Lade Bild...
Synodalität leben: gemeinsame Beratung und Abstimmung wichtiger Themen
Im Synodalen Gremium werden auf diözesaner Ebene wichtige Themen diskutiert und verschiedene Perspektiven abgewogen. Ziel ist es, trotz vers...
Die Erzdiözese stellt sich großen Herausforderungen. Wie kann sie weiterhin für die Menschen da sein, mit weniger Geld und weniger Personal, in einer Gesellschaft, in der moderne Technik eine immer größere Rolle spielt, in der sich viele alte Gewohnheiten im Zusammenleben wandeln und Orientierung und Halt oft fehlen?
Kirche muss ihren Platz neu finden. Es ist für viele Menschen nicht mehr selbstverständlich, dass sie zu einer christlichen Kirche gehören. Gleichzeitig ist häufig weiterhin eine große Sehnsucht nach Spiritualität spürbar. Soziale Probleme in unserer Gesellschaft verschärfen sich, besonders Arme und Benachteiligte sind verstärkt auf Unterstützung angewiesen. Dabei werden die Einnahmen aus der Kirchensteuer und damit die finanziellen Mittel, die zur Verfügung stehen, in absehbarer Zeit stark zurückgehen. Es wird auch nicht mehr so viel kirchliches Personal geben wie noch vor einigen Jahren.
Kirche muss sich weiter verändern. Kirche – das ist keine anonyme Behörde, das ist nicht nur der Katechismus oder der Papst in Rom, sondern das sind vor allem konkrete Menschen: 1,4 Millionen Gläubige im Erzbistum München und Freising, davon viele Tausend Ehrenamtliche, mehr als tausend Seelsorgerinnen und Seelsorger, Hunderte Männer und Frauen, die im Ordinariat in München übergreifende Aufgaben wahrnehmen. Damit Kirche sich verändern kann, müssen sich diese Menschen auf den Weg machen. Die Leitung des Erzbistums kann Entwicklungen anstoßen, aber umgesetzt werden müssen sie vor Ort. Und dafür braucht es sehr viele Engagierte, die bereit sind, ganz neu zu denken.
Zwei Beispiele, wie Kirche mitten in der Gesellschaft präsent sein kann: In Traunstein entstand rund um das Studienseminar St. Michael ein ökologisch und sozial wegweisender Campus mit einem ganzheitlichen Bildungs- und Beratungsangebot. Am Münchner Ostfriedhof wurde 2024 ein trauerpastorales Zentrum eröffnet, das Menschen aller Religionen Raum für ihre Trauer bietet.
Einen Rahmen für dieses Umdenken hat die Erzdiözese seit 2020 mit ihrem Gesamtstrategieprozess gesetzt. Rund 90 haupt- und ehrenamtliche Expertinnen und Experten befassten sich zunächst in Arbeitsgruppen damit, welche Angebote die Erzdiözese zukünftig stärken, welche sie beibehalten soll und welche nicht mehr gebraucht werden. Leitgedanke war dabei stets: Wie können wir die finanziellen und personellen Ressourcen, die uns anvertraut sind, so einsetzen, dass sie möglichst wirksam sind – dass wir also möglichst viel Gutes für möglichst viele Menschen tun?
Dabei entstand ein Strategisches Zielbild, anhand dessen seither in verschiedenen Teilprojekten weitergearbeitet wird. Mit dem Teilprojekt „Wirkung und Haushalt“ wurde die Haushaltsplanung der Erzdiözese reformiert: Notwendige Einsparungen sollen jetzt anhand inhaltlicher Priorisierungen vorgenommen werden, statt die Ausgaben in allen Bereichen um denselben Prozentsatz zu reduzieren. Das verlangt den Mitarbeitenden im Ordinariat – neben den Aufgaben im Tagesgeschäft – viel ab. Strategische Ziele müssen festgelegt werden, liebgewonnene Traditionen zurückgelassen, neue Kooperationen ins Leben gerufen. Das gilt ebenso für das Teilprojekt „Pastoral und Wirksamkeit“, mit dem hauptamtliche und ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger dabei unterstützt werden, ihre Angebote zu hinterfragen und bei Bedarf neu zu gestalten. Mit Seelsorgeangeboten wie der Bahnhofsseelsorge oder der Theaterpastoral geht die Erzdiözese schon jetzt neu auf die Menschen zu, dort, wo sie arbeiten und leben.
Besonders augenfällig wird das Ausmaß des Veränderungsprozesses beim Leitprojekt „Immobilien und Pastoral“. Das ganze Erzbistum ist überspannt von einem dichten Netzwerk an Kirchen, Kapellen, Pfarrhäusern und Pfarrheimen, rund 7.000 Gebäude sind es insgesamt. Lange Zeit war es selbstverständlich, dass all diese Gebäude erhalten werden. Doch diese Selbstverständlichkeit gilt nicht mehr: Mittlerweile ist klar, dass die finanziellen Mittel zukünftig bei weitem nicht für alle Gebäude ausreichen werden. Die Pfarreien müssen sich zusammentun und überlegen, was erhalten werden soll, was anders genutzt werden kann, was vielleicht sogar ganz aufgegeben werden muss.
Das kann zu schmerzhaften Fragen für Gläubige, Ehrenamtliche und Mitarbeitende führen: Die Kirche, mit der wir so viele Erinnerungen verbinden, soll nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden? In unserem Pfarrheim sollen Flächen an Externe vermietet werden? Dennoch wächst die Gewissheit: Wir müssen uns jetzt auf den Weg machen, so schwierig es auch sein mag. Nur so können wir die Veränderungen mitgestalten und werden nicht einfach von ihnen überrollt. Das Beispiel von St. Thomas Morus in München zeigt, wie sich die Nutzung von Räumen verändern kann.
Eine weitere Herausforderung, der das Teilprojekt „Engagement und Ehrenamt“ begegnet: Was brauchen Ehrenamtliche und freiwillig Engagierte, damit sie ihren Aufgaben voller Elan und unbeschwert nachgehen können? Die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten, die es schon gibt, werden überprüft und optimiert. Ein erster Schritt dazu ist eine digitale Plattform, die Fortbildungsangebote, Anlaufstellen, Informationen und Materialien besser zugänglich machen soll.
All diese Überlegungen und Entwicklungen kosten viel Zeit und Energie. Immer wird aber auch spürbar: Veränderungen setzen neue Kräfte frei. Sie sind ein Anlass, innovative Ideen zu entwickeln, andere Arbeitsweisen auszuprobieren, sich von alten Gewohnheiten zu trennen. So können Angebote entstehen, die vor kurzer Zeit noch gar nicht denkbar gewesen wären. Die Menschen stehen dabei immer im Mittelpunkt: Wie kann Kirche für sie da sein, sie in schwierigen Situationen unterstützen, sie in Berührung mit Gott bringen? Sich anhand dieser Fragen immer weiterzuentwickeln, das wird eine zentrale Aufgabe für die Kirche der Zukunft bleiben.