, man geht vorbei an historischen Gebäuden wie der Feldherrnhalle. Das ist eine schöne Strecke zum Laufen und auch zum Innehalten“, sagt Biendl. „Und in der Innenstadt stehen auch wirklich viele Leute.“

Wenn sie einige Wochen später in ihrer Heimatpfarrei Fronleichnam feiern, trägt sie wie schon seit vielen Jahren auch den Baldachin mit. An vier Stangen wird er über die Monstranz gespannt, welche die gewandelte Hostie enthält. Das Allerheiligste steht im Zentrum des Hochfestes, das die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie feiert. Weil sie selbst im Zentrum der Prozession geht, beobachtet sie genau, wie die Menschen am Straßenrand auf die Monstranz reagieren.

„Man merkt an dieser Stelle sehr gut, dass viele Gläubige aufs Allerheiligste fixiert sind“, erzählt Anke Biendl von ihren Beobachtungen während der Prozession. Viele stünden andächtig und freuten sich, wenn die Gruppe um die Monstranz vorbeiziehe. Sie selbst ist von der Symbolik des Baldachins beeindruckt: „Er gewährt dem Allerheiligsten Schutz. Diese Symbolik finde ich immer sehr bewegend.“

Ehrenamt für die Eucharistie

Direkt mit der Eucharistie verbunden ist der Dienst von Werner Attenberger. Der stellvertretende Vorsitzende des Katholikenrats in der Region München trägt als Kommunionhelfer beim großen Fronleichnamsgottesdienst auf dem Marienplatz dazu bei, dass Tausende von Gläubigen an der Eucharistie teilhaben können. „Es ist heuer das zweite Mal, dass auch Ehrenamtliche im Gottesdienst am Marienplatz Kommunion austeilen“, sagt Attenberger. Bereits im vergangenen Jahr habe er gemeinsam mit seiner Frau bei der Kommunionspendung geholfen.

Katholiken und Katholikinnen feiern Fronleichnam jedes Jahr am zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Der Termin erinnert an Gründonnerstag, an dem Jesus Christus das letzte Abendmahl feierte und damit die Eucharistie einsetzte. Brot und Wein werden dabei zu Leib und Blut Jesu Christi gewandelt. „Es ist schon etwas Besonderes, die Kommunion im normalen Gottesdienst auszuteilen. Auf dem Marienplatz mit Tausenden von Menschen ist das natürlich nochmal eine ganz eigene Atmosphäre und eine besondere Ehre für mich“, erklärt Attenberger.

Wenn die Prozession zum Marienplatz zurückgekehrt, der eucharistische Segen zum Schluss erteilt ist und das letzte tausendstimmige Lied erklingt, wird noch einmal hörbar, was Fronleichnam bedeutet: Glaube als Gemeinschaftserfahrung. Damit diese Gemeinschaft entsteht, braucht es Menschen, die singen, tragen, begleiten, organisieren und mitgehen. Viele Ehrenamtliche in München und den Pfarreien tun das seit Jahren. Manche stehen im Mittelpunkt der Prozession, andere bleiben kaum sichtbar. Gemeinsam prägen sie das Bild dieses Festtags mitten in München.