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St. Peter

Petersplatz 1, 80331 München, Telefon: 089-21 02 37 76-0, E-Mail: St-Peter.Muenchen@ebmuc.de

Liebe Pfarrangehörige und Freunde der Stadtpfarrei St. Peter,


„Ostern 2020 steht ganz im Zeichen des Corona-Virus“, so hört man allenthalben, so scheint es, so erleben wir es ja miteinander in diesen Tagen manchmal sehr bedrückend und beängstigend.
 
Der „Machbarkeitswahn“, der den Menschen, die Gesellschaft und auch uns selbst seit vielen Jahrzehnten innerlich geprägt und der unser kollektives Bewusstsein und unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit auch verwandelt hat, kommt offensichtlich an seine Grenzen. Angesichts der weltweiten Krise, die wir derzeit erleben und erleiden und deren Verlauf und Ende wir noch gar nicht absehen können, löst sich das doch so überhebliche und anmaßende Empfinden des Menschen immer mehr auf, selbst über alles und jedes im Leben entscheiden zu können, selbst alles und jedes gestalten zu können, selbst alles in der Hand zu haben, was unser Leben ausmacht und darüber zu verfügen.
 
Natürlich ist es und war es für jeden, der an Gott glaubt, immer eine klare Erkenntnis, dass ein übersteigerter „Machbarkeitswahn“ in der Realität menschlichen Existierens auf Erden sozusagen „naturgemäß“, „gemäß der Schöpfungsordnung“, früher oder später an Grenzen stößt und sich ad absurdum führt. Dennoch waren und sind auch gläubige Menschen nicht unberührt geblieben vom zeitgenössischen Denken, alles und jedes in dieser Welt sei im Grunde genommen durch den Geist und die Fähigkeiten des Menschen, durch technischen Fortschritt und die Fortentwicklung der wissenschaftlichen Forschung irgendwie und irgendwann „beherrschbar“ und „gestaltbar“. Die existentielle Erlösungsbedürftigkeit des Menschen durch Gott hat auch für viele Gläubige in den vergangenen Jahrzehnten an Profil verloren und zu einem Rückgang von Glaubenspraxis und Gebet und zur Krise kirchlichen Lebens entscheidend beigetragen.
 
Und nun – wie in der Menschheitsgeschichte immer und immer wieder – die Erfahrung: „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.“ Genauso wie bei den Generationen, die vor uns gelebt haben, wird jede menschliche Hybris, jede menschliche Anmaßung in die Grenzen gewiesen durch die Erfahrung menschlicher Hilflosigkeit und Ohnmacht und das kollektive Erleben von Ausgeliefertsein und der Abhängigkeit von Faktoren, die wir selber weder durchblicken noch gestalten können.
 
Ja, wir Menschen verdanken uns mit allem, was wir sind und haben, einem Gott, der alles, was ist, erschaffen hat und alles am Leben hält. Wir sind Teil Seiner Schöpfung, ja Haupt der Schöpfung, aber nicht mehr und nichts anderes. Und die Schöpfung hat eine von Gott gegebene innere und äußere Ordnung, der wir unterworfen sind, ob wir dies einsehen wollen oder nicht, ob wir dies akzeptieren wollen oder nicht. Mögen wir uns noch so sehr dagegen auflehnen, die „Rahmenbedingungen“ sind in die Schöpfung eingeschrieben und die „Rahmenordnung“ ist uns vorgeben – durch den Schöpfer selbst.
 
Dieser Schöpfer, den wir Christen als allmächtigen Gott und Vater glauben und bekennen, liebt Seine Schöpfung und liebt Seine Geschöpfe. Er liebt uns so sehr, dass Sein Sohn, „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott“ in Seine Schöpfung herabsteigt, Mensch wird wie wir, unser Leben teilt, unser Schicksal auf sich nimmt, mit uns lebt, für uns leidet, unseren Tod stirbt – und so von innen her, aus dem Innersten unseres Daseins heraus, uns Menschen und die ganze Schöpfung wieder rückbindet an Ihn und uns endgültig in Sich beheimatet. Das bedeutet „Ostern“ und das bewirkt Tod und Auferstehung Jesu Christi ein für allemal. Und das ist seit Tod und Auferstehung des Herrn fest in die Schöpfung eingeschrieben und in uns durch die Taufe eingeprägt.
 
Damit steht auch Ostern 2020 nicht unter dem Zeichen eines Virus, sondern unter dem Zeichen des Gekreuzigten und Auferstandenen, unter dem Zeichen des Kreuzes, im Zeichen von Heil und Leben und Hoffnung, das uns von Gott geschenkt ist – in Seinem Sohn Jesus Christus.
 
Gesegnete Ostertage „im Zeichen des Erlösers und der Erlösung“ wünscht Ihnen im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtpfarrei St. Peter
 
Domkapitular Hans-Georg Platschek
Stadtpfarrer