München/Freising, 8. Oktober 2026. Unter dem Titel „S.O.S. Save our Souls!“ versammelt das Diözesanmuseum Freising in seiner neuen Sonderausstellung kostbare Arbeiten aus Spätgotik und Renaissance von führenden italienischen Künstlern wie Lorenzo Lotto und Carlo Crivelli. Sämtliche Werke stammen aus den italienischen Marken, der Region im Osten des Landes zwischen Apennin und Adria, die in den Jahren 2016 und 2017 von schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Mehr als 300 Menschen verloren damals ihr Leben. Aus den Trümmern der Kirchen wurden in den vergangenen Jahren systematisch Kunstwerke geborgen und mit öffentlichen Geldern restauriert. Eine Auswahl der kostbarsten Arbeiten ist nun im Diözesanmuseum Freising zu sehen. Die gezeigten Meisterwerke und ihre Geschichte konfrontieren die Besucher mit der Frage: Wir retten Kunst – rettet uns die Kunst?
Kardinal Reinhard Marx eröffnet am Sonntag, 18. Oktober, um 17 Uhr die Ausstellung im Rahmen eines Festakts für geladene Gäste. Journalistinnen und Journalisten können die Schau vorab besichtigen im Rahmen eines
Presserundgangs durch die Sonderausstellung
„S.O.S. Save our Souls!“
am Donnerstag, 15. Oktober, um 11 Uhr
im Diözesanmuseum Freising, Domberg 21, Freising.
Durch die Ausstellung führen der Direktor des Diözesanmuseums, Christoph Kürzeder, und Kuratorin Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus. Von Dienstag, 20. Oktober, an ist die Ausstellung für das Publikum geöffnet.
Verschiedene italienische Institutionen statten die Ausstellung in Freising mit 20 Leihgaben aus. Darunter befindet sich Lorenzo Lottos „Verkündigung an Maria“ (1533-1535), eines der Hauptwerke im Schaffen des venezianischen Malers, das exemplarisch für dessen psychologisierende Malweise steht. In dieser ungewöhnlichen Verkündigung ist Maria deutlich das Erschrecken über das übernatürliche Ereignis anzusehen. „Und wieder passiert, was immer dann passiert, wenn große Kunst ihre Wirkung entfaltet: Wir können mit Maria empfinden, dass das, was in dieser Sekunde geschieht, gewaltig ist. Mit einem Mal stehen wir auf Marias Seite. Lorenzo Lotto drückt aus, was die Heilige Schrift sagt: Sie ist eine von uns. Gott kommt zu euch, er ist da – durch sie gehört er zu uns“, schreibt Kardinal Marx in einem Katalogbeitrag zu diesem Bild.
Mit dem Polyptychon von Massa Fermana zeigt die Ausstellung einen ganzen Altar des venezianischen Malers Carlo Crivelli. Es war sein erstes Werk in den Marken, das durch illusionistische Details, markant gezeichnete Charakterköpfe und reiche Verzierungen und Vergoldungstechniken glänzt. Marco Palmezzanos gewaltiger Altar aus der Franziskanerkirche von Matelica (Pala di Matelica, 1501) versammelt Heilige und Selige des Franziskanerordens, zeigt lokale Bezüge sowie die Heilsgeschichte von der Menschwerdung Jesu Christ und verweist bis in die Gegenwart der gläubigen Betrachter, die einst vor diesem Altar die Messe feierten.
Die Frage, ob Kunst retten kann, stellt sich den Besuchern vor allem auch mit Blick auf die verschiedenen Heiligenbilder, die die Ausstellung präsentiert, wie etwa Pietro Alamannos „Schutzmantelmadonna mit den Heiligen Genesius und Vinzenz Ferrer“ (1485). Das Bild der Madonna, unter deren bergendem Mantel die Gläubigen Rettung finden, während die weniger Frommen draußen zugrunde gehen, stellt drastisch die Gefühlslage der Menschen im ausgehenden 15. Jahrhundert angesichts hereinbrechender Bedrohungen (in diesem Fall der Pestausbruch von 1485) vor Augen. Der Künstler Pietro Alamanno (‚Pietro der Deutsche‘), eigentlich Peter Grill aus Göttweig, ist einer der zahlreichen belegbaren nordalpinen Einwanderer in den Marken, die die internationale Attraktivität des Landstrichs bezeugen, der nun im Zentrum der neuen Sonderausstellung des Diözesanmuseums steht.
Der Audioguide zu „S.O.S. Save our Souls!“ bietet statt einer klassischen kunsthistorischen Führung einen Podcast-Rundgang aus ungewohnter Perspektive. In zehn kurzen Gesprächen führt Bert te Wildt, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen, durch die Ausstellung und erklärt weniger die Bilder an sich, sondern schaut als Psychiater und Psychotherapeut auf das, was sie erzählen: Geschichten über Schutz und Bindung, Leid und Schuld, Schönheit, Sinn und Trost. (kjk/ck)
Hinweise:
Journalistinnen und Journalisten melden sich für den Presserundgang sowie die nicht öffentliche Ausstellungseröffnung bitte per E-Mail an pressestelle@erzbistum-muenchen.de oder unter Telefon 089/2137-1263 an.
Die Sonderausstellung „S.O.S. Save our Souls“ im Diözesanmuseum Freising läuft von 20. Oktober 2026 bis 4. April 2027 und kann täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr sowie donnerstags bis 20 Uhr besucht werden. Das DIMU-Restaurant lädt jeden Donnerstag ab 18 Uhr zum Aperitivo-Abend mit Spezialitäten aus den italienischen Marken ein.