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„Der Rufmord ist ein Skandal“: Wer Maria Magdalena wirklich war
Sie ist lange Zeit zur Sünderin abgestempelt gewesen – ein großes Unrecht. Im Erzbistum läuft aktuell die Initiative „Maria Magdalena. Oster...
Ganz in Rot gekleidet versammelten sich am Mittwoch (22. Juli) mehr als 400 engagierte Frauen aus dem ganzen Erzbistum zu einem Flashmob vor und einem Festgottesdienst mit Weihbischof Wolfgang Bischof in der St. Michaelskirche in München. Sie drückten damit ihre Verbundenheit mit Maria Magdalena, Zeugin der Auferstehung Jesu und Apostelin, aus. Dieses besondere Magdalenenfest bildete den Höhepunkt des Magdalenenjahres, einer Initiative von Frauenverbänden, Frauenkommission, Frauenforum und Frauenseelsorge in der Erzdiözese München und Freising aus Anlass des zehnten Jahrestages der Gleichstellung von Maria Magdalena mit den Aposteln durch Papst Franziskus.
Beim Festgottesdienst hielten Weihbischof Bischof und die Leiterin der Erzbischöflichen Frauenkommission, Theresia Reischl, eine Dialogpredigt. Maria Magdalena habe erfahren, dass die Begegnung mit Jesus aufrichte, neue Freiheit und neue Würde schenke. Sie begleitete Jesus und unterstützte die Gemeinschaft mit dem, was sie besaß. „In allen vier Evangelien ist sie Zeugin der Kreuzigung und bleibt bis zum Tod Jesu unter dem Kreuz,“ so Reischl. Sie wusste, wo das Grab liege und konnte dahin zurückkehren.
Weihbischof Bischof zufolge begegnete ihr der Auferstandene zuerst und persönlich. Sie sei aber nicht nur die Erste, die den Auferstandenen sieht, sie sei auch die Erste, die beauftragt werde, Ostern zu verkünden. Maria Magdalena sei über Jahrhunderte mit anderen Frauen der Evangelien vermischt und vor allem als große Sünderin dargestellt worden. Diese Verzerrung wirke bis heute nach. Maria Magdalena neu zu entdecken, bedeute deshalb, den Verkündigungsauftrag aller Getauften ernst zu nehmen, so der Weihbischof.
Die Initiative zum diesjährigen Magdalenenfest wurde von Irmgard Huber, Leiterin der Frauenseelsorge im Erzbistum, angestoßen. Sie findet: „Es wird Zeit, dass Maria Magdalena ins rechte Licht gerückt wird, wenn doch Jesus selbst damals eine eigenständige Frau an den Anfang der nachösterlichen Glaubensgemeinschaft stellte. Die ganzen Diskussionen hinsichtlich der Frage nach kirchlichen Ämtern für Frauen wären überflüssig, würde man die herausragende Rolle von Maria Magdalena endlich anerkennen."
Die Maria-Magdalena-Initiative im Erzbistum sei deshalb auch weit mehr als eine Bildungsoffensive, um Wissenslücken zu schließen. „Sie ist ein Baustein hin zu einer geschwisterlichen Kirche“, zeigt sich Irmgard Huber überzeugt.
Das Fest am 22. Juli, dem Namenstag der Maria Magdalena, war auf jeden Fall der Höhepunkt zahlreicher Veranstaltungen im ganzen Erzbistum. Den Gottesdienst, der vor allem von Frauen gestaltet wurde, lockerte ein meditativer Tanz rund um die drei göttlichen Tugenden „Glaube“, „Hoffnung“ und „Liebe“ auf. Im Anschluss trafen sich die Frauen zu einem Tagesausklang mit Begegnung, Gesprächen, Imbiss und Musik im Innenhof von St. Michael. (ua)