Europa: „Das unglaublichste Projekt der Weltgeschichte“

Kardinal Reinhard Marx würdigt Stiftung Kreisau bei Verleihung des Freisinger Dialogpreises

Freising, 16. September 2026. Kardinal Reinhard Marx hat zu verstärktem Engagement für Europa aufgerufen. „Wir müssen sehr daran arbeiten, dass es weiter funktioniert“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Mittwochabend, 16. September, bei der erstmaligen Verleihung des Freisinger Dialogpreises. „Wir brauchen die Kräfte, die Menschen übernational zusammenbringen, die wissen, es gibt keine Nation, die über der anderen steht, keine Menschen erster und zweiter Klasse.“ Solch eine Kraft sei die Preisträgerin, die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, sagte Kardinal Marx in seiner Laudatio zur Verleihung: „Eine große Begegnungsstätte, besonders für junge Menschen, eine Stiftung, die Versöhnungsarbeit, Dialogarbeit macht, die Menschen auf Augenhöhe zusammenbringt. Wie nötig ist das gerade heute!“

 

Begegnung und Dialog seien „für die Zukunft nicht nur Europas, sondern für die Zukunft der Demokratie entscheidend“, betonte der Erzbischof: „Deswegen ist diese Stiftung so paradigmatisch.“ Es könne keine Demokratie geben ohne „das, was wir eine Zivilgesellschaft nennen: Das ist das Unterfutter, dass es engagierte Menschen gibt, die sich begegnen, die feiern, die sich verständigen, die einen Dialog führen.“ Das könne nicht alles der Staat machen, „sondern da ist die Zivilgesellschaft gefordert“, da sei auch Kirche gefordert, „auf der Seite der verantwortlichen Freiheit zu stehen“.

 

Noch vor einigen Jahrzehnten habe sich in Europa niemand vorstellen können, „dass wir einmal auf diesen Weg kommen könnten, einen Weg der Versöhnung, des Miteinanders“, sagte Kardinal Marx. Er wünsche sich, dass die Menschen „sehen, welch ein Schatz das ist, welch ein unglaubliches Ereignis. Dass freie Völker sich zusammentun und befreite auf Augenhöhe dazukommen! Das vereinte Europa ist das unglaublichste Projekt der Weltgeschichte.“

 

Die 1990 gegründete Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung mit Sitz im polnischen Kreisau engagiert sich für internationale Begegnung, demokratische Bildung und grenzüberschreitenden Austausch. So ermöglicht sie unter anderem internationale Jugendbegegnungen und Austauschformate zwischen Menschen aus Ost- und Westeuropa und setzt sich für die deutsch-polnische Versöhnung ein. Rund 16.000 junge Menschen nehmen jährlich an den Projekten der Stiftung teil.

 

Der Freisinger Dialogpreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Mit der erstmals vergebenen Auszeichnung würdigen das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis, die Stadt Freising und das Erzbistum München und Freising das herausragende Engagement der Stiftung für Verständigung, Versöhnung und demokratische Bildung in Europa. Der Preis wird verliehen an Personen, Institutionen und Initiativen, die sich in Mittel-, Ost- und Südosteuropa oder in Verbindung mit diesen Regionen für Verständigung, Zusammenarbeit und Versöhnung einsetzen. Er soll Projekte sichtbar machen, die Vorurteile abbauen, Begegnungen ermöglichen und zu einem friedlichen Miteinander in Europa beitragen sowie und Menschen ermutigen, sich über nationale, kulturelle und religiöse Grenzen hinweg für das Gemeinwohl zu engagieren. (bs)

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