Kardinal Reinhard Marx hört einer Frau zu, die mit dem Rücken zur Kamera steht.
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Zuhören und miteinander ins Gespräch kommen standen im Mittelpunkt des 5. Tags der Begegnung.

„Wir brauchen solche Begegnungen“

Rund 40 Betroffene sexuellen Missbrauchs und ihre Angehörigen sind zum 5. Tag der Begegnung der Erzdiözese gekommen. Kardinal Reinhard Marx betont: „Dieser Weg ist noch nicht zu Ende.“

40 Betroffene sexuellen Missbrauchs und ihre Angehörigen sind am 16. Oktober ins Schloss Nymphenburg in München zum „5. Tag der Begegnung“ der Erzdiözese gekommen. Dort konnten sie sich über neue Angebote zur Begleitung und Unterstützung von Betroffenen informieren. Im Mittelpunkt standen allerdings der Austausch, die Gespräche und das Zuhören.

Kardinal Reinhard Marx, Generalvikar Christoph Klingan und Amtschefin Stephanie Herrmann dankten den Betroffenen für ihr Kommen und ihr Engagement. Generalvikar Klingan betonte die Relevanz des direkten Dialogs: Der Betroffenenbeirat der Erzdiözese sei und bleibe dabei „ein zentraler Gesprächspartner, der die Perspektive und Anliegen von Betroffenen aktiv einbringt und die Arbeit der Erzdiözese kritisch-konstruktiv begleitet“. Amtschefin Herrmann dankte den Anwesenden ebenfalls für ihr Kommen: „Unser Anliegen ist, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, Ihre Wünsche zu erfahren, Betroffene über die Angebote der Erzdiözese München und Freising zu informieren und, soweit es uns möglich ist, Ihre Fragen zu beantworten.“

Kardinal Marx: Große Erschütterung

„Wir sind auf einem guten Weg, aber er wird nicht zu Ende gehen. Das haben wir in einem Kreis der Betroffenen gesagt. Wir brauchen solche Begegnungen“, erklärte Kardinal Marx und erinnerte sich an die ersten Gespräche mit Betroffenen im Jahr 2010: „Das ist schon ein Weg gewesen, den ich am Anfang nicht einmal geahnt habe. Ich kann das nicht ohne große Erschütterung sagen. Ich bin sehr dankbar, dass Sie uns auch immer wieder daran erinnern. Ich bin sehr dankbar für diese Entwicklung der letzten Jahre.“

„Wir sind auf einem guten Weg, aber er wird nicht zu Ende gehen.“

Kardinal Reinhard Marx

Das geistliche Angebot wird laut Marx fortgesetzt. Dieses müsse so breit sein, „dass auch Menschen, die eigentlich mit der Kirche fast nichts mehr zu tun haben, doch angesprochen sind“. Dies sei auch der Sinn seiner 2020 gegründeten Stiftung Spes et Salus, „auch gerade auf die Leute zuzugehen, die sagen, der Missbrauch hat meinen Glauben beschädigt oder sogar meinen Glauben zerstört. Diesen Menschen zu helfen, ist mir ein großes Anliegen.“

Gisela Engel, Stellenleiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) im Kreis Rosenheim und Wasserburg, stellte die EFL und ihr Angebot für Familien von Betroffenen vor. „Was geschehen ist, endet meist nicht bei den unmittelbar Betroffenen“, so Engel. „Die Auswirkungen reichen oft weit ins Familiensystem hinein und sind häufig generationsübergreifend.“

„Es passiert was, es geht was voran, Kirche bewegt sich“

Frank Beyersdörfer, langjähriger Geistlicher Begleiter und Ausbilder für geistliche Begleitung, stellte sich als neue Ansprechperson für Verdachtsfälle spirituellen Missbrauchs im Bereich der Erzdiözese vor. Er ermutigte mutmaßlich Betroffene von spirituellem Missbrauch, ihre Situation im Gespräch zu klären. „Personen, die kommen, entscheiden selbst, wenn spiritueller Missbrauch vorliegt oder vorzuliegen scheint, ob sie dann weitere Schritte gehen“, so Beyersdörfer.

Ebenfalls neu ist Clara Schönfelder, eine Mitarbeiterin der Anlauf- und Beratungsstelle für Betroffene im Bereich der Erzdiözese. Die Pastoralreferentin bezeichnete Spiritualität als eine der Kernkompetenzen der Kirche: „Und da sichere Räume zu schaffen, ist mir ein hohes Anliegen.“

Richard Kick, Sprecher des Betroffenenbeirats, präsentierte die Broschüre „5 Jahre Arbeit des Betroffenenbeirats“. Er dankte Kardinal Marx, Generalvikar Klingan und Amtschefin Herrmann für die kontinuierliche Zusammenarbeit, den nachhaltigen Austausch und die vielfältige Unterstützung. „Das war nicht selbstverständlich und ist bis heute nicht selbstverständlich in vielen Diözesen Deutschlands.“ Möglich gewesen sei die konstruktive Zusammenarbeit, weil von Anfang an klar gewesen sei, „dass es nur gemeinsam geht“. Viele Betroffene hätten menschliche und finanzielle Hilfe erhalten und das Gefühl, „es passiert was, es geht was voran, Kirche bewegt sich“, so Kick. (hs/ra)