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Vorausschauend handeln, Schwerpunkte setzen, präsent bleiben: Finanzdirektor Reif (l.), Amtschefin Herrmann und Generalvikar Klingan blicken optimistisch in die Zukunft.
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Haushalt der Erzdiözese: „Wir werden weiter wirksam als Kirche präsent sein“

„Obwohl die Ressourcen knapper werden, ist mir nicht bange um die Zukunft“: Generalvikar Klingan zeigt sich bei der Vorstellung von Jahresabschluss und Haushalt zuversichtlich für die Zukunft des Erzbistums.

Eine lebendige Kirche vor Ort, unverzichtbare Angebote wie die TelefonSeelsorge, christliche Bildungsangebote an so herausragenden Standorten wie dem Campus St. Traunstein und der kürzlich renovierten und erweiterten Erzbischöflichen Ursulinen-Realschule in Landshut: Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen will die Erzdiözese mit ihrem kirchlichen Handeln in der Gesellschaft weiter präsent und wirksam bleiben. 

„Obwohl die Ressourcen knapper werden, ist mir nicht bange um die Zukunft: So wir uns den aktuellen Herausforderungen stellen und vorausschauend handeln, werden wir im Erzbistum München und Freising weiter wirksam als Kirche präsent und für die Menschen da sein. Das ist unser Anspruch und den wollen wir bei allen Veränderungen, die anstehen, auch erfüllen", so Generalvikar Christoph Klingan am Donnerstag, 23. Juli, bei der jährlichen Finanzpressekonferenz in München. Dort wurden Jahresabschluss und Lagebericht 2025, der Haushalt 2026 sowie Jahresabschlüsse, Lageberichte und Haushalte wichtiger Rechtsträger im Erzbistum vorgelegt. Die Rechnungslegung erfolgte, wie stets seit dem Jahr 2015, gemäß den Vorgaben des Handelsgesetzbuches (HGB).

Profil schärfen, Schwerpunkte setzen 

Die rückläufige Entwicklung der Mitgliedszahlen und die aktuellen wirtschaftlichen Krisen führten „bestenfalls zu einer Stagnation, auf lange Sicht wohl zu einem Rückgang der Kirchensteuer, der Basis der Einkünfte der Erzdiözese“, erklärte Klingan. Daneben „steigen die Ausgaben durch Inflation und allgemeine Kostensteigerungen beim Bauen und dem Unterhalt für unsere Gebäude, den Gehältern oder der Altersvorsorge“. Mit Blick auf die sich verändernden Rahmenbedingungen sei klar, dass „wir nicht mehr einfach alles weiterführen können wie bisher, Konzentration und Schwerpunktsetzungen sind angezeigt“, so der Generalvikar. Es gelte, „unser Profil zu schärfen und neu deutlich zu machen, wofür wir als Kirche stehen“. Dennoch verfolge die Erzdiözese weiterhin den „Anspruch, in der Gesellschaft mit unserem kirchlichen Handeln präsent und wirksam zu bleiben – zuvorderst dort, wo Menschen Gott suchen oder Hilfe brauchen“.

Ausgewählte Kennzahlen auf einen Blick

  • Die Bilanzsumme der Erzdiözese beträgt rund 4,1 Milliarden Euro (plus 74 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr). 
  • Das in der Bilanz abgebildete Vermögen umfasst im Wesentlichen Sach- und Finanzanlagen. 
  • Die Sachanlagen machen rund 1,6 Milliarden Euro aus (plus 15 Millionen Euro), davon entfallen rund 1,4 Milliarden Euro auf bebaute und unbebaute Grundstücke. 
  • Die Finanzanlagen erhöhten sich durch Umschichtungen aus dem Umlaufvermögen um rund 200 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden Euro. 
  • Die gesamten Erträge der Erzdiözese belaufen sich auf auf rund 920 Millionen Euro (Vorjahr: 921 Millionen Euro). 
  • Das Jahresergebnis der Erzdiözese beträgt rund 74 Millionen Euro (Vorjahr: 146 Millionen Euro). Dabei spielen wieder Einmaleffekte eine Rolle. 
  • Nach Rücklagenveränderungen ist das Bilanzergebnis wie im Vorjahr ausgeglichen.
  • Die Erzdiözese plant für das Jahr 2026 mit Erträgen in Höhe von 868 Millionen Euro.
  • Dem stehen geplante Aufwendungen in Höhe von 927 Millionen Euro gegenüber.  

Zu den großen Kostenpunkten gehört laut Klingan vor allem der Gebäudeunterhalt in den Pfarreien: „Rund 3.600 pastoral genutzte Gebäude, Kirchen, Pfarrhäuser, Pfarrheime, befinden sich im Besitz der Kirchenstiftungen, rund 50 Millionen Euro fließen jährlich von der Erzdiözese für Instandhaltung und Bau pastoraler Gebäude als Zuschuss an die Kirchen- und Pfründestiftungen.“ Um die Immobilienlast vor Ort gezielt zu reduzieren, setze die Erzdiözese aktuell das Projekt „Immobilien und Pastoral“ als Teil ihres Gesamtstrategieprozesses um. 

Nach zwei Piloten in den früheren Dekanaten Berchtesgaden und Forstenried werde das Projekt nun Dekanat für Dekanat unter Beteiligung der Verantwortlichen und Engagierten vor Ort ausgerollt. „Bis zum Jahr 2031 sollen alle 18 Dekanate mit Hilfe des Ordinariats ein auf die pastoralen Erfordernisse vor Ort abgestimmtes Gebäudeportfolio entwickelt haben. Ein Portfolio, das langfristig und nachhaltig durch Eigenmittel und den Zuschuss der Erzdiözese finanziert werden kann“, sagte der Generalvikar.

Lebendige Kirche vor Ort

Bei Maßnahmen wie diesen gehe es um „Veränderung, ja auch Reduzierung an mancher Stelle, aber nicht um Rückzug“, stellte Klingan zugleich klar. Die Erzdiözese fördere weiterhin gezielt eine lebendige Kirche vor Ort, und dazu brauche es „auch Strukturen und vor allem Menschen, die Mitverantwortung übernehmen“. Dazu zählen laut dem Generalvikar die vielen Ehrenamtlichen in den Räten und Gremien, die 2024 neu gewählten Mitglieder der Kirchenverwaltungen ebenso wie die in diesem Frühjahr neu gewählten Pfarrgemeinderäte. Generalvikar Klingan verwies auf die gegenüber der vorigen Wahl 2022 um rund sechs Prozentpunkte auf 18 Prozent gesteigerte Wahlbeteiligung; dazu habe „sicher beigetragen, dass in der überwiegenden Mehrzahl der Pfarreien eine Onlinewahl angeboten wurde“. 

Rund 202.000 wahlberechtigte Katholikinnen und Katholiken haben rund 5.000 Pfarrgemeinderäte aus knapp 6.000 Kandidatinnen und Kandidaten gewählt, 141.000 nutzten die digitale Wahlmöglichkeit. „Besonders freut es mich, dass in unseren Pfarrgemeinderäten alle Generationen vertreten sind. Ein Drittel der Mitglieder ist jetzt neu im Pfarrgemeinderat. Insbesondere für die Neugewählten, aber auch für alle anderen Interessierten hat es erst vor knapp zwei Wochen eine große Einführungsveranstaltung in München gegeben“, berichtete Klingan.

Daher stammen die Erträge

  • Hauptquelle der Erträge in Höhe von rund rund 920 Millionen Euro ist die Kirchensteuer mit rund 630 Millionen Euro (Vorjahr: 645 Millionen Euro). 
  • Weitere 148 Millionen Euro (Vorjahr: 140 Millionen Euro) flossen dem Erzbistum als öffentliche Zuschüsse zu. 
  • Davon sind entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip 98 Millionen Euro staatliche Zuschüsse für den Betrieb von Schulen. 
  • Zwölf Millionen Euro gab es an Zuschüssen für den Religionsunterricht an staatlichen Schulen. 
  • Städte und Gemeinde steuerten 19 Millionen Euro im Wesentlichen für den Betrieb der diözesanen Kindertagesstätten bei. 
  • Aus den gesamten Erträgen wurden Aufwendungen in Höhe von 897 Millionen Euro finanziert (Vorjahr: 836 Millionen Euro). 

Im Zusammenhang des ehrenamtlichen Engagements, das im Raum der Kirche vielfach gefördert und unterstützt werde, verwies der Generalvikar auf das fast vollständig aus Kirchensteuermitteln finanzierte Angebot der TelefonSeelsorge in der Erzdiözese, das im Rahmen der Finanzpressekonferenz durch den Leiter der TelefonSeelsorge und eine ehrenamtlich Mitarbeitende vorgestellt wurde.

Christoph Klingan mit Brille, schwarzem Sakko und weißem Hemd mit Kollar in hellem Innenraum.
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„Die TelefonSeelsorge schließt eine Lücke.“

Generalvikar Christoph Klingan

„Seit 1962 ist die TelefonSeelsorge in der Erzdiözese rund um die Uhr erreichbar und schließt damit auch eine Lücke, wenn andere Beratungsangebote geschlossen sind, etwa in der jetzt wieder bevorstehenden Ferienzeit“, sagte Klingan. Mit rund 35.000 Anrufen von Rat- und Hilfesuchenden pro Jahr und etwa 4.000 Mail- und Chat-Kontakten sei die Nachfrage sehr hoch. „Die professionelle Begleitung für die Ehrenamtlichen durch Mitarbeitende der Erzdiözese ist uns sehr wichtig und wird geschätzt. Das zeigt auch eine maßgeblich von der Erzdiözese finanzierte Studie zur TelefonSeelsorge aus dem Jahr 2025“, führte der Generalvikar aus. Die TelefonSeelsorge sei demnach auch für die Zukunft ein wichtiges kirchliches Angebot.

Abschließend hob Klingan die anhaltende Bedeutung von Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch für die Erzdiözese hervor: Neben flächendeckend vorliegenden aktuellen Schutzkonzepten in den Pfarreien, habe die Stabsstelle Prävention eine digitale Plattform etabliert, auf die alle Pfarreien ihre Schutzkonzepte hochladen könnten und die die fachliche Prüfung sowie Fortschreibung der Schutzkonzepte in einem dynamischen Prozess ermögliche. „Ich halte das für einen weiteren, ganz wesentlichen Schritt in unserem dauerhaften Bemühen, dass Kinder und Jugendliche in der Kirche bei uns im Erzbistum einen sicheren Ort haben und wir Missbrauch jeglicher Art bestmöglich verhindern“, so der Generalvikar.

Porträtfoto von Stephanie Herrmann
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„Die Zukunft der Kirche liegt in den Menschen. “

Amtschefin Stephanie Herrmann

In ihren Ausführungen bei der Finanzpressekonferenz unterstrich Stephanie Herrmann, Amtschefin des Erzbischöflichen Ordinariats, nochmals die Bedeutung des Engagements der vielen Ehren- und Hauptamtlichen: „Die Zukunft der Kirche liegt in den Menschen, die sich vor Ort, in den Pfarreien, den zahlreichen katholischen Einrichtungen und Verbänden engagieren, ob hauptamtlich oder ehrenamtlich. Sie engagieren sich nicht selten zum Wohl der gesamten Gesellschaft. Dass die Kirche durch Menschen lebendig wird, wird auch im Haushalt der Erzdiözese deutlich, in dem die Personalkosten den größten Posten auf der Ausgabenseite bilden, wie auch an den entsprechenden Zuschüssen.“

Erfreut zeigte sich Herrmann, dass es auch viele junge Menschen sind, die sich schon früh für ein Engagement in der Kirche begeisterten: „Eindrucksvoll vorgeführt wurde uns das im Sommer des vergangenen Jahres, als sich in München rund 4.500 Kinder und Jugendliche aus Europa, Afrika sowie Nord- und Südamerika zum 45. Internationalen Chorfestival des katholischen Kinder- und Jugendchorverbands Pueri Cantores versammelten.“ Unterstützt von der Erzdiözese und rund 550 freiwilligen Helferinnen und Helfer feierten sie „ein großes Fest der Völkerverständigung und kirchlichen Gemeinschaft“. Bezugnehmend auf die jüngste Erhebung von Herbst 2025 verwies die Amtschefin auch auf die Zahl von rund 17.000 Ministrantinnen und Ministranten im Erzbistum, die „die Gottesdienste und das Leben in ihrer Pfarrei aktiv mitgestalten“.

Starke Nachfrage nach Bildungsangeboten

Ein wichtiges Handlungsfeld der Kirche, „in das die Erzdiözese nicht geringe Ressourcen investiert und das am Ende für die gesamte Gesellschaft von großer Bedeutung ist“, sei die Bildung, sagte Amtschefin Herrmann. In diesem Bereich erfreuten sich die Angebote der Erzdiözese einer starken Nachfrage: „11.236 Jungen und Mädchen besuchen derzeit eine der 25 Schulen in Trägerschaft der Erzdiözese, für das Schuljahr 2025/26 sind die Anmeldungen im Schnitt um zehn Prozent gestiegen, teilweise mussten Wartelisten eingerichtet werden.“ Die Erzbischöflichen Schulen macht laut Herrmann „eine besondere Atmosphäre“ aus, „geprägt durch gemeinsame, christlich fundierte Werte wie Respekt und Gemeinsinn, ein klares Profil, die Förderung von sozialem Engagement sowie ein ganzheitliches Bildungsverständnis“. Und nicht zuletzt verfügten diese Schulen „über moderne, an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler ausgerichtete Räumlichkeiten“. Herrmann erwähnte die erst kürzlich weitgehend renovierte und wesentlich erweiterte Erzbischöfliche Ursulinen-Realschule in Landshut. Hier investierte die Erzdiözese rund 50 Millionen Euro, in einem folgenden, im Umfang geringeren zweiten Bauabschnitt kommen nochmals Kosten in Höhe von rund 12 Millionen Euro hinzu.

Beispielhaft zeigt nach Ansicht von Herrmann auch der im vergangenen Jahr eingeweihte neue Campus St. Michael in Traunstein, wofür christliche Bildung in der Erzdiözese stehe: „Neben dem Wissen geht es vor allem um eine ganzheitliche Persönlichkeitsbildung, soziale Kompetenz, eine christlich fundierte Wertevermittlung, in besonderer Weise auch um Schöpfungsverantwortung als Grundhaltung für einen bewussten, ressourcenschonenden und nachhaltigen Umgang mit der Umwelt“. St. Michael sei ein „Ort, an dem aufscheint und erlebbar wird, wie ein christliches Ethos zum Gelingen einer Gemeinschaft aller Menschen beiträgt. Am Ende geht es auch hier um die Zukunft, nicht nur der Kirche, sondern der ganzen Gesellschaft, die auf dem Campus vielfältig präsent ist, mit zahlreichen Netzwerkpartnern aus dem kirchlichen wie nicht-kirchlichen Bereich“, sagte die Amtschefin. Vorgestellt wurde das Campus-Konzept im Anschluss durch den Direktor der Stiftung Studienseminar St. Michael Traunstein sowie einen Seminaristen.

Herrmann versicherte abschließend: „So werden wir unsere Ressourcen weiterhin in Bereiche, Projekte und Angebote der Kirche investieren, die gewissermaßen systemrelevant, für die gesamte Gesellschaft bedeutsam sind und ihr dienen.“ (ck/uq)