Messdiener ziehen mit Wappen dem Fronleichnamszug in München vor der Feldherrenhalle voran.
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Der Prozessionsweg führte an Residenz und Feldherrenhalle vorbei.
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„Wir sind eine Gemeinschaft, die zusammengehört“

Beeindruckende Bilder, beeindruckende Worte: 10.000 Menschen auf den Plätzen und Straßen haben an Fronleichnam in München am Festgottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx auf dem Marienplatz und der Prozession durch die Innenstadt teilgenommen. "Wir sind eine Gemeinschaft, die zusammengehört – hier in dieser Stadt, in unserem Land, weltweit!“, betonte der Erzbischof in seiner Predigt.

Am Donnerstagmorgen (4. Juni) hat sich in München einmal mehr gezeigt, dass das Fronleichnamsfest mit dem Gottesdienst auf dem Marienplatz und der anschließenden Prozession, die vom Marienplatz über die Residenzstraße zur Ludwigskirche und über die Ludwig- und Theatinerstraße zurück zum Marienplatz führte, nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat.

Mit ermöglicht von rund 400 Ehrenamtlichen, die Kruzifix, Fahnen und Himmel trugen, brachte das Fest rund 10.000 Menschen dazu, den Gottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx mitzufeiern, bei der Prozession mitzugehen oder auch nur vom Straßenrand anzuschauen.

So beeindruckend die Bilder, so eindrücklich die Worte. Der Kardinal wählte die Enzyklika „Magnifica Humanitas“ von Papst Leo XIV., die Mitte Mai veröffentlicht worden ist und das Thema Künstliche Intelligenz behandelt, als Schwerpunkt seiner Predigt und setzte diese in Verbindung mit Fragen zu offener Gesellschaft, demokratischen Werten und Meinungsfreiheit.

"Die Technik, die uns geschenkt wird, ist immer eine Möglichkeit. Das bedeutet aber: Wir Menschen müssen entscheiden! Das geht nur in einer offenen, freien Gesellschaft, in die alle ihre Meinung einbringen. In der nicht nur einige wenige ihren Profitinteressen folgen oder ihren Menschheitsfantasien, sondern in der wir in einer demokratischen und offenen Weise miteinander Regeln finden, wie dieses Instrument auch den Menschen dienen kann", führte der Erzbischof aus. "Wir sind eine Gemeinschaft, die zusammengehört – hier in dieser Stadt, in unserem Land, weltweit! Der Mensch ist nicht nur eine Datenbasis, die optimiert wird. Der Mensch ist etwas anderes. Künstliche Intelligenz kann in einzelnen Bereichen intelligenter sein als wir. Aber sie ist kein Mensch! Sie kann von sich aus nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden. Das wird von außen in sie hineingegeben. Der Papst ist da sehr deutlich!“

Für diesen sei der rote Faden der Katholischen Soziallehre, so Marx, wie die technologischen Entdeckungen den Menschen dienen können. Es gehe nicht darum, „einfach nur mehr zu besitzen, mehr zu verbrauchen, mehr zu polarisieren, und am Ende setzt sich der Stärkere durch. Das ist nicht das Ziel unserer Gesellschaft!“ 

Eine offene Gesellschaft könne nicht nur eine Meinung haben, nicht nur eine Weltanschauung. "Sonst fallen wir zurück in die Diktatur und in eine Gesellschaft, in der einige wenige bestimmen, was wir tun sollen. Das können wir, auch vom christlichen Glauben her, nicht wollen.“ Die Freiheit des Einzelnen sei das große Geschenk Gottes an die Menschen, erklärte der Kardinal. Deswegen sei es wichtig, das in diesem Augenblick, jetzt und hier, wahrzunehmen und sich daran zu erinnern: „Woher kommen wir? Aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts, in die wir nicht zurückfallen wollen.“ 

Die Erinnerung werde in allen totalitären und populistischen Regimen weltweit verfälscht, die Geschichte verdreht. Es gebe aber nicht nur die eine Wahrheit der Geschichte: „Diese entsteht immer dann, wenn wir miteinander reden und unsere Erfahrung austauschen, aber nicht, wenn einer nur seine Meinung durchsetzt. Das ist kein Weg in das verheißene Land."