Maria Anna Lindmayr ist untrennbar mit dem Bau der Münchner Dreifaltigkeitskirche verbunden. Zu ihrem 300. Todestag erinnern Veranstaltungen an die Ordensschwester und Mystikerin, die wegen ihrer Weissagung als Retterin Münchens gilt.
Maria Anna Lindmayr ist untrennbar mit der Dreifaltigkeitskirche in der Münchner Pacellistraße verbunden. Die Bürgertochter, die von 1657 bis 1726 lebte, wohnte gegenüber der heutigen Dreifaltigkeitskirche; ihr Vater war Kammerdiener beim Herzogspaar. Wie dieses war auch die Familie Lindmayr sehr fromm. Aus der kinderreichen Schar wurde eine Reihe von Söhnen Geistliche und mehrere Töchter traten ins Kloster ein. Auch Maria Anna wollte ins Kloster, wurde wegen ihres schwankenden Gesundheitszustandes und der fehlenden Mitgift aber nirgends aufgenommen. So musste Maria Anna im Haushalt ihrer Eltern verbleiben und dort helfen.
Von ihrer Jugend an besaß Maria Anna eine besondere Verbindung ins Jenseits und sah sich als Überträgerin himmlischer Botschaften: Ihr erschienen die Heiligen, die mit ihr sprachen, und sie hatte Kontakt zu den armen Seelen im Fegefeuer. Sie sah ihre Aufgabe darin, durch fromme Akte zu deren baldigen Erlösung beizutragen. Zunächst war sie in geistlicher Betreuung bei den Jesuiten von St. Michael und dann bei den Karmeliten direkt nebenan. Dort wurde sie Terzianin, also Laienmitglied, des Karmelitenordens.
Im Spanischen Erbfolgekrieg zwischen 1701 und 1714 spielt diese junge Frau mit der besonderen Gabe dann eine Rolle. Der Kaiser in Wien und der französische König streiten um das Erbe des spanischen Königs. Kurfürst Max Emmanuel schlägt sich entgegen seiner Pflicht, als Reichsfürst den Kaiser zu unterstützen, auf die Seite Frankreichs – und damit auf die Verliererseite. Österreich verbündet sich mit England und besiegt die bayerisch-französischen Truppen in mehreren Schlachten. Die Armee rückt auf München zu, wo die Angst umgeht, dass die Stadt wie schon andere in Flammen aufgehen wird.
In dieser Situation legt Maria Anna ein Gelübde ab, dass wenn München von der Zerstörung bewahrt bleibt, die Bewohnerinnen und Bewohner eine Dankeskirche zu Ehren der Dreifaltigkeit errichten werden. Dieses spricht sich in München herum, mit der Folge, dass sowohl die Bürgerschaft im Rathaus als auch die Geistlichkeit in der Frauenkirche ebenfalls dieses Gelübde ablegen. Als München zwar besetzt, aber nicht zerstört wird, geht die Stadt - wenn auch mit Verzögerung - den Bau der Dreifaltigkeitskirche an. Im Jahr 1711 wurde der Grundstein gelegt. Die Karmeliten und Maria Anna Lindmayr regen an, mit diesem Bau auch die Errichtung eines Karmelitinnen-Klosters zu verbinden. Dazu sollten unter anderem zwei Häuser, die Maria Anna bereits aufgrund der Stiftungen frommer Frauen gehören, und das Kapital der verstorbenen Herzogin Mauritia Febronia eingesetzt werden.
1713 legte sie im Karmeliterkloster als Schwester Maria Anna Josepha a Jesu die ewige Profess ab und wirkte dann als Krankenschwester, als Priorin und schließlich als Novizenmeisterin. Sie starb 1726 im „Ruf der Heiligkeit“. Ein vom Freisinger Fürstbischof eingeleiteter Prozess zu ihrer Seligsprechung wurde jedoch nie zu Ende geführt.