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Sterne faszinieren die Menschen und begleiten ihre Geschicke seit jeher. Ein besonderes Himmelsspektakel bereiten im August die Laurentiustränen.

Sternschnuppenzeit: Warum die Perseiden auch „Laurentiustränen“ heißen

Kaum eine Zeit im Jahr lädt so sehr zum Sterneschauen ein wie die Nächte der Perseiden im August. Der Sternschnuppenregen fasziniert die Menschen und ist ein wunderschöner Anlass, um den Blick zum Himmel zu richten. Doch wie kommt es, dass die Perseiden im Volksmund mit dem Heiligen Laurentius in Verbindung gebracht werden?

Was haben etwa Jesus von Nazareth, der erste römische Kaiser Augustus und Dschinghis Khan gemeinsam? Zum Zeitpunkt ihrer Geburten ereigneten sich sagenumwobene Himmelsereignisse.

Seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte leuchten die Sterne über uns und begleiten die Schicksale in ihren unterschiedlichen Konstellationen. Bei Augustus erschien kurz vor der Geburt ein Sonnenring (ein Halo-Phänomen) über Rom. Dies wurde als Zeichen weltweiter Herrschaft gedeutet. Bei Khan war es eine seltene Planetenkonstellation am Nachthimmel. Dabei stand der rote Planet Mars (symbolisch für Krieg) besonders dominant.

Und bei Jesus – das kennen wir alle – war es ein Stern mit einem Kometenschweif. Dieser Stern ziert viele Krippen. Sterne haben in der Regel keine Schweife. Es soll jedoch einen sehr hellen Stern am Himmel gegeben haben, der die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe geführt hat.

Machen Sie den Selbstversuch: Suchen Sie sich einen hellen Stern am derzeitigen Himmel aus – Jupiter oder Venus wären beispielsweise gute Kandidaten – und folgen Sie diesem einen Punkt am Himmel. Dann schauen Sie mal, wohin Sie kommen. Meine Prophezeiung: Ihr Schrittzähler wird es Ihnen danken. Denn es gibt keinen Endpunkt.

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Heiliger Laurentius in einem Stundenbuch (um 1466–1470), zugeschrieben dem Meister des Jacques von Luxemburg. Die Miniatur zeigt ihn mit traditionellen Attributen, dem Evangelium und einem Rost links, Symbol seines Martyriums.

Heiliger Laurentius verlor seinen Humor nicht

Der Himmel galt den Menschen früher als Spiegel der Ereignisse auf der Erde. Und so kann man noch von weiteren Kandidaten erzählen – Menschenschicksalen, die bis heute mit den Sternen in Verbindung gebracht werden.

Am 10. August feiern wir den Gedenktag des Heiligen Laurentius. Was ebenfalls ein paar Tage später stattfindet, ist der sogenannte „Perseidenschauer“. Dabei handelt es sich um ein Himmelsphänomen, das über mehrere Tage hinweg für einen Reigen an sternschnuppenähnlichem Leuchten am Himmel sorgt. Im Jahr 2026 findet das Himmelsspektakel der Perseiden seinen Höhepunkt um den 12. und 13. August. Aufgrund der Nähe zum Gedenktag des Hl. Laurentius werden diese auch „Tränen des Laurentius” genannt. Wieso Tränen?

Über das Leben des Hl. Laurentius gibt es nur wenige Quellen aus dem 5. bis 7. Jahrhundert. Er lebte im 3. Jahrhundert und starb tragischerweise als Märtyrer, da das Christentum damals noch nicht als Religion geduldet wurde, geschweige denn als Staatsreligion. 20 Jahre später hätte das Schicksal des Hl. Laurentius ein anderes sein können.

Der Legende zufolge wurde er vom damaligen römischen Kaiser Valerian aufgefordert, ihm die Schätze der Kirche auszuhändigen. Was machte Laurentius? Er verteilte den gesamten Kirchenbesitz blitzschnell an die Armen, Kranken und Bedürftigen der Stadt, anstatt das Gold zu übergeben. Am dritten Tag marschierte er mit einer riesigen Schar von Bettlern, Lahmen, Blinden und Waisen zum Herrscher und präsentierte sie ihm mit den Worten: „Hier sind die wahren Schätze der Kirche! Sie ist reicher als der Kaiser!”

Der wütende Herrscher ließ Laurentius foltern und schließlich auf besonders grausame Weise hinrichten. Er sollte auf einem glühenden Eisenrost über den Flammen langsam zu Tode geröstet werden. Die bekannteste Legende besagt, dass Laurentius selbst unter diesen extremen Qualen seinen Humor und seinen festen Glauben nicht verlor. Daher wird er auch heute noch unter anderem als Patron der Humoristen verehrt. Nach einer Weile auf dem Feuer soll er seinen Peinigern, also dem Henker und dem kaiserlichen Richter, fröhlich zugerufen haben: „Auf dieser Seite bin ich nun gar, dreht mich um und esst!“ Angeblich bekehrte sich der Henker aufgrund dieser Erfahrung anschließend zum Christentum.

In Erinnerung an die Qualen und an die sicherlich vergossenen Tränen und Blutstropfen bekam der Perseidenschauer kurz nach seinem Gedenktag im Volksmund eben diesen Namen: Laurentiustränen.

Was sind Perseiden? Ein kurzer Blick durch die Brille der Wissenschaft

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Was passiert eigentlich am Himmel, wenn man durch die wissenschaftliche Brille blickt?

Löst man die Phänomene von den Legenden, bleibt manchmal nicht viel übrig. Im Falle der „Tränen des Heiligen Laurentius” ist es grob gesagt einfach eine Staubspur, die ein Komet auf seinem Flug durch unser Sonnensystem hinterlassen hat. Im August fliegt die Erde durch diese Partikel aus kleinen Gesteinen und Staub. Diese treffen mit extrem hoher Geschwindigkeit auf unsere Atmosphäre.

Die meisten verglühen dabei nicht, wie oft fälschlicherweise beschrieben wird, sondern das Leuchten hat einen etwas komplexeren Hintergrund. Durch die Geschwindigkeit verdichtet sich die Luft vor den Teilchen sehr stark. Sie nimmt dadurch Energie auf und die Atome geben Elektronen ab. Später werden diese Elektronen wieder „eingefangen“, Energie wieder abgegeben und Lichtpartikel werden emittiert. Das ist die unromantische Physik hinter den romantischen Schauern – wobei sie uns nicht daran hindern muss, uns etwas zu wünschen, wenn wir das Glück haben, eine Sternschnuppe zu sehen.

Was uns der Himmel bedeutet, wenn wir glauben

Ganz nebenbei bemerkt betrifft es auch das, was uns die Astrologie verkünden mag – nicht zu verwechseln mit der Astronomie. Astronomie ist die Wissenschaft der Himmelsgesetze, Astrologie hingegen ist eine willkürliche Deutung von Linien, die der Mensch zwischen Planeten und Gestirnen gezogen hat, und ihre Auswirkungen auf unser individuelles Leben.

Von einem anderen Planeten oder gar einem anderen Sonnensystem aus betrachtet, würden sich diese Linien ganz anders verhalten, und die Tierkreiszeichen, Aszendenten etc. wären so nicht mehr existent.

Der „Himmel” ist auch kein Ort, an dem sich Götter, Halbgötter, das Spaghettimonster oder auferstandene Seelen aufhalten. Dort oben ist es einfach sehr kalt und leer. Es können sich natürlich noch andere Erkenntnisse ergeben. Bis dahin bleibt jedoch das Zeugnis gültig, für das der Heilige Laurentius sein Leben geben musste: Wohin ist Jesus Christus auferstanden? In die Herzen der Seinen.

Zur Person

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Dr. Hannes Bräutigam hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München in Katholischer Theologie promoviert über den Zusammenhang von Christologie und extraterrestrischer Intelligenz. Im Landeskomitee der Katholiken in Bayern ist er als Referent und Redaktionsleiter auch für die Zeitschrift „Gemeinde creativ“ inhaltlich verantwortlich. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, darunter eine monatliche Kolumne „Welt&All“ für die „Freistunde“ des Straubinger Tagblatts.