Kampenwand: Ein Kreuz leuchtet für Mut, Zuversicht und Orientierung

Seit 75 Jahren steht das Kreuz auf der Kampenwand im Chiemgau und leuchtet manchmal sogar nachts. Für Kardinal Reinhard Marx ist es nicht nur ein Zeichen, das Orientierung gibt, sondern auch ein Mahnmal gegen den Krieg, wurde es doch aus dem Stahl alten Kriegsgeräts gefertigt.

Die Kampenwand ist ein Sehnsuchtsort für Kletterer und ein Wahrzeichen des Chiemgaus. Die markanten Felszacken oberhalb des Chiemsees sind weithin sichtbar. Zum 75. Jahrestag seiner Weihe ist das auf dem Ostgipfel aufgestellte Chiemgaukreuz aufwendig restauriert worden. Das zwölf Meter hohe Mahnmal auf dem 1.664 Meter hohen Ostgipfel der Kampenwand ist das höchste Bergkreuz der bayerischen Alpen. Gefertigt aus dem Stahl von altem Kriegsgerät, soll es an die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege im Chiemgau erinnern.

Bei strahlendem Sonnenschein feierte am Sonntag (30.08.) Kardinal Reinhard Marx in farbenprächtiger Kulisse den Gedenkgottesdienst zum Jubiläum vor der Gedächtniskapelle „Maria, Königin des Friedens“ nahe der Steinlingalm. Sie wiederum feiert in diesem Jahr ihr 50. Weihejubiläum. Hunderte von Menschen versammelten sich, um gemeinsam zu beten, zu singen und der Toten zu gedenken – darunter Ortsvereine und Fahnenabordnungen in Tracht, Gebirgsschützen und Soldaten der Bundeswehr, Gläubige und Mitglieder der Musikkapelle Aschau im Chiemgau.

„Der Krieg verwirrt über Generationen hinweg die Seelen der Menschen.“

Kardinal Reinhard Marx

Der Kardinal erinnerte an die Worte seines Vaters, der ihm nach vier Jahren in russischer Kriegsgefangenschaft gesagt habe: „Der Krieg ist grausam, die Folge ist, dass er die Herzen in den Menschen verwirrt und dass es über Generationen hinweg verwirrte Seelen gibt.“

Das Kreuz als Zeichen des Muts, der Hoffnung und der Orientierung

Deshalb, so Kardinal Reinhard Marx, gelte es aus den Friedensaktivitäten der Nachkriegsgeneration im Zeichen des Kreuzes und im Einsatz für Gerechtigkeit und die Menschenrechte zu lernen. Der Kardinal verwies auf das Buch „Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945“ von Götz Aly und erklärte, dass nicht zuletzt Gleichgültigkeit das Terror-Regime der Nazis und den Krieg ermöglicht habe. In Anspielung auf eine Publikation des britischen Historikers Christopher Clark warnte er vor „Schlafwandlern an der Spitze unserer Staaten“ und rief zur Wachsamkeit und „Verantwortung auf allen Ebenen“ auf, „um nicht in einen Krieg hineinzustolpern“.

Gerade im Kreuz sieht Marx dagegen „ein verbindendes Zeichen des Muts, der Hoffnung und der Orientierung“, das Menschen offenen Herzens weltweit verbinde und gegenüber einseitigem Nationalismus und Egoismus zum Handeln aufrufe. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Verbindung und Erinnerungsarbeit gegen Kriegstreiberei sah Marx im Chiemgaukreuz, das in besonderen Nächten sogar nachts leuchte und damit Orientierung gebe.

Nach dessen Errichtung unter großen Mühen vor 75 Jahren auf eine Idee des Höslwangers Franz Schaffner hin engagiert sich inzwischen die dritte Generation zusammen mit vielen Helfern für den Erhalt und Pflege des Kreuzes. Für den Erzbischof sind dieses Engagement und der Kreuz selbst „ein Sinnbild dafür, dass wir alle etwas tun können“. (Axel Effner)