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Kardinal Marx: AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt „nicht das letzte Wort“
Kardinal Marx sieht in dem Wahlsieg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt eine Zäsur, aber keinen Schlusspunkt. Er richtet den Bl...
Am Montag, 21. September, jährt sich die Bischofsweihe von Kardinal Reinhard Marx zum 30. Mal. Anders als vor fünf Jahren, als wegen der Beschränkungen während der Corona-Pandemie Festlichkeiten ausfallen mussten, feiert der Erzbischof von München und Freising heuer am Tag seines Jubiläums um 18 Uhr ein Pontifikalamt im Münchner Dom. Anschließend sind Gottesdienstbesucherinnen und -besucher zu einer Begegnung bei Bier und Brezen auf dem Domplatz eingeladen.
Schon am Freitag (18.9.) und Samstag (19.9.) fand dem Kardinal zu Ehren in der Katholischen Akademie in München eine Tagung mit dem Titel „Der synodale Bischof – Das Leitungsamt der Kirche unter dem Anspruch der Synodalität neu denken“ statt. „Ich bereue den Synodalen Weg nicht“, betonte der Erzbischof in seinem Impulsvortrag. Eine synodale Haltung bedeute, auch bei Spannung und Differenzen aufeinander mit dem Gedanken zuzugehen, an einer gemeinsamen Aufgabe und einem Ziel zu arbeiten: „Wir dürfen Synodalität nicht als Machtkampf sehen, sondern als Weg, besser Kirche zu sein.“
Bei der Suche nach Synodalität stelle sich der Kirche die zentrale Frage, wie sie „einen Weg in die Zukunft finden kann, bei dem alle im Boot bleiben.“ Aus seiner Sicht könne sie sich nur „vom Volk her weiterentwickeln“. Der Kardinal warnte demgegenüber vor „einem monolithischen Weg, bei dem die Kirche nur in sich selbst nach einer Lösung sucht und sich selbst den Weg weist, bei dem wir nur Enzykliken und Theologen zitieren.“ Es sei wichtig, dass sie auch „einen Roman liest, sich ansieht, was die Sozialwissenschaften sagen, die Politik und die Kultur, dass sie zuhört, diskutiert, Dialog führt“, wie sie das bereits im Laufe ihrer Geschichte oft getan habe.
Kardinal Marx schloss sich außerdem dem Gedanken an, den Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ formuliert habe, dass die Kirche „die Prinzipien der katholischen Soziallehre auf sich selbst anwenden“ solle. „Wir können Solidarität, Partizipation, Regeln des Miteinanders, Mitverantwortung auf die Kirche übertragen, wir müssen es sogar“, so der Erzbischof, und weiter: „Wir müssen dabei aber auch die ganze Tradition der Kirche mitnehmen; die Stimme derer, die in den letzten 2.000 Jahren dabei waren, muss auch hörbar bleiben.“
Dies sei seiner Ansicht nach der Weg, „eine Kirche zu sein, die glaubwürdig ist, die alle Ressourcen der Getauften und Gefirmten mobilisieren kann, weil alle den Eindruck haben: das ist unsere Sache. Das ist für mich die Synodalität der Zukunft.“ Synodalität bedeute nicht, dass „wir alle ständig über alles miteinander diskutieren, ohne Ergebnis und ohne Freude“. Genau diese sollte jedoch laut Marx bei der Synodalität dabei sein: „Da bin ich leidenschaftlich: Wie können wir einen Weg finden, dass Synodalität Freude macht?“
Bei der Abendveranstaltung widmete sich der Erzbischof in einem Impulsvortrag unter der Perspektive der „Innovation“ der „Synodalität als Programm für die Zukunft“. Zusammen mit Annette Schavan, frühere Bundesbildungsministerin und Botschafterin am Heiligen Stuhl, und Charlotte Kreuter-Kirchhof, Professorin der Rechtswissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied des Vatikanischen Wirtschaftsrats, diskutierte er anschließend unter anderem über Ideen und Konzepte zur Weiterentwicklung des Bischofsamtes.
Kardinal Reinhard Marx„Ich bin überhaupt nicht amtsmüde. “
Für seine persönliche Zukunft hat unser Erzbischof ganz konkrete Vorstellungen, wie er im Interview mit der Mediengruppe „Münchner Merkur/tz“ (Donnerstagausgabe) verrät. Das laut Kirchenrecht im Alter von 75 Jahren vorgesehene Rücktrittsgesuch werde er einreichen, sagt der Kardinal und schickt hinterher: „Bis dahin sind es aber noch zwei Jahre – und ich bin überhaupt nicht amtsmüde.“ Schließlich habe ihn der Papst – mit dem er sich gut verstehe – gerade für fünf weitere Jahre an die Spitze des Vatikanischen Wirtschaftsrates berufen. „Ich bin zwar jetzt ein älterer Herr und gehe gelegentlich am Stock. Aber mir geht es gut.“
Kürzlich beim Gottesdienst auf der Kampenwand habe ihn eine Frau aus Hamburg für seine Worte gelobt und gesagt, sie sei zwar aus der katholischen Kirche ausgetreten, überlege sich das nach diesem Ereignis aber wieder. „Das hat mich angerührt: Wenn das so ist, mache ich ein wenig weiter, solange Gott mir Kraft gibt. Aber das liegt natürlich in der Entscheidung des Papstes.“
Kardinal Reinhard Marx„Die Renaissance des Christentums wird kommen. “
Persönliche Wünsche hat der Erzbischof anlässlich seines Weihejubiläums keine. „Aber für die Kirche wünsche ich, dass sie sich stärker auf den Weg macht, mehr Freude und mehr Hoffnung bewirkt. Die Renaissance des Christentums wird kommen. Die Person Jesu und die Botschaft sind stark! Mein Wunsch ist, dass ich dazu weiter meinen Beitrag leisten kann in den nächsten Jahren. Die Menschen suchen Hoffnung, und die haben wir zu bezeugen.“
Schließlich riskiere eine Gesellschaft ohne christliches Fundament auch, dass das christliche Menschenbild verschwinde. „Respekt und Nächstenliebe bedeuten, dass ich Menschen, die krank, arm oder alt sind, nicht einfach an den Rand drängen kann nach dem Motto: Das ist jetzt nicht mein Problem. Oder dass ich Menschen nicht aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung ausschließe“, unterstreicht Marx. „Von links und rechts wird die These aufgestellt, unsere Demokratien hätten sich in der jetzigen Form erledigt, seien erschöpft. Manche glauben, wir bräuchten wieder mehr ideologische Ressourcen und landen dann in Verschwörungstheorien. Das führt in die Irre!“
Seiner oberbayerischen Heimat will Marx auch nach dem Ruhestand treu bleiben. „Ihr werdet mich nicht los“, bekennt er. „Ich würde schon gerne in München bleiben. Hier bin ich gerne zuhause.“ München sei der Ort, an dem er am längsten gelebt habe. „Wie schön sind die Berge und Seen in Oberbayern“, gerät der aus Geseke in Nordrhein-Westfalen stammende Theologe ins Schwärmen. „Ich sitze auch gerne in meiner Bücherhöhle, in meiner privaten Arbeitshöhle, da bin ich von Büchern umgeben und kann auch eine Zigarre rauchen. Meine Angehörigen und viele Freunde wohnen ja weit weg von hier. Aber ich bin hier jetzt stark verwurzelt und 'dahoam'. Mir als gebürtigem Westfalen ist Oberbayern wirklich zur Heimat geworden.“ (fho/ra/uq)